Darum gehts
- Abgelaufenes Hygiene-Zertifikat bei TopCC Muri sorgt für Empörung
- Kundinnen entdeckten Mangel und erinnern sich an frühere Fleischskandale
- TopCC sagt: Mindestens 2 unangekündigte Kontrollen jährlich, aktuelles Zertifikat fehlte jedoch
Als Fachperson in einer Zahnarztpraxis weiss Katrin M.* (56) nur zu gut, wie wichtig Hygienevorschriften bei der Arbeit sind. «Darum musste ich zweimal hinschauen, als ich dieses Zertifikat in der Metzgereiabteilung entdeckte», sagt M. zu Blick.
Als sie im TopCC Muri BE an der Metzgerei-Theke wartete, fiel ihr Blick auf das Hygiene-Zertifikat. Es hängt gut sichtbar für die Kundschaft an der Glasfront, die die Theke von der Metzgerei-Zubereitung trennt. «Als ich das Gültigkeitsdatum gelesen habe, fiel mir die Kinnlade herunter», berichtet die gebürtige Aargauerin.
Das betriebliche Hygiene-Zertifikat – eine Aufnahme liegt Blick vor – ist seit dem 30. April 2026 abgelaufen. Ein solches bescheinigt, dass der genannte Betrieb von der internen Qualitätssicherung auf die Einhaltung der hygienischen und betrieblich-relevanten Vorgaben überprüft wurde.
In diesem Fall aber legt das abgelaufene Zertifikat nahe, dass diese Metzgerei seit Monaten nicht mehr überprüft worden ist! «Ich dachte, dass sich nach Auffliegen des Fleischskandals alles gebessert hat – und jetzt das!»
TopCC versprach: «Wir nehmen den Fall sehr ernst»
Mitte Juni hat Blick einen dreisten Etikettenschwindel des Abholmarkts in Muri auffliegen lassen. Auch die SRF-Konsumentensendung «Kassensturz» berichtete darüber im grossen Stil. Abgelaufenes Fleisch wurde als frisch etikettiert und verkauft. Bei bestimmten Produkten – mehrheitlich Charcuterie- und Tiefkühlartikel – haben Lebensmittelinspektoren Verstösse gegen geltendes Gesetz festgestellt. Ein Strafverfahren wurde eröffnet.
«Wir nehmen den Fall sehr ernst», sagte ein TopCC-Sprecher damals. Nachdem die Lebensmittelinspektoren im Zeitraum von April bis Mai Verstösse festgestellt hatten, habe es zusätzliche Schulungen gegeben. Nicht nur der betroffene Abholmarkt in Muri sei daraufhin unangekündigt zweimal kontrolliert worden.
Wie steht es wirklich um Qualitätssicherung bei TopCC?
Vor diesem Hintergrund sage das abgelaufene Hygiene-Zertifikat viel, wie ernst es die Qualitätssicherung der TopCC-Märkte wirklich mit ihren Kontrollen nehme, ärgert sich Kundin M. Sie erinnert sich: Schon vor Jahren habe sie mehrmals Fleisch im Abholmarkt Muri gekauft, das sich nach dem Öffnen als verdorben herausgestellt habe. Bei Reklamationen habe sie jeweils «fadenscheinige Ausreden» zu hören bekommen.
Solchen Fleischtricksereien hat TopCC gemäss eigenen Angaben im Juni den Riegel vorgeschoben. Beim Personal wurde aufgeräumt, die fehlbaren Personen wurden angezeigt und entlassen. «Das Verfahren läuft, wir können uns also nicht äussern», so ein TopCC-Sprecher.
Aber nun Schlampereien bei den Hygiene-Kontrollen? Blick hakt am TopCC-Hauptsitz in St. Gallen nach. Dort reagieren die Verantwortlichen zerknirscht, dass es ausgerechnet wieder den Abholmarkt in Muri trifft. Der TopCC-Sprecher versichert: «Neben der regelmässigen täglichen und wöchentlichen Kontrolle führen wir freiwillig mindestens zweimal jährlich unangekündigte, umfassende Kontrollen der Hygiene durch. Die von uns erstellten, nicht-obligatorischen Zertifikate informieren unsere Kunden darüber.»
Im Fall von TopCC Muri habe man es «versäumt», das aktuelle Hygiene-Zertifikat auszuhängen. «Das bedauern wir», so der Sprecher weiter. Er habe sich von den Standortleitern bestätigen lassen, dass die Kontrollen in allen TopCC-Abholmärkten auf dem aktuellen Stand seien: «Sämtliche Vorschriften sind eingehalten.»
* Name geändert
Nach neun Jahren unter südafrikanischer Kontrolle ist Spar Schweiz seit September 2025 im Besitz der Tannenwald Holding. Zur Schweizer Investorengruppe gehören damit auch die Ladenformate Eurospar, Spar-Express, Spar-Mini, Maxi und die elf Gastro-Abholmärkte Top CC. Das CC steht für Cash & Carry, das die Abholmärkte seit 1967 mit ihren heute 400 Mitarbeitenden betreiben. Jeder der Engros-Märkte – Slogan: «Einer für alles, offen für alle» – verfügt über ein Sortiment von 30'000 Artikeln sowie eine bediente Metzgerei. Im Abholmarkt posten können alle. Nur eine Einkaufskarte ist nötig, dann haben Privathaushalte die gleiche Auswahl wie Spitzenköche, Restaurants, Vereine, Kinderkrippen oder Kebab-Buden-Betreiber.
Nach neun Jahren unter südafrikanischer Kontrolle ist Spar Schweiz seit September 2025 im Besitz der Tannenwald Holding. Zur Schweizer Investorengruppe gehören damit auch die Ladenformate Eurospar, Spar-Express, Spar-Mini, Maxi und die elf Gastro-Abholmärkte Top CC. Das CC steht für Cash & Carry, das die Abholmärkte seit 1967 mit ihren heute 400 Mitarbeitenden betreiben. Jeder der Engros-Märkte – Slogan: «Einer für alles, offen für alle» – verfügt über ein Sortiment von 30'000 Artikeln sowie eine bediente Metzgerei. Im Abholmarkt posten können alle. Nur eine Einkaufskarte ist nötig, dann haben Privathaushalte die gleiche Auswahl wie Spitzenköche, Restaurants, Vereine, Kinderkrippen oder Kebab-Buden-Betreiber.