USA schicken Vermittler am Wochenende nach Pakistan
Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newsdesk
Verhandeln die USA und der Iran am Wochenende nun endlich über den Iran-Krieg? Die Zeichen verdichten sich. US-Präsident Donald Trump schickt laut CNN und Axios seine Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner am Wochenende nach Pakistan, um an Gesprächen mit dem iranischen Aussenminister Abbas Araghtschi teilzunehmen. Eine offizielle Bestätigung aus Teheran gibt es dazu nicht.
Araghtschi hatte am Freitagabend auf X nur bestätigt, zu einer zeitnahen Reise nach Islamabad, Maskat (Oman) und Moskau aufzubrechen. «Ziel meiner Besuche ist es, mich mit unseren Partnern eng über bilaterale Angelegenheiten abzustimmen und mich über regionale Entwicklungen auszutauschen. Unsere Nachbarn haben für uns oberste Priorität», schrieb der Aussenminister weiter. Nun scheint es jedoch, als ob auch die USA an den Gesprächen in Islamabad beteiligt sein könnten.
Laut Regierungsbeamten plane US-Vizepräsident JD Vance derzeit keine Teilnahme, da auch der iranische Parlamentspräsident Mohammad-Bagher Ghalibaf nicht dabei sein werde, berichtet CNN. Vom Weissen Haus wird Ghalibaf als zentraler Leiter der iranischen Delegation und als Vances Gegenüber bei Verhandlungen angesehen. Vance werde demnach jedoch bereitstehen, um nach Islamabad zu reisen, falls die Gespräche Fortschritte machen sollten.
Hisbollah-Miliz erklärt Waffenstillstand im Libanon für «bedeutungslos»
Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newsdesk
In der Nacht auf Freitag hatte Donald Trump eine Verlängerung des Waffenstillstands zwischen Israel und dem Libanon um weitere drei Wochen bekannt gegeben. Nach Gesprächen mit Vertretern beider Nationen im Weissen Haus hatte sich Trump auf «Truth Social» optimistisch gezeigt. Nun hat sich die Hisbollah-Miliz zur Waffenruhe geäussert – und diese als «bedeutungslos» bezeichnet.
Der Waffenstillstand im Libanon sei «angesichts der anhaltenden feindseligen Aktionen Israels bedeutungslos», hiess es hierzu in einer Stellungnahme der Hisbollah. Jeder Waffenstillstand, der nicht «direkt mit dem Rückzug Israels aus libanesischem Gebiet verbunden ist, bekräftigt das feste und endgültige Recht des libanesischen Volkes, sich gegen die Besatzung zu wehren und sie aus unserem Land zu vertreiben», so die vom Iran unterstützte Gruppe weiter.
Mohammad Raad, der Vorsitzende der Hisbollah-Fraktion im Parlament, hatte in einer separaten Erklärung den Vermittlern einen «trügerischen Plan» vorgeworfen, um «die israelische Aggression zu decken», nachdem es in den letzten Tagen zu einer Reihe tödlicher israelischer Militärangriffe gekommen war.
Donald Trump hatte neben dem angekündigten Waffenstillstand auch Unterstützung im Libanon versprochen. Man wolle nun «vereint» gegen die Hisbollah auftreten, um den Libanon vor dem Einfluss der Miliz zu schützen.
Irans Aussenminister Araghtschi besucht Pakistan, Oman und Russland
Von Sandra Marschner, Redaktorin am Newsdesk
Zeichnen sich nun neue Entwicklungen bei den Friedensgesprächen ab? Laut einem Bericht der halbstaatlichen iranischen Nachrichtenagentur Mehr werde der iranische Aussenminister Abbas Araghtschi ab Freitagabend «eine Reihe von Besuchen in Islamabad, Maskat (Oman) und Moskau» antreten. Araghtschi bestätigte die Treffen später auf X.
«Der Zweck dieser Reise sind bilaterale Konsultationen, Gespräche über aktuelle Entwicklungen in der Region sowie die jüngste Lage im von den Vereinigten Staaten und dem israelischen Regime gegen den Iran geführten Krieg», so Mehr. Wie CNN berichtet soll der Aussenminister zunächst in Islamabad Gespräche mit pakistanischen Vermittlern führen. US-Vertreter sollen bei dem Treffen jedoch nicht beteiligt sein, berichten CNN unter Berufung auf eine US-Quelle sowie iranische Staatsmedien.
Während US-Präsident Donald Trump die Iraner aufgefordert hatte, «ihren Vorschlag» vorzulegen, ist unklar, welche konkreten Ziele Araghtschis Mission nun für Friedensgespräche beinhalten könnte. Wie CNN berichtet, hoffe man jedoch auf pakistanischer Seite, dass das Treffen in Islamabad zu einer zweiten Gesprächsrunde zwischen den USA und dem Iran führe.
Die letzte iranische Delegation hatte noch der Sprecher des iranischen Parlaments, Mohammad Baghir Ghalibaf, geleitet. Trump hatte bereits behauptet, die iranische Führung sei gespalten. Dies wurde jedoch von iranischen Führern, darunter sowohl Araghtschi als auch Ghalibaf, in fast identischen Tweets der letzten Tage zurückgewiesen, wobei Ghalibaf sagte: «Es gibt keine Radikalen oder Gemässigten – wir sind alle Iraner und Revolutionäre.»
Hegseth: «Die Blockade wird zu einer weltweiten Angelegenheit»
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
US-Kriegsminister Pete Hegseth schreckt nicht vor Drohungen gegen den Iran zurück. Bei einer Pressekonferenz im Pentagon am Freitag erklärt Hegseth, dass die US-Armee weiterhin «jederzeit bereit» sei, die Kämpfe wieder aufzunehmen.
Generalstabschef Dan Caine wiederholte, dass die US-Seeblockade in Hormus weiterhin bestehe. «Die Schiffe treffen eine weise Entscheidung, wenn sie umdrehen», warnte der General. Insgesamt konnten insgesamt 34 Schiffe mit Verbindungen zum Iran zur Umkehr bewegt werden.
Ein Containerschiff – die Tosca – habe sich der Blockade widersetzt (wir berichteten im Ticker darüber). «Wir haben das Schiff nach mehreren Warnungen mit neun, präzisen Schüssen ausser Gefecht gesetzt.» Schliesslich habe das Schiff begonnen, zu kooperieren. US-Kräfte haben den Tanker im Anschluss gekapert, teilt Caine mit.
Zuvor teilte der Kriegsminister mit, die Stärke der Seeblockade wachse jeden Tag. Die USA hätten keinen Stress. Erneut konnte sich Hegseth einen Seitenhieb gegen Europa nicht verkneifen. «Wir können uns nicht auf sie verlassen, aber die Europäer brauchen die Strasse von Hormus viel dringender als wir. Das ist viel mehr ihr Kampf als unserer.» Die europäischen Ländern hätten vergangene Woche eine «alberne Konferenz» abgehalten, die keine Resultate gebracht habe.
Ein Journalist will von Hegseth wissen, ob er jeweils einen Adrenalinstoss verspüre oder Angst habe, wenn er einen Schlag gegen den Gegner anordne. Hegseth antwortet darauf: «Mein einziges Anliegen ist es, sicherzustellen, dass unsere Soldaten alles haben, was sie brauchen. Krieg ist gewalttätig. Ich möchte, dass unsere Jungs nach Hause kommen.»
Bald werde ein zweiter Flugzeugträger zur Blockade stossen, erklärt der Kriegsminister zum Schluss. «Sie wächst und wird zu einer globalen Angelegenheit.»
Mein Kollege Michael Hotz hat in diesem Artikel beschrieben, welche Produkte aufgrund des Iran-Kriegs noch teurer werden könnten.
Recherche zeigt: Vier MSC-Frachter mogelten sich durch Hormus
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Bilder sind im Krieg zwischen dem Iran und den USA allgegenwärtig. In der Nacht auf Donnerstag veröffentlichten die Revolutionsgarden ein Video, in dem sie ein Schiff der Reederei MSC mit Sitz in Genf entern. Mein Kollege Guido Felder hat in diesem Ticker über das Ereignis berichtet. Die Drohne filmte, wie Soldaten die MSC Francesca (364 Meter) und die von MSC gecharterte Epaminondas übernehmen.
Die Revolutionsgarden erklärten, die Frachter hätten die Meerenge ohne Erlaubnis durchquert und dabei ihre Ortungssysteme manipuliert. Die strategisch wichtige Meerenge zählt zu den sensibelsten Nadelöhren des globalen Handels.
Eine Recherche der «NZZ» zeigt nun: Seit Samstag wagten vier weitere MSC-Schiffe die Durchfahrt durch die Strasse von Hormus – sie schafften es offenbar mit der Ausschaltung ihrer Transponder und bewegten sich zuvor praktisch im Gleichschritt auf die Strasse von Hormus zu. Seit Montag sind die Schiffverfolgungsdaten wieder einsehbar, mittlerweile befinden sich die Schiffe bereits nach Indien.
Bei der «MSC Francesca» könnte das gleiche Vorgehen geplant gewesen sein, bevor es augenscheinlich scheiterte.
Die Ausfahrt schafften auch mehrere, leere Kreuzfahrtschiffe, die im Persischen Golf festsassen.
Die Reederei MSC äusserte sich auf «NZZ»-Anfrage bislang nicht zu den Vorfällen.
Vor Beginn des Iran-Kriegs passierten täglich rund 130 Schiffe die Strasse von Hormus. Im Anschluss brach der Verkehr dramatisch ein. Alle Zahlen und Fakten zur Sperrung der Strasse von Hormus findest du hier.
10 Millionen Kopfgeld! Trump macht Jagd auf Iran-Helfer
Von Guido Felder, Auslandredaktor
Das US-Aussenministerium zieht die Daumenschrauben gegen pro-iranische Gruppierungen im Irak weiter an. Für entscheidende Hinweise, die zur Ergreifung oder Identifizierung von Abu Alaa al-Walae führen, wurde nun eine Belohnung von bis zu 10 Millionen Dollar ausgesetzt. Er ist der Anführer der Miliz «Kataib Sayyid al-Shuhada» (KSS), einer schiitischen Gruppierung, die eng mit dem Iran verbündet ist.
Die US-Behörden machen al-Walae und seine Kämpfer für eine Serie von Gewalttaten verantwortlich. In der offiziellen Erklärung wird ihm vorgeworfen, Angriffe auf US-Militärbasen und diplomatische Einrichtungen im Irak sowie in Syrien koordiniert zu haben. Zudem soll die Miliz an der Tötung irakischer Zivilisten beteiligt gewesen sein..
Der Fall al-Walae ist kein Einzelfall. Erst vor rund zehn Tagen setzte das US-Aussenministerium ein identisches Kopfgeld von 10 Millionen Dollar auf Ahmad al-Hamidawi aus, den Anführer der Kataib Hisbollah. Ihm wird vorgeworfen, im März massive Angriffe auf US-Einrichtungen befohlen zu haben.
Die Amerikaner haben sich die Zerschlagung des Regimes wohl einfacher vorgestellt. Trotz der militärischen Übermacht ist es den USA nicht gelungen, die Mullahs zu besiegen. Am liebsten möchte sich Trump wohl aus dem Krieg herausschummeln, schreibt mein Kollege Samuel Schumacher.
Verlängerter Waffenstillstand und gemeinsamer Kampf gegen die Hisbollah
Von Guido Felder, Auslandredaktor
Donald Trump hat eine Verlängerung des Waffenstillstands zwischen Israel und dem Libanon um weitere drei Wochen bekannt gegeben. Die Einigung ist das Ergebnis eines hochrangigen Treffens im Weissen Haus.
Nach Gesprächen mit Vertretern beider Nationen, Vizepräsident J. D. Vance und Aussenminister Marco Rubio, zeigte sich Trump auf seiner Plattform «Truth Social» optimistisch. Die USA würden den Libanon künftig dabei unterstützen, sich vor dem Einfluss der Hisbollah zu schützen, gegen die man nun «vereint» auftrete.
In Kürze will der Präsident sowohl den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu als auch den libanesischen Präsidenten Joseph Aoun persönlich im Weissen Haus empfangen – ein Treffen, das Trump bereits jetzt als «historisches Ereignis» bezeichnet.
Trotz der vereinbarten Pause mahnte er zur Vorsicht: Man müsse die Aktivitäten der Hisbollah weiterhin genau im Auge behalten. Dennoch sehe er für dieses Jahr eine «grosse Chance» auf einen dauerhaften Frieden in der Region.
Atomschlag? Trump hat darauf eine klare Antwort
Von Guido Felder, Auslandredaktor
Beim Iran beisst Trump mit seiner Superarmee auf Granit. Zwar sind die Militärkräfte im Iran und deren Material massiv zerschlagen worden, aber sie können immer noch zuschlagen. Holt Trump daher nun die Atombombe hervor, wie ein Ex-CIA-Analyst behauptet hat?
Trump hat darauf nun eine klare Antwort gegeben. Auf eine entsprechende Frage im Oval Office reagierte er deutlich und antwortete knapp: «Nein.»
Der Präsident wies die Überlegung zurück: «Warum sollte man so eine dumme Frage stellen? Warum sollte ich eine Atomwaffe einsetzen?» Zugleich betonte er, die USA hätten den Iran auch ohne einen solchen Schritt bereits «dezimiert».
Auch seine Äusserungen hatten zuvor für Spekulationen gesorgt. Seine Warnung, eine «ganze Zivilisation» könne untergehen, falls Teheran kein Abkommen eingehe, wurde von Beobachtern teils als mögliche Andeutung eines Atomschlags interpretiert.
Der US-Präsident kann jederzeit die Atombombe einsetzen. Wie dazu die Abläufe sind, erklärt meine Kollegin Gina Grace Zurbrügg hier.
Erstmals seit Waffenruhe: Explosionen in Teheran
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
Erstmals seit Beginn der Waffenruhe mit den USA ist es in Teilen der iranischen Hauptstadt Teheran wieder zu Explosionen gekommen. Laut Berichten von Staatsmedien waren am Donnerstag zudem im Westen der Metropole Geräusche von Luftabwehr zu hören. Die Nachrichtenagentur Irna sprach von «Luftabwehrfeuer», während Mehr meldete, dass das Abwehrsystem in mehreren Stadtgebieten gegen «feindliche Ziele» aktiviert worden sei.
Parallel dazu sorgt ein personeller Rückzug im iranischen Verhandlungsteam für zusätzliche Spannungen. Laut einem israelischen Medienbericht ist der iranische Parlamentssprecher Ghalibaf aus dem Team zurückgetreten, wie «Channel 12» schreibt. Hintergrund seien Uneinigkeiten mit Vertretern der Revolutionsgarden über den Kurs in den Gesprächen mit den USA. Während Ghalibaf demnach auf Verhandlungen setzte, forderten die Revolutionsgarden zunächst ein Ende der US-Blockade.
Die Entwicklung gilt als besonders brisant, da Ghalibaf als Trumps «Favorit» im Iran galt. Eine diplomatische Lösung dürfte dadurch für die USA nicht einfacher werden. Eine offizielle Bestätigung für den Rücktritt liegt bislang jedoch nicht vor. Mehr zu Ghalibaf kannst du hier nachlesen.
Iran: Chamanei schwer verletzt, aber «klar im Kopf»
Von Daniel Macher, Redaktor am Newsdesk
Seit dem Untertauchen des Obersten Führers Modschtaba Chamenei gab es zahlreiche Gerüchte um seinen Verbleib und gesundheitlichen Zustand. Bekannt ist, dass Chamenei bei einem Angriff der USA, bei dem sein Vater und ehemaliger Führer, Ayatollah Chamenei, ums Leben kam, schwer verletzt wurde.
Wie die «New York Times» unter Berufung auf iranische Insider nun berichtet, soll er infolge dieser Verletzungen seine Macht vorübergehend an führende Kommandeure der Revolutionsgarden übertragen haben. Die Attacke ereignete sich Ende Februar zu Beginn der militärischen Auseinandersetzung und traf die Hauptstadt Teheran empfindlich. Neben seinem Vater kamen laut offiziellen Angaben auch enge Familienmitglieder ums Leben.
Kurz darauf wurde Chamenei selbst zum neuen Oberhaupt ernannt. Seither fehlt jedoch jede öffentliche Präsenz. Stattdessen verbreitet er seine Anordnungen ausschliesslich schriftlich – ein Umstand, der Spekulationen über seinen Zustand weiter anheizt.
Den Berichten zufolge ist er zwar geistig klar, körperlich jedoch schwer gezeichnet. Mehrere Operationen an einem Bein seien nötig gewesen, eine Prothese stehe noch aus. Auch eine verletzte Hand erhole sich nur langsam. Besonders gravierend seien Verbrennungen im Gesicht, die das Sprechen erschweren.
Aus Sicherheitsgründen lebt Chamenei abgeschirmt. Persönliche Kontakte sind selten, die Kommunikation erfolgt indirekt. Selbst ranghohe Militärs erhalten keinen direkten Zugang. Unterstützung soll er jedoch von Präsident Masoud Pezeshkian bekommen, der als Arzt an seiner Behandlung beteiligt sein soll. Mitte März gab es Gerüchte, dass sich Chamenei in einem Spital in Russland aufhalten soll, wie mein Kollege Gabriel Knopfer geschrieben hat. Hier gehts zum Text.