Die USA wollen nach Angaben von Präsident Donald Trump (79) ein Lazarettschiff nach Grönland schicken. Es solle bei der Versorgung von Kranken helfen, die auf der Arktisinsel keine Hilfe bekämen, schrieb Trump in einem Post auf seiner Plattform Truth Social. «Es ist auf dem Weg!!!» Er sprach von einem «tollen» Schiff, nannte ansonsten aber keine weiteren Einzelheiten.
Die US-Marine verfügt über zwei grosse Lazarettschiffe. In der Vergangenheit wurden die schwimmenden Spitäler etwa nach Naturkatastrophen wie massiven Erdbeben oder verheerenden Hurrikans für Hilfseinsätze in betroffene Gebiete verlegt. In der Hochphase der Corona-Pandemie kamen sie zeitweise auch in US-Häfen zum Einsatz. Die Lazarettschiffe haben nach Angaben der Marine eine Kapazität von jeweils rund 1000 Spitalbetten, davon 80 Betten auf der Intensivstation.
Auf dem riesigen Gebiet Grönlands leben nur knapp 57'000 Menschen. Zuletzt gab es keine Berichte über einen grossen medizinischen Bedarf dort, der die Entsendung eines Lazarettschiffs als nötig erscheinen liesse. Eine Reaktion von Nato-Partner Dänemark auf die «Hilfsgeste» Trumps stand zunächst aus. Zuletzt ist es auch still geworden um Trumps kontroverse Ambitionen, Grönland in die USA einzuverleiben.
Wurden Dänemark und Grönland vorab gefragt?
Trump sagte nicht, ob die geplante Entsendung des Lazarettschiffs mit den Regierung Dänemarks oder des weitgehend autonomen Grönland abgestimmt war. Auch der Zeitrahmen der Verlegung blieb unklar: Einerseits schrieb Trump, dass das Schiff bereits unterwegs sei, andererseits dauert es normalerweise einige Zeit, ein Lazarettschiff mit voller Personalstärke auszustatten. Im Regelbetrieb, wenn die Schiffe vor Anker liegen, befindet sich nur eine minimale Besatzung an Bord.
In Grönland ist neben öffentlichen Gesundheitseinrichtungen in der Fläche das Spital Königin Ingrid in der Hauptstadt Nuuk für kompliziertere Fälle zuständig. In Einzelfällen werden Patienten für aufwendigere Eingriffe auch aus Grönland nach Dänemark ausgeflogen.
Europäische Länder wie Deutschland, Grossbritannien und Frankreich haben sich im Konflikt mit den USA hinter Dänemark und Grönland gestellt. Die Regierungen in Kopenhagen und Nuuk lehnen eine Annexion durch die Vereinigten Staaten entschieden ab. Inzwischen haben sie Gespräche mit Trumps Regierung aufgenommen – mit dem Ziel, einen Kompromiss zu finden.
Dänischer Seitenhieb gegen Trump
Am Samstagnachmittag musste in grönländischen Hoheitsgewässern ein Besatzungsmitglied eines US-U-Boots wegen eines medizinischen Notfalls evakuiert werden, wie das dänische Arktiskommando auf Facebook mitteilte. Ein dänischer Militärhubschrauber holte die Person von Bord, sie wurde in ein Krankenhaus in Nuuk gebracht. Ob ein Zusammenhang zwischen Trumps Ankündigung und dem Vorfall besteht, war zunächst unklar.
Die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen reagierte nach der jüngsten Äusserung des US-Präsidenten mit einem Seitenhieb gegen die USA, ohne Trump oder sein Land direkt zu erwähnen. Sie sei froh, «in einem Land zu leben, in dem alle Menschen freien und gleichberechtigten Zugang zu Gesundheitsversorgung haben» und in dem nicht «Versicherungen und Vermögen darüber entscheiden, ob man eine angemessene Behandlung bekommt», schrieb Frederiksen auf Instagram. In Grönland lebe man denselben Ansatz.