Neustart ins Arbeitsleben
«Ich will selbst für meine Familie sorgen»

Vor zehn Jahren war Dusan Andjelkovic Maschinenführer. Dann veränderte ein schwerer Unfall sein Leben. Heute kurvt er Trolleybusse durch Luzern.
Publiziert: 06.01.2015 um 16:30 Uhr
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Aktualisiert: 30.09.2018 um 16:48 Uhr
Hat sichtlich Spass am Job: Der Luzerner Buschauffeur Dusan Andjelkovic.
Foto: Stefano Schröter
Von Christof Vuille

Lenkrad, Kupplung, Gaspedal. Sie spielen eine wichtige Rolle im Leben von Dusan Andjelkovic. Der 42-jährige gebürtige Serbe arbeitet heute als Buschauffeur bei den Luzerner Verkehrsbetrieben. Damals, an jenem Wintertag 2004, war er noch Maschinenführer. Andjelkovic erinnert sich genau daran, was geschah.

Er ist mit seiner Frau im Auto unterwegs, setzt zum Überholen an – und sieht den entgegenkommenden Wagen zu spät.  Beide Lenker weichen aus, krachen neben der Strasse zusammen. Der rechte Fuss von An­djelkovic wird zerfetzt, seine Frau am Arm verletzt. Die Insassen des anderen Fahrzeugs kommen mit leichten Verletzungen davon. Für Dusan Andjelkovic, Vater eines Sohns (20) und einer Tochter (18), beginnt eine schwere Zeit. Nach der Opera­tion und drei Monaten im Spital will er wieder als Maschinenführer arbeiten.

Er hätte Anspruch auf eine Teilrente der IV, doch Andjelkovic will das Geld nicht. Er arbeitet 100 Prozent. Fünf Jahre lang. Dann merkt seine Frau, dass sein Fuss beim Laufen abknickt. Die eingesetzten Knorpel haben sich durch die harte Schichtarbeit abgenutzt.

2012 folgte eine zweite Operation, der Fuss muss versteift werden. Die Suche nach einer anderen Arbeit ist schwierig. Über 200 Bewerbungen verschickt Andjelkovic – er bekommt Absage um Absage. Das Problem: Er lernte zwar in Serbien den Beruf des Lastwagenchauffeurs, aber er hat keine anerkannte Ausbildung in der Schweiz.

Der Familienvater lebt seit 1991 hier – und ihn plagten Schuldgefühle. Weil er Arbeitslosengeld beziehen musste. «Ich will selbst für meine Familie sorgen können», sagt er, «mein eigenes Geld verdienen.»

Geschafft hat er es dank der Suva. Sein Fall-Manager Patrick Erni vernahm, dass die Luzerner Verkehrsbetriebe (VBL) im Ausland nach Chauffeuren suchten. Warum also sollte Lastwagenchauffeur Andjelkovic nicht das Zeug dazu haben?

Heute ist er als Chauffeur glücklich. Er habe einen «Traumjob», sagt Dusan Andjelkovic. Und er sei Walter Jenny dankbar, der ihm die Chance zum Einstieg bei den VBL gab. Andjelkovic fährt mit einem Spezialschuh, der seinen Fuss entlastet. Just vor Weihnachten schloss er erfolgreich seine Weiterbildung ab.

Nun darf er auch ans Steuer von Trolleybussen, was ihm mehr Flexibilität gibt. Er verdiene nun genug, um für seine Familie zu sorgen und auch etwas auf die Seite zu legen, sagt Andjelkovic zufrieden. Eine Suva-Rente ist für ihn weiterhin kein Thema.

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