Zuschlag nach 30 Sekunden – Gebot über 2,36 Millionen Franken
Goldküsten-Apartment von dubiosem Pleitier versteigert

Firmen von Julian M. sind in den letzten Jahren immer wieder Konkurs gegangen. Inzwischen lebt er mit seiner Familie in Dubai. Jetzt kam seine einstige Edel-Wohnung in Meilen ZH unter den Hammer. Das Ergebnis lässt Gläubiger ernüchternd zurück.
Publiziert: 29.03.2025 um 17:06 Uhr
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Aktualisiert: 31.03.2025 um 12:53 Uhr
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Die 3-Zimmer-Wohnung an der Goldküste kam für 2,36 Millionen Franken unter den Hammer.
Foto: PD

Darum gehts

  • Luxuswohnung in Meilen versteigert, Luzerner Kantonalbank erhält Zuschlag
  • Dubioses Unternehmerpaar hinterliess Schulden und flüchtete nach Dubai
  • Wohnung für 2,36 Millionen Franken verkauft, 240.000 unter Schätzwert
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Michael HotzRedaktor Wirtschaft

Nach weniger als einer halben Zeigerumdrehung war alles vorbei: Das Betreibungs- und Konkursamt der Zürcher Gemeinde Meilen hat eine edle Immobilie versteigert, die bisher einem Geschäftsmann mit dubiosen Machenschaften gehört hatte. Für 2,36 Millionen Franken ging die Drei-Zimmer-Wohnung weg, wie die «Zürichsee-Zeitung» berichtet. Demnach bekam die Luzerner Kantonalbank (LUKB) mit ihrem Erstgebot in dieser Höhe gleich den Zuschlag. Die Auktion dauerte darum keine 30 Sekunden. «Gut, dann hätten wir das erledigt», bilanziert der Leiter des Amts laut dem Bericht seinen Kurzauftritt.

Das Parterre-Apartment war ab 2020 das Zuhause des österreichischen Unternehmers Julian M.* (45) sowie seiner Frau Johanna M.* (53) und dem gemeinsamen Sohn. Sie haben sich aber inzwischen nach Dubai abgesetzt. In der Schweiz hinterliess das Paar enttäuschte Mitarbeitende, geprellte Zulieferer und einen hohen Schuldenberg, wie Blick-Recherchen offengelegt haben. Damit die Gläubiger wenigstens einen Teil ihres Geldes zurückerhalten, war es nun zur Versteigerung der Wohnung gekommen.

Er leitete angeblich grossen Mischkonzern

Unter anderem schuldet das Paar der Gemeinde Meilen 670'000 Franken an Steuern. Die Steuerschulden sind aber nur die Spitze des Eisbergs. Immer wieder haben Firmen von M. Konkurs gemacht. Dadurch hat er auch bei Mitarbeitern, Lieferanten und Geldgebern grossen Schaden angerichtet, wie Betroffene Blick berichteten. 

Die Masche: Von der Schweiz aus wollte der Österreicher das Firmennetzwerk NCDH aufbauen. Auf dem Papier gab es einen Mischkonzern mit Food, Wein, Maschinenherstellung und ökologischer Unkrautvernichtung. Doch NCDH, das angeblich 1300 Mitarbeitende beschäftigt haben soll, war bloss ein Luftschloss. «Tatsächlich waren es wohl zwischen 10 und 20», so ein ehemaliger Kadermitarbeiter zu Blick. Auch der Umsatz von knapp 400 Millionen Franken im Bericht sei «erstunken und erlogen».

Gläubiger bleiben ernüchtert zurück

Die meisten Geschädigten dürften vom Erlös aus der Versteigerung wenig bis nichts sehen. Denn das Paar schuldet laut der «Zürichsee-Zeitung» auch der Luzerner Kantonalbank eine Stange Geld – total 2,1 Millionen Franken. Die LUKB hatte den Kauf der Eigentumswohnung mit einer Hypothek finanziert. Weil die Forderung der Kantonalbank im Grundbuch eingetragen ist, wird sie zuerst berücksichtigt – zuungunsten der anderen Gläubiger.

Gleichzeitig gelang der LUKB ein kleines Schnäppchen. Der amtliche Schätzwert des Parterre-Apartments an der Goldküste betrug 2,6 Millionen Franken. Die Wohnung erstreckt sich über eine Fläche von 158 Quadratmeter, wie ein im Januar aufgeschaltetes Inserat auf der Immo-Plattform Homegate zeigte. Sie hat Sicht auf den Zürichsee, eine grosse Terrasse sowie zwei Parkplätze und wurde 2007 erbaut. Das Apartment liegt in einem noblen Mehrfamilienhaus mit fünf Wohnungen in einer ruhigen Gegend der steuergünstigen Goldküstengemeinde.

Auch in Dubai macht M. munter weiter

Derweil scheint es sich M. mit seiner Familie am Persischen Golf gemütlich gemacht zu haben. So geschäftet M. in den Vereinigten Arabischen Staaten munter weiter, wie Blick im Frühling 2024 aufdeckte. Er präsentiert sich weiterhin als Chef der NCDH-Gruppe. Und in Dubai hat M. die Firmen Framdita sowie Coomuno registrieren lassen.

*Namen der Redaktion bekannt

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