Hitzfeld erklärt dem neuen Coach den BVB
«Favre hat keine Zeit, er braucht sofort Erfolg»

«Lucien Favre kann die Bundesliga wieder spannend machen!» Ottmar Hitzfeld, Champions-League-Sieger mit dem BVB, erklärt dem Schweizer Dortmund.
Publiziert: 21.05.2018 um 23:37 Uhr
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Aktualisiert: 13.09.2018 um 04:25 Uhr
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Favre ist der neue Dortmund-Coach, er hat einen Vertrag bis 2020 unterschrieben.
Foto: MAJA HITIJ
Andreas Böni

Ottmar Hitzfeld wird 1991 Dortmund-Trainer, bleibt bis 1997. Er wird Meister und Champions-League-Sieger. Doch hinter einer Region stehen auch Menschen. Der 69-Jährige erklärt Lucien Favre (60), was im Ruhrpott auf ihn zukommt.

Seine Vorstellung: «Am 2. Juni 1991 gab ich meine erste Pressekonferenz. Ich weiss noch, wie mich Herr Niedzinski als Fahrer am Flughafen Düsseldorf abholte. Er war Mädchen für alles, verteilte Briefe und Pakete auf der Geschäftsstelle und sprach gleich Klartext: So könne es nicht weitergehen, als erstes müsste ich gleich x Spieler rauswerfen und so richtig ausmisten. Da spürte ich: Das hier ist Religion, hier tragen die Menschen das Herz auf der Zunge. Die Fans zünden Kerzen an, sprechen Gebete für ihr Team. Darauf muss sich Lucien Favre einstellen, da ist alles direkt und ungefiltert. Nicht wie bei uns, wo man über Ecken versucht, höflich zu sein. Da kommst Du am Morgen ins Training und die Leute sagen dir zum Beispiel: Du siehst schlecht aus. Hast Du schlecht geschlafen?»

Mein Transfer-Gespräch: «Ich wollte als erste Amtshandlung Stéphane Chapuisat holen. Man wollte es mir ausreden, die Presse schrieb, nach dem Schweizer Trainer komme jetzt noch ein Schweizer Stürmer, das werde schief gehen. Auch Präsident und Sportchef waren skeptisch. Aber ich setzte mich durch – und Chappi spielte jahrelang eine wichtige Rolle, ist heute eine Legende. Favre muss sich darauf einstellen, dass Zaudern nicht nach Dortmund passt, da muss man schnell und manchmal hart entscheiden.»

Norbert Dickel: «Der Stadionsprecher, der Einpeitscher. Er schoss 1989 mit kaputtem Knie im Pokalfinale zwei Tore, er ist ein Held. Eine Kultfigur.»

Die beeindruckende Südtribüne in Dortmund.
Foto: imago

Die Südtribüne: «Wenn Du unten vor diesen 25 000 Menschen stehst, hast du einfach nur Gänsehaut, es ist unvorstellbar. Die Tribüne hat auch einen Machtfaktor. Wenn sie dich feiern, fliegst du. Wenn sie pfeifen, geht es unter die Haut. Aber die Menschen sind sehr fair. Wenns schlecht läuft, sind sie still, pfeifen aber sehr, sehr selten die eigenen Spieler aus.»

Die Bosse: «Hans-Joachim Watzke, der Präsident, hat klare Ansichten. Er ist ehrlich und offen und hat den BVB auch wirtschaftlich wieder auf Kurs gebracht. Lucien Favre muss sich darauf einstellen, dass es von ihm auch mal direkte Kritik gibt – aber immer im 4-Augen-Gespräch.»

«Michael Zorc ist die rechte Hand von ihm, hat viel Kompetenz. Er war lange Captain in Dortmund, eher ein ruhiger Mensch, der sich zurückzieht und analysiert. Ein stiller Beobachter.»

«Die Ernennung von Matthias Sammer als sportlicher Berater hat mich überrascht, weil Zorc ja sportlich auch Ahnung hat. Und zumal Sammer noch Experte bei Eurosport ist. Aber er kann ein Spiel lesen und sieht, was die Mannschaft benötigt. Wie auch Sebastian Kehl, der neu dazukommt. Man wird sicher einen Stürmer und eine robuste Nummer 6 holen. Einen Mann, den Bayern mit Vidal oder Martinez hat.»

Die neuen Favre-Bosse: Michael Zorc und Hans-Joachim Watzke.
Foto: imago

Rote Erde: «Das alte Stadion steht für viele alte Erfolge der Borussia, in den 50er und 60er Jahren wurde der BVB dort Meister. Als ich Dortmund-Trainer wurde, hat mich der Präsident da durchgeführt. Legendär. Ich habe meine ersten Trainings dort durchgeführt.»

Zeche Dortmund: «Man darf nie vergessen, dass Dortmund eine Arbeiterstadt ist. Die Menschen lebten vom Bergbau, arbeiteten hart, hatten Lungenschäden. Die Spieler müssen dies verinnerlicht haben. Kämpfen, hart arbeiten – man will vom BVB sehen, dass man hart arbeitet.»

Borsigplatz: «Hier feiert man die Titel. Es ist gigantisch, wenn man da die Schale den Fans präsentieren kann. Es sind Bilder, die du nie vergisst.»

Die Ziele: «Lucien Favre kann die Bundesliga wieder spannend machen. Er kann die Bayern angreifen. Er muss allerdings erst mal den Albtraum beenden, hinter Schalke zu stehen. Ich habe es ja nicht geglaubt, vor meiner Zeit beim BVB, aber das ist purer Hass. Die vergangene Saison war darum Horror für die Fans, dass Schalke auf Platz 2 und Dortmund nur auf Platz 4 war. Für Favre ist es der ideale Zeitpunkt. Aber Zeit, um aufzubauen, hat man nicht. Bei Dortmund braucht man sofort Erfolg.»

Bundesliga
Mannschaft
SP
TD
PT
1
Bayern München
Bayern München
11
29
29
2
Eintracht Frankfurt
Eintracht Frankfurt
11
11
23
3
RB Leipzig
RB Leipzig
11
9
21
4
Bayer Leverkusen
Bayer Leverkusen
11
8
20
5
Borussia Dortmund
Borussia Dortmund
11
4
19
6
Borussia Mönchengladbach
Borussia Mönchengladbach
11
3
17
7
SC Freiburg
SC Freiburg
11
-2
17
8
FSV Mainz
FSV Mainz
11
4
16
9
VfB Stuttgart
VfB Stuttgart
11
2
16
10
Union Berlin
Union Berlin
11
0
16
11
VfL Wolfsburg
VfL Wolfsburg
11
2
15
12
Werder Bremen
Werder Bremen
11
-5
15
13
TSG Hoffenheim
TSG Hoffenheim
11
-5
12
14
FC Augsburg
FC Augsburg
11
-10
12
15
1. FC Heidenheim 1846
1. FC Heidenheim 1846
11
-5
10
16
FC St. Pauli
FC St. Pauli
11
-7
8
17
Holstein Kiel
Holstein Kiel
11
-16
5
18
VfL Bochum
VfL Bochum
11
-22
2
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