Stefan Küng hat die erste Tour de France geschafft. Ohne groben Sturz auf den 3'540 Kilometern. Mit einem zweiten Platz beim Auftakt in Düsseldorf. Und dem Weissen Trikot des besten Jungprofis.
«Für mich war diese Tour eine einzigartige Erfahrung», schwärmt der 23-jährige Thurgauer. «Über die Tour habe ich viel gelesen und noch mehr gehört. Es ist schlicht das Rennen!» Er hat den Riesen-Aufwand genossen, den sein BMC-Team während der Tour investiert hat.
Er hat die Enttäuschung erlebt, als sein Leader Richie Porte (Aus) auf der 9. Etappe nach einem Sturz aufgeben muss. Auf den Champs-Élysées sind all die Strapazen und Sorgen vergessen. Er beendet das Rennen auf Rang 79, mit 2:49 Stunden Rückstand auf Sieger Froome. Zusammen mit dem BMC-Team feiert er abends das Tour-Ende in Paris. «Dann verbringe ich mit Freundin Céline ein paar Tage in Paris – ich freue mich seit Tagen auf die gemeinsame Zeit.»
Oft hat er sich an seine «erste Tour de France» 2008 im Alter von 14 Jahren erinnert. In zehn Tagen fährt er 1500 Kilometer, kraxelt 28 000 Höhenmeter – und das auf einem 28-Kilo-Rennvelo! Stefan schläft im Zelt, muss dieses Gepäck also auch schleppen. «Ich fragte mich oft, wie ich das damals geschafft habe. Als Profi habe ich jetzt Masseure, gutes Essen und ein Hotel. Ich bin überzeugt: Jetzt bin ich die einfachere Tour gefahren.»
Küng ist müde nach den Strapazen. «Aber ich bin nicht kaputt», sagt er. «Das gibt mir grosses Vertrauen für die nächsten Jahre.» Nächsten Sonntag fährt er das World-Tour-Rennen in London.