Schütze rennt an Beamten vorbei und wird überwältigt
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Video zeigt Moment:Schütze rennt an Beamten vorbei und wird überwältigt

Manifest aufgetaucht
Trump-Schütze hatte «ausgesprochen antichristliche Motive»

Während des Korrespondenten-Dinners in Washington fielen plötzlich Schüsse. Der mutmassliche Attentäter, ein 31-jähriger Lehrer, wurde festgenommen.
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Der Verdächtige wurde als Cole Allen identifziert.
Foto: TruthSocial

Schrotflinte, Pistolen und Messer – so schwer bewaffnet versuchte der Mann, der in der Lobby des Washington-Hilton-Hotels Schüsse abgefeuert hatte, die Sicherheitskontrollen zu passieren.

Wie Bilder zeigen, konnte der Mann überwältigt und festgenommen werden. Der US-Präsident Donald Trump (79) und First Lady Melania (56) sowie alle anderen geladenen Gäste blieben unverletzt. Ein Beamter des Secret Service wurde angeschossen, hatte aber noch mal Glück, teilt Trump kurz nach seiner Evakuierung mit. «Er wurde aus nächster Nähe mit einer sehr starken Waffe beschossen, und die Weste hat ihren Zweck erfüllt.»

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Laut Trump habe Schütze «ausgesprochen antichristliche Motive»

Bei seinem Statement aus dem Weissen Haus sagte Trump auch, dass er davon ausgehe, dass der Mann ein Einzeltäter, ein «einsamer Wolf» sei. Weiter bezeichnete er ihn als «Spinner». Beim Verhafteten soll es sich um den 31-jährigen Cole Allen aus Kalifornien handeln. Berichten zufolge arbeitet dieser als Lehrer und Entwickler von Spielen.

Über das Motiv ist aktuell noch wenig bekannt. Am Sonntagabend äusserte sich Donald Trump in einem Interview mit Fox News erneut zum mutmasslichen Schützen. Der Verdächtige sei «ein kranker Typ» und ein «Mann mit vielen Problemen», der «Christen hasst», so Trump.

Auf die Frage nach dem Motiv des mutmasslichen Schützen antwortete Trump, der Verdächtige habe offenbar «schon seit einiger Zeit Hass im Herzen» gehabt. Der US-Präsident erklärte, es handele sich um eine «religiöse Angelegenheit» und um «ausgesprochen antichristliche Motive». Trump bezog sich dabei auf ein angebliches Manifest des mutmasslichen Täters, welches eine «antichristliche» Rhetorik aufweise. Darüber hinaus soll der Tatverdächtige «einige grosse Probleme mit dem Rest seines Lebens» gehabt haben.

Schütze bezeichnete sich selbst als «der freundliche Bundesattentäter»

Der «New York Post» liegt das Schreiben des Schützen vor. Der Schütze bezeichnet sich darin selbst als «der freundliche Bundesattentäter». Seine Ziele seien «Regierungsbeamte (mit Ausnahme von (Anm. d. Red.: FBI-Direktor Kash) Patel) (…) geordnet nach Rang, vom höchsten zum niedrigsten». «Ich bin nicht länger bereit, zuzulassen, dass ein Pädophiler, Vergewaltiger und Verräter meine Hände mit seinen Verbrechen befleckt», schreibt Allen und bezieht sich dabei offenbar auf US-Präsident Donald Trump.

Zudem verhöhnt er in dem Schreiben die «wahnsinnige» Sicherheitslücke im Hilton-Hotel in Washington und meint, iranische Agenten hätten noch verheerendere Feuerkraft mitbringen können und «niemand hätte einen Scheiss bemerkt». Weiter schreibt der Schütze: «Die andere Wange hinzuhalten ist etwas für den Fall, dass man selbst unterdrückt wird.»

Zehn Minuten vor dem Schusswechsel im Hilton-Hotel soll der Schütze das Schreiben an Familienangehörige verschickt haben. Zudem bestätigte Donald Trump im Interview mit Fox News, dass Allens Bruder die Polizei von New London, Connecticut bereits vor dem Anschlag auf das Korrespondenten-Dinner über Bedenken hinsichtlich seines Bruders sowie das Manifest informiert habe.

Verdächtiger sei Behörden nicht bekannt gewesen

Wie BBC berichtet, läuft aktuell eine Hausdurchsuchung bei der Wohnung des mutmasslichen Täters. Aufnahmen zeigen ein Grossaufgebot von Polizei und FBI in der Nachbarschaft. Auch jede Menge Journalistinnen und Journalisten sind vor Ort. Auch elektronische Geräte des Verdächtigen wurden beschlagnahmt und derzeit untersucht.

Der amtierende US-Generalstaatsanwalt Todd Blanche (51) gab bei einer weiteren Medienrunde an, dass es «noch keine Anzeichen» dafür gebe, dass der Schütze den Behörden bekannt gewesen sei. Die beiden Schusswaffen, die er bei sich hatte, habe er «in den letzten paar Jahren» gekauft.

Schütze habe es auf Regierungsbeamte abgesehen

Todd Blanche erklärte gegenüber NBC, das Motiv des mutmasslichen Schützen werde noch untersucht, doch «vorläufige» Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass er es auf Regierungsbeamte abgesehen habe, «wahrscheinlich» einschliesslich des Präsidenten. Weiter gingen die Ermittler Berichten nach, wonach der Schütze die Waffe im Hotel zusammengebaut habe.

Der Verdächtige sei jedoch «nicht sehr weit gekommen», betonte Blanche. «Er hat die Absperrung kaum durchbrochen», so der US-Generalstaatsanwalt. Er ergänzte, dass der Verdächtige wahrscheinlich mit dem Zug von Los Angeles nach Chicago und dann weiter nach Washington gereist sei.

Wie der Sender CBS unter Berufung auf Beamte der Bundespolizei berichtet, fanden Ermittler im Hotelzimmer des mutmasslichen Schützen Schriftstücke und prüfen diese im Rahmen der laufenden Ermittlungen. Aus den Aufzeichnungen des Verdächtigen gehe eindeutig hervor, dass er Regierungsbeamte ins Visier nehmen wollte, so die Quellen. Die Behörden sollen zudem anti-Trump- und antichristliche Äusserungen auf den Social-Media-Konten des Schützen gefunden haben, berichtet CBS.

«Bin schockiert»

Auch die «L.A. Times» berichtet über Cole Allen. Dieser habe 2017 ein Studium im Maschinenbau abgeschlossen. Ende 2024 sei er von einem US-Unternehmen zum «Lehrer des Monats» gekürt worden, und 2025 habe er auch noch seinen Master in Informatik abgeschlossen.

Einer seiner ehemaligen Lehrer sagte zur Zeitung: «Er war leise, höflich, ein guter Mensch. Ich bin schockiert, diese Nachricht zu lesen.» Auch Nachbarn sind entsetzt. So sagte einer der Anwohnenden: «Es ist tragisch. Gewalt hat in der heutigen Zeit nichts zu suchen.» Ein anderer meinte lediglich, dass der Verdächtige wirke, als habe er Autismus.

Politisch ist er als «parteiloser Wähler» registriert. Gemäss der US-Wahlkommission habe er 2024 25 Dollar an ein Komitee gespendet, das für die Demokraten Geld sammelt.

Bereits am Montag vor Gericht

Grund zur Annahme, dass die Attacke mit dem Krieg im Iran in Verbindung stehe, gebe es nicht, sagt Trump. Bereits am Montag soll der Schütze einem Bundesgericht vorgeführt werden. Staatsanwältin Jeanine Piro (74) erklärte in Washington, dass der Mann wegen Verwendung einer Feuerwaffe zwecks eines Gewaltverbrechens sowie wegen Angriffs auf Bundesbeamte angeklagt werden soll.

Die Organisatoren des Dinners planten erst, dieses fortzusetzen. Auch Donald Trump wäre damit einverstanden gewesen, heisst es. Am Ende wurde das Event aber trotzdem abgeblasen, und Trump sagte, dass man es in diesem Fall halt wiederholen müsse.

Weitere Angriffe und Verhaftungen

Es ist nicht das erste Mal, dass der Secret Service einschreiten und den US-Präsidenten schützen musste. Während des Wahlkampfs im Juli 2024 verfehlte eine Kugel Trump nur knapp. Ein Zuschauer jedoch wurde erschossen – wie auch der Attentäter.

Mitte September im Jahr 2024 versteckte sich ein Mann im Gebüsch am Rande von Donald Trumps Golfplatz. Er wurde verhaftet und wegen versuchten Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

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