Trauriger Rekord
Caritas-Märkte für Arme boomen

Die Caritas-Märkte laufen besser denn je. Geschäftsführer Rolf Maurer wünscht sich, dass noch mehr Menschen an der Armutsgrenze ihre Scheu ablegen und bei ihm posten.
Publiziert: 19.01.2017 um 23:39 Uhr
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Aktualisiert: 05.10.2018 um 02:24 Uhr
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Rolf Maurer, Geschäftsführer der 22 Caritas-Märkte, im neuen Laden in Olten SO.
Foto: STEFAN BOHRER
Michael Bolzli

Während das Geschäft im Detailhandel harzt, verzeichnen die Caritas-Märkte Zuwachsraten. «Wir hatten 2016 rund fünf Prozent mehr Kunden als im Vorjahr», sagt Geschäftsleiter Rolf Maurer zu BLICK. 

Rund 980’000 Einkäufe verbuchten die 22 Märkte letztes Jahr. So viel wie noch nie. Vor fünf Jahren waren es noch 670’000. Der Umsatz liegt erst provisorisch vor. Doch auch dieser bleibt hoch: «Der Umsatz im letzten Jahr wird flächenbereinigt auf dem Vorjahresniveau sein», rechnet Maurer. Das heisst: knapp 13 Millionen Franken.

Caritas-Laden in Olten SO: Aufgeräumt, sauber und mit Marken grosser Detailhändler.
Foto: STEFAN BOHRER

Kürzlich wurde ein neuer Markt in Olten SO eröffnet. In den Regalen bekannte Markenprodukte und Eigenmarken der Grossverteiler. Der Caritas-Laden unterscheidet sich nicht von anderen Supermärkten.

Marken-Mayo von Thomy für 1.25 Franken.
Foto: STEFAN BOHRER

Nur eben die Preise sind tiefer als anderswo. Kunden geben im Schnitt zwölf Franken pro Einkauf aus. Die Caritas spürt den Preiszerfall im Detailhandel. «Wir haben unsere Preise stark gesenkt», sagt Maurer. 

So kostet ein Kilo Hartweizen-Teigwaren 85 Rappen, eine Tube Thomy-Mayonnaise 1,25 Franken und ein Kilo Gala-Äpfel 1,50 Franken: «Im Schnitt sind wir 58 bis 62 Prozent günstiger als der reguläre Detailhandel», sagt Maurer. 

Marmelade dauerhaft für 1.10 statt 2.90 Franken – das gibts nur in den Caritas-Märkten.
Foto: STEFAN BOHRER

Nicht alle dürften in den Märkten posten

Wie geht das? Rund 30 Prozent des Sortiments wird den Märkten gespendet, der Rest zu Tiefpreisen eingekauft. Die Läden erhalten Waren von 450 Lieferanten – kleine, regionale, aber auch Grosskonzerne wie Nestlé oder Beiersdorf (Nivea).

In den Regalen der Läden liegen aber auch Überbestände der Grossverteiler. Hier hilft Maurers Erfahrung: Bevor er den Posten bei der Caritas übernahm, leitete er bei Coop den schweizweiten Einkauf von Nicht-Lebensmitteln.

Wer in den Caritas-Läden posten will, muss eine sogenannte Kulturlegi beantragen.
Foto: STEFAN BOHRER

In den Caritas-Märkten darf einkaufen, wer Sozialhilfe oder Ergänzungsleistungen bezieht, oder sich in einer Schuldensanierung befindet. In der reichen Schweiz gelten offiziell 530’000 Menschen als arm. Inoffiziell dürfte die Zahl deutlich höher sein.

Maurer wünscht sich, dass die Armutsbetroffenen ihre Hemmungen ablegen und bei ihm posten: «In kleineren Orten tun sich die Leute manchmal noch schwer, im Caritas-Markt einzukaufen.» Viele würden die Märkte aber schlicht auch nicht kennen.

Weil die Armut nicht weniger wird, will Maurer weitere Märkte eröffnen: «Unser Ziel sind 30 Läden», sagt er. Die Expansion liegt aber nicht mehr in Maurers Händen. Ende 2017 gibt er seinen Posten ab. Nach zehn Jahren sei es an der Zeit, dass eine jüngere Generation übernimmt. 

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