Fusion der Betonriesen Lafarge/Holcim
Heute wird ein Weltmeister geboren

Mit Holcim-Lafarge erhält die Schweiz einen neuen Weltmarktführer.
Publiziert: 07.05.2015 um 19:20 Uhr
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Aktualisiert: 07.10.2018 um 13:25 Uhr
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Von Patrik Berger und Moritz Kaufmann

Es ist das Endspiel des Jahres. Schweiz gegen Frankreich. Heute fusionieren die Zementfirmen Holcim und Lafarge. Fast wäre es eine Schlappe geworden. Das Protokoll des Nervenspiels.

0:1 für Lafarge! Die Ankündigung der Fusion schlägt ein wie eine Bombe. Zusammen sollen Holcim und Lafarge zur Nummer 1 der Welt werden. Ein cleverer Spielzug. Schnell wirds hektisch: Die Firmen haben Doppelspurigkeiten, Arbeiter fürchten um ihren Job. Teile des Holcim-Managements haben grosse Mühe mit Lafarge-Mann Bruno Lafont (58). Sie stören sich am Führungsstil des Eliteschulen-Absolventen. Und wollen verhindern, dass «Napoleon» CEO wird.

0:2 für die Franzosen! Beim Namen des neuen Zementgiganten haben die Franzosen die Nase vorn. Er soll Lafarge-Holcim heissen. Aber ...

1:2 ... die Schweizer können geostrategisch punkten. Nicht die Weltstadt Paris wird Hauptsitz von Lafarge-Holcim, sondern das beschauliche Rapperswil-Jona SG. Die Geschäftsleitung bleibt in Zürich-Oerlikon. Die stolze Grande Nation tappte in die Abseitsfalle.

2:2 Den Ausgleich für die Schweiz erzielt ausgerechnet ein Deutscher! Wolfgang Reitzle (66) wird Verwaltungsratspräsident von Holcim. Der Wirtschaftsprofessor versteht sich sowohl mit den Franzosen wie mit den Schweizern. Er verhandelt geschickt. Und holt ­einiges für Holcim raus.

2:3 für Lafarge! Oh, là, là! Bruno Lafont zeigt Grösse. Der dominante Topmanager verzichtet auf den vertraglich zugesicherten Posten als CEO. Er wird Co-Präsident von Lafarge-Holcim – zusammen mit Reitzle. Das beeindruckt Thomas Schmidheiny (69), Spross der Holcim-Gründerfamilie. «Es ist ein starkes Signal», sagt der Holcim-Hauptaktionär.

3:3 Ein ganz wichtiger Treffer: Ein neues Tauschverhältnis wird festgelegt. Holcim-Aktionäre erhalten zehn Lafarge-Aktien für neun ihrer Papiere. Vorher galt das Verhältnis 1:1. Ein deutliches Eingeständnis, dass Holcim wertvoller ist!

3:4 für die Franzosen! Direktabnahme ins Lattenkreuz! Lafarge zaubert einen neuen CEO hervor. Lafarge-Manager Eric Olsen (51) soll Chef von Lafarge-Holcim werden. «Diese historische Chance müssen wir packen.»

4:4 Holcim gleicht aus! Die wichtigsten Grossaktionäre stimmen der Fusion zu. Thomas Schmidheiny war immer dafür. Aber andere blieben bis kurz vor Schluss skeptisch. Allen voran der Russe Filaret Galtschew (51). Ihm gehört der Konkurrent Eurocement. Auch er will heute Ja stimmen. Aber: Die Stiftung Ethos lehnt die Fusion ab.

Anders als im Fussball gibt es bei diesem Unentschieden zwei Gewinner. Sie können einen Weltkonzern schaffen, der in der Champions League mitspielt wie Nestlé oder Glencore. Die Eckdaten: Weltweit 140000 Mitarbeiter, 28 Milliarden Franken Umsatz. Heute haben es die Holcim-Aktionäre in der Hand. Sie entscheiden an einer ausserordentlichen GV in Zürich über den neuen Zementgiganten.

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