Das Podest
1. Timon Haugan (No) 1:43,61 Minuten
2. Clément Noël (Fr) +0,03
3. Fabio Gstrein (Ö) +0,37
Das Rennen
Die Form stimmte, das Selbstvertrauen war nach drei Siegen (1x Slalom, 2x Riesenslalom) in den letzten vier Weltcup-Auftritten da – doch Loïc Meillard verpasst es in Sun Valley, helvetische Slalom-Geschichte zu schreiben. Dumeng Giovanoli bleibt für mindestens ein weiteres Jahr der einzige Schweizer, der den Gesamtsieg in dieser Disziplinenwertung holen konnte. Das war 1968, also vor einer gefühlten Ewigkeit.
2025 erhält Henrik Kristoffersen die kleine Kristallkugel überreicht – wie schon 2016, 2020 und 2022. Ihm genügt Rang vier beim letzten Slalom des Winters, um seine Gesamtführung erfolgreich zu verteidigen. Meillard wird hinter dem Norweger Fünfter. Nach einem misslungenen ersten Auftritt (8.) haut der 28-jährige Weltmeister im finalen Durchgang einen raus – Laufbestzeit! Aber die Realität holt ihn schnell wieder ein. Als Kristoffersen die Ziellinie überquert und sich vor Meillard platziert, ist die Entscheidung gefallen.
Norwegen jubelt nicht nur über den Gewinn der Slalom-Kristallkugel, sondern auch über den Tagessieg. Timon Haugan verteidigt seine Halbzeitführung – wenn auch nur hauchdünn. Um drei Hundertstel muss sich der Franzose Clément Noël geschlagen geben. Fabio Gstrein aus Österreich komplettiert das Podest.
Endstand Slalom-Wertung
Die Stimmen
Loïc Meillard weiss, dass er im ersten Lauf hätte besser fahren können – oder sogar müssen. «Den ersten Lauf habe ich etwas falsch eingeschätzt, wie ich fahren muss. Es hat sich nicht okay angefühlt, dann habe ich gedacht, dass ich etwas Druck wegnehmen muss, um sauber zu bleiben. Das war die falsche Herangehensweise bei diesen Schneeverhältnissen und auf dieser Piste», sagt er im SRF-Interview. Entsprechend glücklich ist der Schweizer, dass er im zweiten Lauf reagieren konnte: «Da war mir alles egal, und ich wollte voll durchdrücken. Das hätte ich im ersten Lauf auch machen müssen. Wichtig ist, dass man reagieren kann. Das habe ich gemacht.» Zum Kugel-Kampf mit Kristoffersen erklärt der 28-Jährige: «Es war ein schönes Duell. Die vier vorne haben in jedem Rennen viel geleistet. Wir wissen, wir können nicht einfach runterfahren und müssen in jedem Rennen ans Limit gehen. Das macht Spass und Hunger auf mehr.»
Der Druck sei die Hölle, sagte Kugel-Gewinner Kristoffersen nach dem ersten Lauf. Nach der Entscheidung meint der nun vierfache Slalomkugel-Gewinner sichtlich erlöst: «Jetzt sind wir fertig. Jetzt ist mein Kopf leer. Entschuldigung an die Schweizer, habt ihr nicht alle Kugeln gewonnen. Aber auch Chapeau – eine unglaubliche Leistung in dieser Saison.» Was es denn braucht, um so lange auf diesem hohen Niveau zu fahren, wird Kristoffersen gefragt. «Dass man bisschen deppert im Kopf ist. Es kostet mich und meine Familie sehr viel. Es ist viel Druck im Kopf und ich bin oft bisschen am Limit. Das ist unser Weg von Anfang an. Ich muss allen Danke sagen. Meinem Team, meinem Vater, meiner Mutter, meiner Frau.» Am Ende des Interviews sorgt Kristoffersen für Aufhorchen: Er sei mental erschöpft. Als er gefragt wird, ob er auch nächste Saison wieder dabei sein wird, sagt er: «Schauen wir mal.»
Männer
Gesamtweltcup: Marco Odermatt (Schweiz)
Abfahrt: Marco Odermatt (Schweiz)
Super-G: Marco Odermatt (Schweiz)
Riesenslalom: Marco Odermatt (Schweiz)
Slalom: Henrik Kristoffersen (Norwegen)
Frauen
Gesamtweltcup: Federica Brignone (Italien)
Abfahrt: Federica Brignone (Italien)
Super-G: Lara Gut-Behrami (Schweiz)
Riesenslalom: Federica Brignone (Italien)
Slalom: Zrinka Ljutic (Kroatien)
Männer
Gesamtweltcup: Marco Odermatt (Schweiz)
Abfahrt: Marco Odermatt (Schweiz)
Super-G: Marco Odermatt (Schweiz)
Riesenslalom: Marco Odermatt (Schweiz)
Slalom: Henrik Kristoffersen (Norwegen)
Frauen
Gesamtweltcup: Federica Brignone (Italien)
Abfahrt: Federica Brignone (Italien)
Super-G: Lara Gut-Behrami (Schweiz)
Riesenslalom: Federica Brignone (Italien)
Slalom: Zrinka Ljutic (Kroatien)
Die Schweizer
5. Loïc Meillard +0,65
9. Tanguy Nef +2,03
21. Daniel Yule +3,00
Als Halbzeit-13. gelingt es Tanguy Nef, sich beim zweiten Auftritt noch um vier Plätze nach vorne zu arbeiten. Mit seiner Konstanz weiss der 28-Jährige in diesem Winter zu überzeugen. Der neunte Rang in Sun Valley ist sein siebtbestes Slalom-Resultat 2024/25.
Ein Weltcup-Winter mit drei Top-10-Klassierungen endet für Daniel Yule mit einer Enttäuschung. Dabei ist der 22. des ersten Laufs auf gutem Weg, nach der Mittagspause die Führung zu übernehmen – bis ihm im letzten Sektor ein zeitraubender Fehler unterläuft. So reichts dem 32-Jährigen letztlich zu einem Platz ausserhalb der Punkteränge (Top 15) – er wird 21.
Das gab zu reden
Natürlich der Schock-Moment im ersten Lauf. Das hätte böse ins Auge gehen können. Als Linus Strasser unterwegs ist, kreuzt doch tatsächlich ein Pistenmitarbeiter den Weg des Deutschen. Zum Glück kommts nicht zu einem folgenschweren Zusammenstoss. Strasser liegt trotz dieses Zwischenfalls zur Halbzeit auf Rang sieben – und ist damit im ersten Durchgang schneller als alle drei Schweizer. Das Rennen beendet Strasser als Sechster.
Die Bedingungen
Eine klare, kalte Nacht ist ausgeblieben – dementsprechend ist die weiche, mit Salz präparierte Piste in einem Zustand, der die Fahrer herausfordert. «Es gibt viele Löcher, und der Schnee fühlt sich komisch an», äussert sich Clément Noël nach dem ersten Lauf gegenüber SRF.
So gehts weiter
Der alpine Ski-Weltcup verabschiedet sich in den Sommerschlaf. Die kommende Saison beginnt Ende Oktober 2025 in Sölden. Das grosse Winter-Highlight sind im Februar 2026 die Olympischen Spiele in Mailand/Cortina.