Darum gehts
Russland erhöht Druck auf Ukraine mit Sommeroffensive
Donald Trump und Wladimir Putin trafen sich in Alaska
Trump will direkte Verhandlungen zwischen Putin und Wolodimir Selenski
Putin heuert ukrainische Terror-Teenies für Anschläge an
Von Martin Meul, Reporter News
Nicht nur auf dem Schlachtfeld greift Russland an. Kremlchef Wladimir Putin will die ganze Ukraine zermürben. Und setzt dabei auf Terror-Teenies.
Mehr als 700 Sabotageakte und Terroranschläge hat der ukrainische Geheimdienst seit Anfang 2024 aufgeklärt. Jeder Vierte wurde von Teenagern - in einem Fall sogar von einem erst 11-jährigen Mädchen - verübt. Russland rekrutiert die Jugendlichen auf perfide Art und Weise via die App Telegram.
Von Graffiti-Schmierereien über Angriffe auf Bahngleise bis zu Selbstmordanschlägen mit selbstgebauten Bomben: Die russische Terror-Teenie-Taktik birgt auch für ukrainische Gebiete fernab der Front grosse Gefahren. Blick erklärt, wie Putins Rekrutierer ukrainische Jugendliche in die Falle locken - und warum auch die Schweiz vor dieser Gefahr nicht gefeit ist.
Plant Russland neue Mega-Offensive? «Bis zu 100'000 Soldaten zusammengezogen»
Von Johannes Hillig, Redaktor am News-Desk
Die Welt blickte am 15. August voller Hoffnung nach Alaska. Kein Wunder: Es war das erste Mal, dass Kremlchef Wladimir Putin (72) sich für einen Dialog bereit erklärte, indem er US-Präsident Donald Trump (79) traf.
Ein erster Schritt in Richtung Frieden. Zumindest dachten das viele, ich auch. Und jetzt? Frieden? Keine Spur. Im Gegenteil: Russland erhöht den Druck auf die Ukraine.
Nach Darstellung von Russlands Verteidigungsminister Andrej Beloussow (66) läuft Moskaus Eroberungskrieg erfolgreich und hat zuletzt deutlich an Fahrt gewonnen. «Wenn wir zu Jahresbeginn jeden Monat 300 bis 400 Quadratkilometer befreit haben, so sind es jetzt 600 bis 700», sagte Beloussow bei einer Sitzung des Ministeriums.
Und es könnte für die Ukraine noch schlimmer kommen: Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski (47) hat die russische Armee aktuell «bis zu 100'000» Soldaten im Osten der Ukraine zusammengezogen. Nahe der strategisch wichtigen Stadt Pokrowsk finde «eine Aufstockung und Konzentration des Feindes statt», sagte Selenski am Freitag vor Journalisten in Kiew. «Sie bereiten in jedem Fall Offensivmassnahmen vor», so der Ukraine-Präsident.
Die Stadt Pokrowsk, in der vor Kriegsbeginn rund 60'000 Menschen wohnten, ist ein wichtiger logistischer Knotenpunkt für die ukrainischen Streitkräfte. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Februar 2022 zählt die Region rund um die Stadt zu den am heftigsten umkämpften Gebieten in der Ukraine.
In den vergangenen Monaten waren russische Truppen von drei Seiten auf die Stadt Pokrowsk vorgerückt. Am Freitag befand sich die Armee laut ukrainischen Angaben weniger als fünf Kilometer von der Stadtgrenze entfernt. Vor wenigen Tagen hatte Selenski bereits gewarnt, dass Moskau seine Truppen im von Russland besetzten Teil der südlichen Region Saporischschja für eine mögliche Offensive zusammenziehe.
Warum tut Putin das? Das hat sich auch mein Kollege Samuel Schumacher gefragt und dafür mit Klemens Fischer, Professor für internationale Beziehungen und Geopolitik an der Universität Köln gesprochen. In dem Artikel geht es um Russlands neue Kriegsfalle. Was es damit auf sich hat, erfährst du hier.
Kreml kritisiert Macron für «vulgäre Beleidigungen»
Von Marian Nadler, Redaktor am News-Desk
Russische Politiker schimpfen wie die Rohrspatzen – und besonders gerne gegen Europa. Immer wieder wird gehetzt und beleidigt. Doch wer austeilt, muss auch einstecken können, heisst es. Ausgerechnet da hapert es aber gewaltig bei den Russen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron (47) hatte den russischen Präsidenten Wladimir Putin (72) in der vergangenen Woche als «Raubtier» und «Ungeheuer» bezeichnet. Im Kreml reagiert man nun empört.
Moskau wies die Aussagen am Freitag als «vulgär» zurück. Die Äusserungen überschritten nicht nur die «Grenzen des Zumutbaren, sondern auch des Anständigen», sagte die Sprecherin des russischen Aussenministeriums, Maria Sacharowa (49), laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti. Macrons Äusserungen seien «vulgäre Beleidigungen gegen Russland und sein Volk».
Macron hatte in einem am Dienstag vergangener Woche ausgestrahltem Interview mit dem französischen Fernsehsender LCI europäische Spitzenvertreter gemahnt, Putin nicht zu vertrauen. «Auch für sein eigenes Überleben muss er (Putin) immer weiter fressen. Daher ist er ein Raubtier, ein Ungeheuer vor unseren Toren», sagte Macron.
Einer, der das «Raubtier» in der kommenden Woche persönlich treffen könnte, ist Altbundesrat Ueli Maurer (74). Er nimmt am Mittwoch an den Feierlichkeiten zum 80-jährigen Jubiläum des Endes des Zweiten Weltkriegs in China teil. Putin steht ebenfalls auf der Gästeliste. Hier geht es zur Meldung meines Kollegen Ruedi Studer.
Die drei Sicherheitsgarantie-Wünsche des Wolodimir Selenski
Von Marian Nadler, Redaktor am News-Desk
Die Ukraine versucht aktuell alles, um von seinen Verbündeten und den USA Sicherheitsgarantien zu erhalten. Doch was will die Ukraine eigentlich konkret? Der ukrainische Präsident nannte am Freitag im Rahmen einer Pressekonferenz drei zentrale Wünsche, wie «RBK-Ukraina» berichtete.
- Selenski wünscht sich die Aufrechterhaltung der aktuellen ukrainischen Truppenstärke und die Versorgung der Armee mit Waffen aus ukrainischer, europäischer und amerikanischer Produktion.
- Der zweite Wunsch betrifft die Nato. Dabei geht es um Vereinbarungen mit Partnern auf Führungsebene über ihre Bereitschaft, die Ukraine im Falle einer neuen Aggression zu unterstützen. Die Nato-Mitglieder würden einem Nato-Beitritt «noch nicht» zustimmen, deshalb schlägt Selenski «eine Nato light» vor. «Wir müssen verstehen, wozu unsere Partner bereit sind.»
- Der dritte Wunsch ist das Aufrechterhalten der Sanktionen gegen Russland und die Verwendung eingefrorener russischer Vermögenswerte zum Wiederaufbau der Ukraine.
Am Donnerstag schrieb ich hier über eine diplomatische Offensive der Ukrainer. Selenski entsandte diese Woche eine Delegation auf eine Reise um den halben Globus. In Saudi-Arabien, den USA und auch der Schweiz sollen Präsidialamtschef Andrij Jermak (53) und Ex-Verteidigungsminister Rustem Umjerow (43) weitere internationale Unterstützung sammeln, den Druck auf Russland erhöhen – und im besten Fall mit Sicherheitsgarantien zurückkehren. Am Freitag treffen sie sich in den USA unter anderem mit dem Sondergesandten von US-Präsident Donald Trump (79), Steve Witkoff (68). Nun macht auch Selenski parallel Druck.
USA schnüren massives Raketen-Paket für Ukraine
Von Daniel Kestenholz, Redaktor Nachtdienst
Die USA haben grünes Licht für einen massiven Waffendeal gegeben: Raketen und Kriegsgerät im Wert von 825 Millionen Dollar (rund 663 Millionen Franken) sollen an die Ukraine geliefert werden, um Kiew im Kampf gegen Russlands Angriffskrieg zu stärken.
Die Finanzierung kommt aus den USA, Dänemark, den Niederlanden und Norwegen, wie am Donnerstag aus dem US-Aussenministerium verlautete. Erstmals greift damit der neue Kaufmechanismus über Nato. Der Deal umfasst 3350 Extended Range Attack Munition (ERAM)-Raketen, GPS-Einheiten, militärische Schulungen und technischen Support.
Während Kiew neue militärische Muskeln bekommt, toben in der Ukraine weiter blutige Kämpfe. In der Nacht auf Donnerstag schlug Russland mit einem der schwersten Luftangriffe seit Kriegsbeginn zu: Über 600 Drohnen und 30 Raketen trafen die Hauptstadt Kiew, mindestens 23 Menschen starben, darunter vier Kinder. Zudem wurden die Büros der EU und Grossbritanniens beschädigt.
Derweil schwindet die Hoffnung auf Frieden. Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz zeigte sich pessimistisch. Ein geplantes Gipfeltreffen nach Trumps Alaska-Gesprächen zwischen Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski scheint gescheitert. «Es wird offensichtlich kein Treffen zwischen Putin und Selenski geben», so Merz.
Vergeltung für Angriffe auf Kiew? Ukraine bestätigt Zerstörung von logistischem Knotenpunkt nahe Moskau
Von Natalie Zumkeller, Redaktorin am Newsdesk
Twer – die sonst unscheinbare Stadt in der Nähe von Moskau beherbergt einen wichtigen Knotenpunkt in der Eisenbahnstrecke zwischen St. Petersburg und der russischen Hauptstadt. Oder wie man nun sagen muss: Beherbergte.
Wie der ukrainische Militärgeheimdienst auf Telegram bekannt gab, wurde die logistisch so wichtige Verbindung in einer Sprengstoffattacke in die Luft gejagt. Gegen 5 Uhr am Donnerstag explodierten mehrere Eisenbahnwagen, die offenbar mit Kraftstoff gefüllt waren, nachdem Sprengsätze angebracht worden waren.
Die Feuer sollen sich auf das gesamte Gelände des Bahnhofs in Twer ausgebreitet haben. Der Angriff ist, so ein Sprecher des Geheimdiensts, «Teil einer Reihe von Massnahmen zur Zerstörung der logistischen Kapazitäten der Russen.»
Der Angriff erfolgte nur kurz nach den Attacken auf Kiew in der Nacht auf Donnerstag. Ob es ein Vergeltungsschlag ist, bleibt offen – der Schaden für die russische Logistik dürfte jedoch gross sein.
«Müssen das Land in ein stählernes Stachelschwein verwandeln» – von der Leyen äusserte sich nach grosser Attacke auf Kiew
Von Natalie Zumkeller, Redaktorin am Newsdesk
Schock in der ukrainischen Hauptstadt Kiew in der Nacht auf Donnerstag: Zwei russische Raketen schlugen nur wenige Meter von der EU-Vertretung ein. Nun hat sich die europäische Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen eingeschaltet. Sie habe nach dem Vorfall mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski und US-Präsident Donald Trump gesprochen.
In einem Beitrag auf X erklärte von der Leyen nach den Gesprächen: «Wir müssen einen gerechten und dauerhaften Frieden für die Ukraine mit soliden und glaubwürdigen Sicherheitsgarantien sichern, die das Land in ein stählernes Stachelschwein verwandeln werden.»
Europa werde seinen Teil dazu beitragen, schrieb die Kommissionspräsidentin. Weiter wolle sie auch Kremlchef Wladimir Putin am Verhandlungstisch sehen.
Ukrainer attackieren Kriegsschiff bei der Krim
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Der russische Angriff auf Kiew war massiv – nun schlagen die Ukrainer zurück. Nahe der Krim wurde ein russisches Kriegsschiff angegriffen. Auf Telegram wird die Operation gefeiert.
Veröffentlichte Bilder zeigen, wie eine Drohne auf das Schiff zusteuert und dieses anschliessend trifft. Laut ukrainischen Angaben handelte es sich bei dem getroffenen Schiff um einen Raketenträger.
Der ukrainische Geheimdienst veröffentlichte ein Video, auf dem der Angriff zu sehen ist. Eine Drohne nähert sich dem Träger und trifft diesen. Dabei sei das Radar beschädigt worden. Das Schiff habe daraufhin seinen Einsatz abbrechen müssen.
Immer wieder gelingen ukrainischen Spezialeinheiten Missionen, die die russische Marine oder Luftwaffe schwächen. So etwa Abschüsse von wichtigen russischen Flugzeugen. Anfang Jahr konnte, ebenfalls bei der Krim, ein Helikopter abgeschossen werden. Die Operation siehst du im Video.
Ein Toter bei Angriff auf ukrainisches Aufklärungsschiff
Nur wenige Minuten nach der Meldung über das attackierte Kriegsschiff, meldete das russische Verteidigungsministerium, ein ukrainisches Aufklärungsschiff bei der Donau-Mündung in der Oblast Odessa versenkt zu haben. Die Operation wurde mit einer Marinedrohne durchgeführt, wie das russische Verteidigungsministerium erklärte.
Bei dem Angriff auf das ukrainische Schiff wurde nach Angaben der ukrainischen Marine mindestens ein Mensch getötet. Mehrere weitere Menschen seien verletzt worden, sagte Marinesprecher Dmytro Pletentschuk am Donnerstag laut der Nachrichtenagentur Ukrinform. «Die Mehrheit der Besatzungsmitglieder ist in Sicherheit.» Die Suche nach mehreren vermissten Soldaten gehe weiter, fügte der Sprecher hinzu.
Mehrere Tote bei neuer «massiver» Attacke auf Kiew – auch EU-Gebäude getroffen
Von Janine Enderli, Redaktorin am Newsdesk
Menschen in Panik, verletzte Kinder und mindestens zehn Tote: Erneut erschüttert ein massiver russischer Raketenangriff die ukrainische Hauptstadt Kiew. «Heute Nacht wird Kiew vom russischen Terrorstaat massiv angegriffen», lautet die alarmierende Botschaft von Militärgouverneur Tymur Tkatschenko.
Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski (47) äusserte sich auf X betroffen: «Es befinden sich wohl immer noch Menschen unter den Trümmern.» Er spricht den Angehörigen der Opfer sein Mitgefühl aus. 629 Drohnen soll Russland abgefeuert haben.
Unter den Todesopfern befindet sich auch ein 14-jähriges Kind, wie ukrainische Medien berichten. Mehr als 20 Menschen wurden zudem verletzt. Im Verlaufe des Morgens stieg die Zahl der Todesopfer auf mindestens 10.
Wie EU-Ratspräsident António Costa am Donnerstag auf X mitteilt, wurde ein Gebäude der EU-Vertretung in Kiew schwer in Mitleidenschaft gezogen.
«Meine Gedanken sind bei den ukrainischen Opfern und auch bei den Mitarbeitern der EU-Delegation, deren Gebäude bei diesem gezielten russischen Angriff beschädigt wurde», heisst es in dem Beitrag. Die EU werde sich von der Aggression nicht einschüchtern lassen, schreibt Costa weiter.
In den vergangenen Monaten traf die russische Armee Kiew regelmässig mit schweren Schlägen. Mitte Juni starben mindestens 28 Menschen bei einer tödlichen Attacke. Im Juli verwandelten 18 Raketen Teile der Stadt ebenfalls in Schutt und Asche. Wie die Szenen nach dem Angriff aussahen, kannst du dir in dem verlinkten Video anschauen.
Russland droht die Pleite
Von Guido Felder, Auslandredaktor
Russland steckt wirtschaftlich in der Krise: Treibstoffknappheit, steigende Benzinpreise bis zu 50 Prozent, und lange Wartezeiten an Tankstellen zeigen, wie hart die Sanktionen und gezielten Angriffe der Ukraine auf russische Energieanlagen das Land treffen.
Zusätzlich droht ein weiterer harter Schlag: Die USA haben Strafzölle gegen Indien von bis zu 50 Prozent auf viele Produkte verhängt, um Indien für dessen Ölimporte aus Russland zu bestrafen. Indien ist nach China einer der wichtigsten Abnehmer russischen Öls. Durch die Zollmassnahme der USA wird Indien gezwungen sein, seine Beziehung zu Russland zu überdenken. Gleichzeitig gerät die russische Wirtschaft dadurch noch stärker unter Druck, weil wichtige Einnahmequellen schwinden.
Insgesamt verschärft sich die wirtschaftliche Schieflage Russlands durch interne Probleme, Angriffe und nun auch durch internationale Handelskonflikte mit Indien. Das dürfte Putins Kriegskasse belasten und Auswirkungen auf den weiteren Kriegsverlauf haben. Der Staatsfonds sei bereits zur Hälfte geplündert, in zwei Jahren sogar leer, sagt Russland-Experte Ulrich Schmid. Mehr dazu hier.