Wie findet der Meister wieder in die Spur?
Über Thuns Märchenwelt sind dunkle Wolken aufgezogen

Trainerwechsel, Spielerabgänge, ein mässiger Saisonstart: Der FC Thun kämpft drei Monate nach dem märchenhaften Meistertitel mit den Schattenseiten des Erfolgs – und hat noch viel Arbeit vor sich.
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Märchenhaft war der Sensationstitel des FC Thun – umso grösser ist jetzt der Exodus.
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Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • FC Thun schreibt Märchen: Aufsteiger wird Schweizer Meister und sorgt international für Schlagzeilen
  • Sechs Leistungsträger und Trainer Lustrinelli haben den Verein verlassen
  • Conference League bringt mindestens 4 Mio. CHF, Transferfenster schliesst am 8. September
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Andri BäggliRedaktor Sport

Nichts anderes als ein Märchen hat der FC Thun geschrieben. Als Aufsteiger haben die Thuner wohl nicht nur sich selbst, sondern auch die ganze Schweiz überrascht. Der kleine Klub aus dem Berner Oberland hat sogar international für Schlagzeilen gesorgt.

Die Geschichte erinnert an Kaiserslautern in der Bundesliga 1997/98 oder Leicester City in der Premier League 2015/16, die ebenfalls als Aufsteiger Meister wurden.

Doch wie sieht die Lage in Thun rund drei Monate, nachdem Captain Marco Bürki den Pokal in die Höhe gestemmt hat, aus? Die grosse Sensation bezahlen die Thuner teuer. Nicht im finanziellen Sinn, sondern weil fast kein Stein auf dem anderen liegen geblieben ist.

Trainer und halbe Mannschaft weg

Angefangen hat alles mit dem Abschied von Meister-Trainer Mauro Lustrinelli. Nur wenige Tage nach dem letzten Saisonspiel wurde bekannt, dass der charismatische Tessiner seinen Herzensklub in Richtung Bundesliga verlassen wird. Der Wechsel lief ohne Nebengeräusche ab, der 50-Jährige hat sich die Zeit genommen, das Hinspiel der Champions-League-Quali gegen Dinamo Zagreb in seinem alten Wohnzimmer anzuschauen.

Doch nicht nur Lustrinelli hat Thun verlassen. Mit Ethan Meichtry (Genua), Elmin Rastoder (Panathinaikos), Michael Heule (Heidenheim), Valmir Matoshi (Sturm Graz), Leonardo Bertone (Luzern) und Christopher Ibayi (MAS Fès) haben gleich sechs Leistungsträger den Klub verlassen. Mehr oder weniger auf einen Schlag haben die Thuner 52 Tore und 25 Assists verloren. Zwar hat die gebeutelte Klubkasse die Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe dankend angenommen, reibungslos ist aber nicht jeder Transfer abgelaufen.

Es ist gar so weit gegangen, dass Präsident Andres Gerber am Montag im Gespräch mit Blick ein Machtwort gesprochen hat. «Wir geben keine Leistungsträger mehr ab – und schon gar nicht zur direkten Konkurrenz. Das haben wir klubintern entschieden. Wir tragen gegenüber Mitspielern, Fans und Sponsoren des FC Thun Verantwortung», so der 53-Jährige.

«Berater werden immer perfider»

Er selbst war jahrelang selbst Sportchef, kennt das Geschäft also bestens, trotzdem wurde er von einer Entwicklung überrascht. «Die Machtverhältnisse verschieben sich, Berater beeinflussen ihre Spieler teils aufs Gröbste, um einen Transfer zu erzwingen und so das schnelle Geld zu machen», erklärt Gerber. Er erlebe seine Spieler grundsätzlich als respektvolle, anständige und loyale Menschen. «Doch dann sollen sie nicht mehr trainieren oder gar streiken? Die Druckmittel einiger Berater werden immer perfider.»

Es sind ähnliche Töne, wie sie auch schon Ex-Sportchef Dominik Albrecht angestimmt hat – ebenfalls ein wichtiges Puzzleteil, das mitten in der heissen Transferphase weggebrochen ist. Anfang August machte Blick publik, dass sich Albrecht eine Auszeit nimmt. «Ich habe in den letzten Wochen noch intensiver gemerkt, dass ich aus familiären Gründen nicht mehr so weitermachen will. Ich habe in diesem Sommer meine Kinder fast nie gesehen. Dieser Spagat war das Herausforderndste am ganzen Job», erklärte Albrecht die Gründe dafür.

Der 48-Jährige stellt zwar klar, dass es sich nicht um ein Burnout handelt, doch auch er teilte gegen Mechanismen im Business aus: «Ich konnte Verhaltensweisen von aussen nicht mit mir vereinbaren. Ich bin genervter und habe auch eine gewisse Sättigung verspürt.» Es sei geplant, dass Albrecht nach seiner Auszeit im Herbst zurückkehrt, allerdings nicht mehr in operativer, sondern in strategischer Funktion – spruchreif ist da aber noch nichts.

Novize als Sportchef und Trainer

Als Ersatz stellten die Thuner Simone Rapp vor. Der gebürtige Tessiner ist – wie der neue Trainer Gian-Luca Privitelli – ein Neuling auf seinem Gebiet. Der 33-Jährige hat seine Profikarriere erst im April dieses Jahr beendet und muss nun die vielen Abgänge kompensieren. Zwar erhält er eine enge Betreuung von Gerber, trotzdem ist es alles andere als ein leichter Job.

«Es waren sehr intensive, aber spannende Wochen. Es ist alles sehr schnell und zugegebenerweise auch etwas unerwartet gekommen», blickt Rapp auf die vergangenen Tage und Wochen zurück. Er habe in einer Phase übernommen, in der viele neue Dinge auf ihn zugekommen sind. «Die grösste Herausforderung ist, dass ich für alle präsent bin. Vor allem für unsere Spieler, die bereits hier sind und das Wichtigste sind. Sie stehen jeden Tag auf dem Platz und arbeiten hart daran, sich zu verbessern und die Prinzipien des FC Thun weiterzutragen.» Auch sei es nicht ganz ohne, all die Arbeiten von Albrecht zu übernehmen.

Transferfenster schliesst bald

Verbesserungspotenzial sieht er in seinem Zeitmanagement. «Aufgrund der Doppelbelastung rennt einem die Zeit davon. Gerade wenn man reisen muss, verliert man schnell einen halben Tag.» Die Priorität für ihn ist aber klar, die Mannschaft besser zu machen. «Ich muss mich auch auf den Markt konzentrieren. Es werden noch Spieler kommen. Wir müssen aber die Ruhe bewahren und so weitermachen. Wir sind glücklich darüber, wie sich das Team entwickelt.»

Bis am 8. September hat der Sportchef Zeit, neue Spieler an Bord zu holen – dann schliesst das Transferfenster. Ab Oktober beginnt dann die Doppelbelastung erneut. Die Thuner haben sich für die Ligaphase der Conference League qualifiziert und so bereits das erste Saisonziel abgehakt – und zusätzliche Einnahmen von mindestens 4 Millionen Franken generiert.

Das heisst aber auch, dass der Spagat der Doppelbelastung weitergeht. Nach dem verpatzten Saisonstart in der Super League sind die Berner Oberländer gut darin beraten, den Fokus auf die Liga nicht aus den Augen zu verlieren. Ansonsten wird es eine lange Saison für den Meister.

Brack Super League 2026/27
Mannschaft
SP
TD
PT
1
FC Lugano
FC Lugano
4
10
12
2
BSC Young Boys
BSC Young Boys
5
10
11
3
FC Basel
FC Basel
5
3
10
4
FC St. Gallen
FC St. Gallen
0:1
4
1
7
5
FC Sion
FC Sion
4
1
6
6
FC Zürich
FC Zürich
5
-5
6
7
FC Thun
FC Thun
1:0
4
-5
6
8
FC Lausanne-Sport
FC Lausanne-Sport
5
-1
5
9
FC Luzern
FC Luzern
5
-4
5
10
Servette FC
Servette FC
4
-1
4
11
Grasshopper Club Zürich
Grasshopper Club Zürich
2:2
4
-4
2
12
FC Vaduz
FC Vaduz
2:2
5
-5
1
Meisterschaftsrunde
Abstiegsrunde
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