Die Gerüchteküche brodelt, sie kocht fast über. Federer, der nie in einer anderen Kleidermarke als Nike Tennis gespielt hat, soll schon in Wimbledon mit dem japanischen H&M-Pendant Uniqlo auf den Centre Court schreiten.
So wirft es das italienische Portal Sportsenators.it in die Runde – und wie ein Lauffeuer verbreiten sich Details im Netz: Es handle sich um einen jährlichen 30-Millionen-Dollar-Deal über die nächsten zehn Jahre. Da Uniqlo keine Schuhe produziert, werde Federer – wie schon Novak Djokovic vor seinem Wechsel zu Lacoste – das Laufwerk seiner Wahl dazu tragen dürfen.
Fake News oder Tatsache? Vorerst jedenfalls unbestätigt. In Stuttgart, wo der 36-jährige Rasenkönig am Mittwoch ins Turniergeschehen eingreift, reiste er jedenfalls mit gewohntem «RF»-T-Shirt zum ersten, viel beachteten Training an. Und weder Nike noch das Federer-Management haben sich zu einem Ende ihrer Traum-Ehe geäussert.
Als solche darf diese Partnerschaft durchaus bezeichnet werden. Roger ohne das Stirnband mit Logo, Roger ohne sein eigenes «RF»-Design – unvorstellbar! 20 Grand-Slam-Titel haben die beiden zusammen auf dem Konto. Geschätzte 10 Mio. Dollar flossen dafür jährlich auf Rogers Konto. Zu wenig?
Keine ewige Treue geschworen
Geld hat der Schweizer Superstar mehr als genug – jüngst wurde sein Einkommen von «Forbes» auf 77,2 Mio. Dollar pro Jahr geschätzt. Aber anders als mit Racket-Hersteller Wilson hat er sich mit Nike nie die ewige Treue geschworen. Das könnte der verwundbare Punkt in der Beziehung sein.
Sponsoring-Verträge auf Lebenszeit, also über die aktive Karriere hinaus, schliesst der Ausrüster sehr selten ab. Nur mit Ausnahme-Athleten wie Basketballer LeBron James oder Fussballer Ronaldo. Der Name Roger Federer muss sich daneben nicht verstecken. Aber womöglich ist Tennis in den USA nicht populär genug, der Markt nicht gross genug.
Für das japanische Unternehmen dürfte es sich indes lohnen, tief in die Tasche zu greifen. Im Bestreben, global zu expandieren, könnte die Weltmarke Federer der ideale Türöffner für Uniqlo sein, das beispielsweise in der Schweiz kaum jemand kennt. Ganz zu schweigen vom asiatischen Heimmarkt, wo berühmte Sportler wandelnde Götter sind.
Auch die Heimstars Kei Nishikori und der Doppel-Olympiasieger im Rollstuhl-Tennis, Shingo Kunieda, tragen das rote, quadratische Logo auf der Brust, dritter Repräsentant ist der Golfer Adam Scott (Aus).
Und nun noch Federer? Es wäre ein Mega-Coup! Und dennoch eine gewöhnungsbedürftige Affäre. Uniqlo ist eine trendige, aber billige Kleidermarke. «King Roger» – der steht doch für das Edle!