Für Bundeskanzlerin Angela Merkel ist es erschreckend, für den Bürger vermutlich absurd: Die USA überlegen, neue Sonderzölle auf europäische Autos und Autoteile zu erheben. Grund dafür ist laut dem US-Handelsministerium, dass die Autos eine Bedrohung für die nationale Sicherheit darstellen. Die ausländischen Autobauer seien zu mächtig.
Bereits die Zölle auf Stahl und Aluminium wurden mit der gleichen Erklärung erlassen. Der Vorteil: US-Präsident Donald (72) kann so selbständig Importzölle beschliessen, ohne die Zustimmung des Kongresses. Das Ziel ist es, den Heimmarkt zu stärken und gegenüber ausländischer Konkurrenz zu schützen.
BMW-Werk in South Carolina
Merkel wehrte sich bei ihrem Auftritt an der Münchner Sicherheitskonferenz gegen die Behauptung. Die Autos würden in den USA gebaut, dort befinde sich auch das grösste BMW-Werk. «Nicht in Bayern, in South Carolina», so die Kanzlerin (BLICK berichtete). Sie fordert gute Gespräche.
Am Sonntag hat Handelsminister Wilbur Ross den Bericht mit den Zoll-Vorschlägen offiziell an Trump übergeben. Details zum Inhalt sind bislang keine bekannt. Trump kann sich nun 90 Tage Zeit nehmen, um zu entscheiden, ob er den Vorschlägen folgen will oder nicht. Nach einem positiven Entscheid hätte er nochmals 15 Tage, um diesen umzusetzen.
Schwerwiegende Folgen
Gemäss «Bloomberg» schätzen Experten die Chance für einen 25-Prozent-Sonderzoll auf Autos «eher hoch» ein. Etwas über 50 Prozent, glaubt etwa Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Wobei aktuell nicht bekannt ist, was genau der Bericht fordert.
Die Folgen des Trump-Entscheids wären teuer. Konkret rechnet die EU damit, dass Autos rund 11'300 Franken teurer würden und die Verkäufe sich in den USA halbieren dürften.
Diese Meinung stützt auch das Münchner Ifo-Institut. Von einer Auto-Steuer könnten neben Deutschland etwa auch Japan und Südkorea betroffen. Das US-Forschungsinstitut Center for Automotive Research geht aber davon aus, dass Südkorea, Kanada und Mexiko von einer Ausnahmeregelung profitieren dürfen, dass also neue Import-Zölle diese Länder nicht betreffen sollten.