Das Podest
1. Lara Gut-Behrami (Sz) 1:12,35
2. Lindsey Vonn (USA) +1,29
3. Federica Brignone (It) +1,33
Das Rennen
Lara Gut-Behrami gewinnt den letzten Super-G des Jahres beim Weltcup-Final in Sun Valley und sichert sich damit die kleine Kristallkugel. Die Tessinerin nimmt bereits nach dem Start volles Risiko und fährt im Gegensatz zu ihren zuvor gestarteten Konkurrentinnen konstant in der Hocke. Trotz ihrer wilden Fahrt kann die Tessinerin die Ideallinie halten. Kurz vor dem Ziel hat sie eine kleine Schrecksekunde, als sie bei einem Tor beinahe zu spät kommt. Dennoch kommt sie mit einem sensationellen Vorsprung von 1,66 Sekunden ins Ziel. Damit legt Gut-Behrami im Kugel-Kampf gegen Federica Brignone vor, die in der Disziplinenwertung zuvor fünf Punkte vor ihr lag und im Rennen nun kurz nach ihr startet.
Für die Italienerin wird es zur Mammutaufgabe, die Zeit der Schweizerin noch unterbieten zu können. Brignone hat bereits nach dem Start Mühe mit der Piste und findet die schnellste Linie nicht. Konstant verliert die Gesamtweltcup-Siegerin Zeit auf ihre Konkurrentin und kommt schliesslich hinter der Tessinerin ins Ziel. Am Ende wird Brignone Dritte, weil Lindsey Vonn bei ihrem Heimrennen mit einer starken Fahrt auf den 2. Platz rast. Es ist das Bestresultat und der erste Podestplatz der Amerikanerin in ihrer Comeback-Saison.
Somit ist klar: Dank ihres Traumlaufs überholt Gut-Behrami Brignone in der Disziplinenwertung und sichert sich ihre sechste Super-G-Kugel. Damit schafft die Tessinerin Historisches. Denn dies gelang zuvor noch keiner Fahrerin. Die Deutsche Katja Seizinger und Lindsey Vonn hatten fünf kleine Kristallkugeln in dieser Disziplin gewonnen – wie Gut-Behrami vor dem heutigen Rennen – nun ist die Tagessiegerin alleinige Rekordhalterin!
Die weiteren Schweizerinnen
15. Corinne Suter +2,86
16. Joana Hählen +3,12
17. Michelle Gisin +3,25
DNF Malorie Blanc
Corinne Suter greift im oberen Streckenteil an. Weiter unten lässt sie deutlich nach und kommt bei einigen Toren zu spät. Weil sie konstant nachdrücken muss, handelt sie sich immer mehr Rückstand ein und muss zwischenzeitlich mit dem vorletzten Platz vorliebnehmen.
Joana Hählen kommt wie Suter nicht richtig auf Touren und hat schon früh viel Rückstand. Die Bernerin klassiert sich direkt hinter Suter.
Michelle Gisin treibt es bereits oben bei einem Doppeltor weit hinaus, danach verliert sie konstant an Zeit. Im Mittelteil rutscht sie mehrmals weg, was Tempo kostet. Schliesslich kommt sie mit grossem Rückstand ins Ziel und schliesst am Ende den Schweizer Block ab.
Nach einem kleinen Sprung kurz vor dem Steilhang hat Malorie Blanc Mühe, kommt bei einem Rechtsschwung zu spät und scheidet aus.
Die Stimmen (gegenüber SRF)
Gut-Behrami zu ihrer sechsten Super-G-Kugel: : «Es ist einfach schön und unglaublich, die sechste Kugel zu holen – ich bin stolz darauf. Es braucht vieles dafür, um so lange so gut mitzufahren. Ich habe gemerkt, dass es ohne Freude nur wenig funktioniert oder zumindest nicht perfekt. Ich geniesse nun wieder, was ich mache. Das zeigt sich auch auf der Piste. Es ist alles leichter. Aber man braucht auch ein unglaubliches Umfeld. Nur dann ist es möglich, dass man so lange dabei ist. Alleine wäre ich sicher nicht mehr da.»
Gut-Behrami zu ihrer Fahrt und zum Sieg: «Ich wusste, dass ich heute mein bestes Skifahren zeigen muss, damit ich um den Sieg mitfahren kann. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich etwas riskiere. Es hat sich sicher angefühlt. Ich konnte von oben bis unten beschleunigen, die Unterlage war wunderschön und lag mir. Ich weiss nicht, ob ich nochmals an den Start gehen und eine solche Fahrt zeigen könnte. Im Super-G braucht es aber zum Glück nur eine.»
Federica Brignone: «Ich bin gut gestartet. Im Mittelteil war ich irgendwie blockiert und konnte nicht so fahren, wie ich es vor hatte. Heute musste man viel kontrollieren, was mir nicht richtig gelang, obwohl ich trotzdem eine gute Fahrt zeigen konnte. Es war heute fast unmöglich, Lara zu schlagen, sie fuhr unglaublich! Ich bewundere sie dafür. Ich konnte nicht so fahren, wie ich wollte, vielleicht war ich auch zu gestresst heute. Ich habe Laras Fahrt nicht gesehen und wusste ihre Zeit nicht. Ich wollte aber auch nicht wissen, was meine Konkurrentin machte – ich war schon zu nervös, weil ich wusste, dass es ein schwieriger Super-G ist. Lara hat eine tolle Saison gemacht. Aber: Mein schlechtester Platz im Super-G war ein fünfter Platz. Ich habe also gut gekämpft.»
Corinne Suter: «Ich habe versucht, mich auf mich selbst zu konzentrieren. Es ist mega cool, hat es Lara mit so einem Vorsprung geschafft. Es war eine unglaublich gute Fahrt von ihr. Ich bin zufrieden mit meiner Saison. Ich habe volles Vertrauen und mega Freude am Skifahren. Heute hatte ich einen schlechteren Tag, war mehrmals von der Linie weg und habe Zeit verloren. Dennoch bin ich zurückblickend mit meiner Saison zufrieden.»
Das gab zu reden
Die Super-G-Weltmeisterin fehlt beim Saisonfinal des Ski-Weltcups in Sun Valley. Stephanie Venier verzichtet auf den Start in den USA. Der Grund dafür sind Knieschmerzen. Am Freitag hatte die Österreicherin noch am Training für die später abgesagte Abfahrt teilgenommen, ist danach aber bereits vor den Rennen abgereist. «Es war eine schwierige Entscheidung, in Sun Valley nicht mehr anzutreten. Aber dafür müsste ich 100 Prozent bereit sein – und das bin ich nicht», erklärte Venier ihren Entscheid. Sie habe so viel Energie in die WM gesteckt, dass ihr danach ein riesiger Stein vom Herzen gefallen sei. «Natürlich hatte ich mir den Weltcup-Final anders vorgestellt. Aber meine Knieschmerzen sind wieder stärker geworden und in Kvitfjell bin ich noch krank geworden. Mein Energielevel ist nicht mehr da, wo es sein sollte», sagte die Speed-Spezialistin weiter. Dass sie nicht mehr im Kampf um die Kristallkugeln involviert ist, habe ihr die Entscheidung erleichtert, die Rennen in Sun Valley nicht mehr zu bestreiten.
Das gab zu reden II
Lindsey Vonn fährt beim Heimrennen in Sun Valley auf den zweiten Rang und somit erstmals seit ihrer Rückkehr wieder auf das Podium. Ihren letzten Podestplatz holte sich die Amerikanerin zuvor mit Rang drei beim Super-G in Are im März 2018. Im Ziel reckte Vonn vor Freude über ihr Saison-Bestresultat die Fäuste in die Höhe und vergiesst Freudentränen. «Es war eine harte Saison. Die Leute sagten, ich könne es nicht, ich sei zu alt und nicht mehr gut genug», sagte Vonn bei einem Interview gegenüber «NBC Sports». «Ich glaube, ich habe es heute allen gezeigt», ist sich die 40-Jährige sicher. Vonn knackt dabei einen Altersrekord: Mit ihrem zweiten Platz in Sun Valley ist sie die mit Abstand älteste Skifahrerin, die es im Weltcup auf das Podest geschafft hat. Den bisherigen Rekord hielt Alexandra Meissnitzer. Die Österreicherin sicherte sich in der Saison 2007/08 im Alter von 34 Jahren den dritten Platz beim Super-G in Bormio.
Die Bedingungen
Nachdem Schnee und Wind am Samstag zur Absage der Abfahrt geführt hatten, ist der Himmel am Sonntag während des Rennens bewölkt. Gemäss den SRF-Kommentatoren fand die Besichtigung der Strecke zuvor bei strahlend blauem Himmel statt, die Sichtbedingungen sind daher während des Rennens deutlich anders als zuvor. Die Temperatur liegt um den Gefrierpunkt, die Piste ist dementsprechend eher eisig.
So gehts weiter
Für die Speed-Spezialistinnen ist nach der abgesagten Abfahrt und dem Super-G vom Sonntag die Saison zu Ende. Die Technikerinnen bestreiten beim Weltcup-Final in Sun Valley am 25. März noch einen Riesenslalom und am 27. März einen Slalom.