Das Spiel
Es ist der Schlagermatch der 25. Super-League-Runde. Weil dermassen viel auf dem Spiel steht. Verringert YB den Rückstand zu Lugano auf fünf Punkte? Oder schaffen es die Tessiner, die Berner um elf Zähler zu distanzieren?
Bis kurz vor Schluss lautet die Antwort: weder noch! Doch dann bricht die 84. Minute an und Jaouen Hadjam hat seinen grossen Auftritt. Mit seinem ersten Saisontor schiesst der Aussenverteidiger YB zum 1:0-Sieg – und ins Titelrennen. Continis Mannschaft rückt auf Rang 6 vor. Der Rückstand zum Spitzenquartett Basel, Lugano, Luzern, Servette? Fünf Punkte.
Offensive Lichtblicke sind im Wankdorf eher rar gesät, aber es gibt sie. In der fünften Minute findet Luganos Papadopoulos per Kopf nach einem Freistoss seinen Meister in Goalie Keller, der auf der Linie glänzend pariert. Ebenfalls per Kopf versucht Fassnacht nach einem Corner sein Glück, setzt den Ball jedoch frei stehend drüber.
Gefährlich wirds zweimal kurz vor der Pause. Zanotti hat nach einem flüssigen Angriff der Bianconeri zu viel Rücklage. Auf der Gegenseite findet Bedia die Lücke im dicht besiedelten Abwehr-Wald der Gäste nicht und Monteiro schlägt in aussichtsreicher Position ein Luftloch.
Einem Tor am nächsten kommen in der zweiten Halbzeit zunächst Rückkehrer Steffen und Monteiro. Sowohl der Lugano-Captain als auch der YB-Stürmer scheitern an der Torumrandung.
Glück hat der Meister, dass Lauper in der 83. Minute auf der Höhe ist. Er klärt in extremis gegen Vladi. Kurz darauf fällt für das Heimteam der viel umjubelte Siegtreffer.
Das Tor
84. Minute, Jaouen Hadjam, 1:0. Für Hadjam fühlt sich keiner in der Lugano-Abwehr zuständig. Der YB-Verteidiger zieht von der rechten Seite in den Strafraum und schlenzt die Kugel mit links in die Maschen. Obwohl der Ball nicht perfekt platziert ist, lässt sich Saipi bezwingen.
Die Stimmen
Sandro Lauper (gegenüber Blue): «Das war enorm wichtig. Mit elf Punkten Rückstand wärs sehr schwierig geworden. So lassen wir uns alle Optionen offen. Wir konnten uns gut ans Lugano-Spiel anpassen, sie haben uns in der Vergangenheit viele Probleme bereitet.»
Giorgio Contini (gegenüber Blue): «Das Messer am Hals? Das war eine Spielerei der Medien. Wir haben das nicht so empfunden. Wir wussten, dass mit einem Sieg die Top 6 möglich sind. Das war Motivation genug, um sich zu verreissen und den Match gegen Winterthur vergessen zu machen.»
Renato Steffen (gegenüber Blue): «Ein Remis wäre verdient gewesen. Wir haben mehr gemacht fürs Spiel, waren besser. Wir verteidigen bei der entscheidenden Aktion nicht gut. Wir hatten Pech beim Lattenschuss. Ich bin enttäuscht, nehmen wir keinen Punkt mit nach Hause.»
Amir Saipi (gegenüber Blue): «Beim Gegentor verteidigen wir zu passiv. Das war dann einfach für Hadjam. Das Spiel war sehr offen. Beide Teams wollten den Sieg. Bei uns fehlte der entscheidende letzte Pass vor dem Tor.»
Der Beste
Linksfüsser Jaouen Hadjam muss wegen des Blum-Ausfalls (s. «Das gab zu reden») auf der für ihn falschen, rechten Seite ran. Das ist kein einfacher Job in der Defensive. Hat aber in der Offensive den Vorteil, dass man den Ball auf seinem starken Fuss hat, wenn man in die Mitte zieht. Das nutzt der Algerien-Franzose zum frenetisch bejubelten Schlenzer ins totale YB-Glück.
Der Schlechteste
Ousmane Doumbia vertändelt vor dem Berner Tor den Ball gegen Itten. Das darf einem derart routinierten Spieler in dieser Phase nicht passieren, auch wenn er eben erst ins Spiel gekommen war.
Das gab zu reden
Kurz vor Kickoff muss Lewin Blum Forfait geben: Starke Kopfschmerzen plagen ihn. Kein unproblematischer Ausfall, denn der andere Rechtsverteidiger Zachary Athekame ist gesperrt. Für ihn beginnt Abdu Conté, aber hinten links. Linksfüsser Hadjam rutscht nach rechts.
Die Schiris
Schiedsrichter Sven Wolfensberger hat die stark zweikampfbetonte Partie gut im Griff. Vielleicht hätte er die eine oder andere Gelbe mehr verteilen können, so gegen Monteiro, bei dessen Ellenbogeneinsatz gegen Hajdari, oder gegen Fassnacht wegen des Knietreffers gegen Papadopoulos. Für VAR Marijan Drmic gibts keinen Anlass zum Eingreifen. Gut so.
Die Fans
27'463 Fans sind im Stadion. Knapper Bestwert in diesem Jahr im vierten Ligaspiel im Wankdorf seit der Winterpause – mal abgesehen vom Champions-League-Duell gegen Roter Stern Belgrad (0:1), das mit 31'500 Fans ausverkauft war. In der Vorrunde hingegen gabs nur einmal einen tieferen Wert: 26'200 gegen GC.
So gehts weiter
Zweimal ist YB kommende Woche im Letzigrund zu sehen – am Donnerstag (20.30 Uhr) im Cup-Viertelfinal gegen den FCZ und am Sonntag (16.30 Uhr) in der Meisterschaft gegen GC. Lugano will am Mittwoch (20.30 Uhr) auswärts gegen Biel aus der Promotion League den Halbfinal-Einzug klarmachen, am Sonntag (14.15 Uhr) folgt dann zu Hause das Super-League-Kräftemessen mit dem FCZ.
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
---|---|---|---|---|---|
1 | Servette FC | 28 | 8 | 48 | |
2 | FC Basel | 28 | 26 | 46 | |
3 | FC Lugano | 28 | 5 | 45 | |
4 | FC Luzern | 28 | 5 | 44 | |
5 | BSC Young Boys | 28 | 9 | 43 | |
6 | FC Zürich | 28 | 0 | 42 | |
7 | FC Lausanne-Sport | 28 | 8 | 40 | |
8 | FC St. Gallen | 28 | 2 | 39 | |
9 | FC Sion | 28 | -6 | 34 | |
10 | Yverdon Sport FC | 28 | -16 | 31 | |
11 | Grasshopper Club Zürich | 28 | -11 | 27 | |
12 | FC Winterthur | 28 | -30 | 20 |