Darum gehts
- Trump-Zölle belasten Schweizer Wirtschaft
- UBS-Analyse: Chinas technologischer Aufstieg grosse Herausforderung
- Swissmem fordert Handelsabkommen mit China und besseren Zugang zu günstigem Strom
Ausgerechnet am Schweizer Nationalfeiertag traf der Zollhammer von US-Präsident Donald Trump (80) die Schweiz. Plötzlich sahen sich die Unternehmen mit Zöllen von 39 Prozent konfrontiert – ein Schock. Mehr als ein Jahr ist seither bereits vergangen, die Angst vor erneut höheren Zöllen beschäftigt hiesige Firmen aber immer wieder.
Nun überrascht eine UBS-Analyse mit ihrem Ausblick auf die Schweizer Wirtschaft. Die US-Zölle seien gar nicht die grösste Herausforderung der Schweizer Industrie. Diese liege viel mehr im «rasanten industriellen und technischen Aufstieg Chinas», wie die Grossbank schreibt.
«Die US-Zölle stellen für viele exportorientierte Unternehmen zwar eine spürbare Belastung dar», erklärt UBS-Ökonom Maxime Botteron in der Analyse. «Doch für die Schweizer Industrie insgesamt bleibt der Effekt verkraftbar, da der Pharmasektor einen erheblichen Teil der Exporte ausmacht und von Ausnahmen profitiert.»
«Chinesen arbeiten schneller und härter»
Die grössere Gefahr sieht die UBS laut dem Report deshalb nicht im Westen, sondern im Osten. «Chinesische Unternehmen konkurrieren zunehmend in technologieintensiven Branchen wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie und Medizintechnik.» Gleichzeitig würden Überkapazitäten und eine schwache Binnennachfrage in China den Druck auf internationale Märkte verstärken.
Diese Diagnose teilt auch der Verband der Schweizer Tech-Industrie Swissmem. «Für die Schweizer Tech-Industrie ist China Chance und Gefahr zugleich», sagt Swissmem-Sprecher Noé Blancpain zu Blick. China sei aufgrund der rasanten Entwicklung nicht mehr nur ein Absatzmarkt oder verlängerte Werkbank, sondern auch «Innovations- und Entwicklungsstandort, ein potenzieller Kooperationspartner – und vor allem auch ein Konkurrent».
Den oft gehörten Vorwurf eines unlauteren Wettbewerbs möchte man beim Verband dabei nicht gelten lassen. Vielmehr sei die Schweizer Politik stärker gefordert: «Die Chinesen holen nicht primär wegen Subventionen auf, sondern weil sie schneller und härter arbeiten, und weil ihre Politik ihnen nicht immer neue Regeln und Hürden in den Weg stellt», sagt Blancpain. Er fordert: «Die Politik muss aufwachen und die Standortbedingungen verbessern.»
«Müssen von China lernen»
Konkret will der Verband, dass die Schweiz gerade mit Ländern wie China Handelsabkommen abschliesst. Im eigenen Land brauche es zudem einen raschen Ausbau der Energieversorgung, damit die Industrie mit günstigem Strom produzieren kann.
Statt auf Protektionismus und Abschottung setze der Verband auf engen Austausch, um wettbewerbsfähig zu bleiben. «Heute müssen wir von China lernen und nicht umgekehrt», betont der Sprecher.