Das Spiel
Wer hätte gedacht, dass diese Partie 2:2 ausgeht? Vermutlich niemand.
Lausanne führt im Letzigrund 2:0. Weil mit Benjamin Mendy, der drei Tage nach seinem nicht mit Rot geahndeten Frustfoul wieder in der Startelf steht, und Mariano Gomez zwei FCZ-Verteidiger fürchterlich patzen. Die Gäste sehen wie der sichere Sieger aus und sind drauf und dran, die sechstklassierten Stadtzürcher in den Strichkampf-Strudel zu ziehen.
Doch soweit kommts nicht. Das Heimteam legt einen kaum für möglich gehaltenen Schlussspurt hin. Erst verkürzt Steven Zuber in der 89. Minute, dann – in der Nachspielzeit – hämmert Lindrit Kamberi den Ball ins Netz.
2:2 – ein höchst glücklicher Punktgewinn für den FCZ. Denn die Mannschaft von Ricardo Moniz legt einen bescheidenen Auftritt hin, wirkt ideenlos und dadurch harmlos. Bis zur 89. Minute.
Für Lausanne mit Trainer Ludovic Magnin fühlt sich das Remis wie eine Niederlage an. Es ist der nächste Dämpfer für die Waadtländer nach dem desolaten Auftritt am vergangenen Sonntag (1:4) zu Hause gegen Luzern.
Die Tore
5. Minute, Jamie Roche, 0:1. FCZ-Goalie Brecher führt den Abstoss kurz aus, Gomez spielt zu Mendy, der zu leger entgegenkommt. Mendy will zurückpassen und just, als er den Ball trifft, hält Roche sein Bein dazwischen. Von dort fliegt die Kugel am verdutzten Brecher vorbei ins Netz.
74. Minute, Alban Ajdini, 0:2. Nach Mendy patzt nun auch Gomez. Baldé luchst dem FCZ-Verteidiger zehn Meter hinter der Mittellinie den Ball ab und stürmt in den Strafraum. Dort wollen sich alle Zürcher um den Lausanner Stürmer kümmern, so braucht Ajdini, als er das Spielgerät erhält, nur noch einzuschieben.
89. Minute, Steven Zuber, 1:2. Ein weiter Brecher-Abschlag kommt bis in den Lausanner Sechzehner. Letica stürmt unmotiviert raus, aber Zuber ist vor dem Gäste-Keeper am Ball, umkurvt diesen und schiebt ein.
95. Minute, Lindrit Kamberi, 2:2. Erneut haut Brecher auf gut Glück den Ball nach vorne. Die Kugel wird von Nvendo verlängert, dann steht Kamberi tatsächlich alleine vor Letica und vollendet mit einem Volleyknaller.
Die Stimmen
FCZ-Captain Yanick Brecher (gegenüber SRF): «Das war ein sehr guter Abschluss eines schlechten Spiels von uns. Wir starteten unglaublich hektisch, das frühe Gegentor war ein Geschenk unsererseits. Ich kann es verstehen, wenn Fans vorzeitig das Stadion verlassen. Bis zur 89. Minute war das keine gute Leistung von uns. Aber: Mit uns ist immer zu rechnen bis zum Schluss. Allerdings wollen wirs nicht immer so spannend machen.»
2:2-Torschütze Lindrit Kamberi (gegenüber SRF): «Ein schwieriger Abend. Wir haben nicht damit gerechnet, 0:2 in Rückstand zu geraten. Wenn man dann noch das 2:2 schiesst und so einen Punkt holt, dann ist das als Erfolg zu werten.»
Lausanne-Trainer Ludovic Magnin (gegenüber SRF): «Es ist sehr frustrierend. Wir hätten die drei Punkte mehr als verdient gehabt. 85 Minuten lang gefiel mir der Auftritt meiner Mannschaft.»
FCZ-Coach Ricardo Moniz (gegenüber SRF): «Fantastisch, dass mein Team so zurückkommt. Normalerweise verlierst du dieses Spiel. Die Fans, die früher gegangen sind, die haben was verpasst und das nächste Mal bleiben sie sitzen. Jetzt bleibt die Distanz zu Lausanne bei fünf Punkten. Aber klar: Natürlich bin ich enttäuscht, wie wir die Tore weggeschenkt haben.»
Der Beste
Der «Beste» ist ein grosses Wort in dieser Partie, die manchmal jeder Beschreibung spottet. Aber bei Koba Koindredi sieht es an diesem Abend wenigstens manchmal richtig nach Fussball aus.
Der Schlechteste
«Die positiven Dinge überwiegen», hat Ricardo Moniz vor dem Spiel über Benjamin Mendy gesagt. Dann sieht er, wie der Weltmeister von 2018 erst in der vierten Minute Alban Ajdini steil schickt, der das Geschenk noch dankend ablehnt. Aber das reicht nicht. Also kommt Mendy gleich darauf einem Pass von Mariano Gomez viel zu leger entgegen. Jamie Roche stellt das Bein dazwischen und der Ball spickt ins Tor. Es ist das dritte Gegentor, das der Franzose in 225 Einsatzminuten mit einem groben Fehler verschuldet.
Das gab zu reden
Auffällig beim FCZ: Junior Ligue fehlt auf dem Matchblatt komplett. Er ist eigentlich einer der Aufsteiger dieser Saison. Jetzt darf er sich nicht mal auf die Bank setzen. Auf Blue sagt Ex-Nati-Goalie Pascal Zuberbühler vor dem Spiel: «Malenovic hat heute Spieler rausrasiert, die sich im Moment falsch verhalten. Das ist der neue FC Zürich. Es gibt einen Innenverteidiger, der eine Sanktion bekommen hat. Man sieht es bei der Aufstellung.» Der einzige Innenverteidiger, der danach auf dem Zürcher Matchblatt fehlt, ist Ligue. Offizielle Begründung des FCZ, warum er fehlt: «Nicht im Aufgebot.»
Die Schiris
Es ist der erste Auftritt in der Super League für Anojen Kanagasingam seit einem Monat. Damals pfiff er beim 3:1-Sieg der St. Galler gegen die Grasshoppers erst einen umstrittenen Platzverweis gegen Amir Abrashi und danach drei Penaltys. Einen davon für St. Gallen auf Druck seines Video-Assistenten, den Schiedsrichter-Chef Daniel Wermelinger danach als Fehler bezeichnete. Kanagasingam ist bei FCZ – Lausanne also durchaus unter Druck. Aber diesmal gelingt ihm ein souveräner Auftritt. Was allerdings auch daran liegt, dass sich die beiden Mannschaften ein sehr zahmes Spiel liefern. Nach einer Stunde könnte er bei einem Handspiel von Bledian Krasniqi einen Penalty pfeifen. Aber nach seinen drei Penaltys in St. Gallen hält er sich für einmal zurück.
Die Fans
Es ist Strichkampf, es geht für beide Teams darum, ob das eine gute oder eine miese Saison wird. Aber an einem Mittwochabend um 20.30 Uhr interessiert das in Zürich bloss 11'489 Menschen. Das ist ein wenig berauschender Aufmarsch.
So gehts weiter
Der FCZ reist am kommenden Samstag nach Winterthur. Lausanne spielt am gleichen Tag zu Hause gegen Sion. Beide Partien werden um 18 Uhr angepfiffen.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
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1 | Servette FC | 30 | 9 | 51 | |
2 | FC Basel | 29 | 28 | 49 | |
3 | BSC Young Boys | 30 | 11 | 49 | |
4 | FC Lugano | 30 | 5 | 48 | |
5 | FC Luzern | 29 | 8 | 47 | |
6 | FC Zürich | 30 | 1 | 46 | |
7 | FC Lausanne-Sport | 30 | 5 | 41 | |
8 | FC St. Gallen | 29 | 1 | 39 | |
9 | FC Sion | 30 | -7 | 35 | |
10 | Yverdon Sport FC | 30 | -18 | 32 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 29 | -12 | 27 | |
12 | FC Winterthur | 30 | -31 | 23 |