Darum gehts
Jakob Stukel (28) ist ein slowenisch-kanadischer Doppelbürger. Unter Vertrag ist der Stürmer im sportlichen Alltag beim EHC Basel, Swiss-League-Insider bezeichnen den Linksausleger auch schon mal als den besten Ausländer der Liga. Was hat der mit Swiss-League-Meister Visp zu tun? Die Walliser hatten sich im Final gegen den EHC Basel und Stukel durchgesetzt – bekommen es in der Liga-Qualifikation um den Platz in der National League aber erneut mit Stukel zu tun, weil der plötzlich im Kader von Ajoie auftaucht.
Wie das möglich ist? Aufgrund des Gagaismus-Regelwerks im Schweizer Eishockey. Zauberwort: B-Lizenzen. Hat der Verein des lizenzierten Spielers (in diesem Fall Basel) die Saison beendet, ist er für seinen «neuen» Klub (Ajoie) via B-Lizenz spielberechtigt. Auch Verteidiger Cédric Aeschbach (22) wurde so kurzfristig von Basel nach Ajoie transferiert.
Ein Kuhhandel als «unternehmerische Freiheit»
Während der Schlussphase der Qualifikation hatte der abstiegsgefährdete Tabellenletzte just dann drei Spieler mit B-Lizenzen nach Olten ausgeliehen, als die Solothurner gegen den Aufstiegsaspiranten La Chaux-de-Fonds antraten. Den Trainer Christian Wohlwend (48) durfte Olten nach dessen Entlassung bei Ajoie erst verpflichten, als Olten einwilligte, auf ein Aufstiegsgesuch zu verzichten. Ein Kuhhandel. SCB-Geschäftsführer Marc Lüthi (63) buchte den Vorgang in einem Blick-Interview im Spätherbst als «unternehmerische Freiheit» ab.
Lizenzen, Lizenzen, Lizenzen
Mit dem «Unternehmerischen» nimmt man es im Schweizer Eishockey genau: Man ist darauf bedacht, branchenübliche unternehmerische Risiken möglichst auszuschliessen. Die Abgehängten aus dem Jura müssen sich erst zum zweiten Mal in vier Saisons als Tabellenletzter in der Liga-Quali behaupten. Hätte Visp den Final gegen Basel verloren, wäre der Vergleich zwischen Ober- und Unterhaus wie schon 2022 und 2024 ausgefallen: Basel hatte keine Lizenz für den Aufstieg beantragt. Noch mehr Lizenzen, die den sportlichen Wettbewerb sabotieren.
Eine Revolte gegen den Sport
Der Unsinn mit den Lizenzen ist eine Revolte gegen den Sport, inszeniert von den Sportlern selbst. Stukel und Aeschbach sind keine Einzelfälle: Bei Fribourg spielt beispielsweise gerade Daniel Ljunggren (31, Thurgau) als Vertreter für den verletzten Jacob de la Rose (29). Der SCB hatte im Viertelfinal Verteidiger Lucas Matewa (25, La Chaux-de-Fonds) eingesetzt, Stürmer Toms Andersons (31, ebenfalls La Chaux-de-Fonds) war schon in der Schlussphase der Quali für den SCB im Einsatz, den Viertelfinal verpasste er wegen einer Verletzung. Andere Beispiele finden sich in der Liga querbeet.
Regeln, die man selbst geschaffen hat
Aber nutzen die Klubs so nicht einfach das Regelwerk? Klar. Ein Regelwerk, das sie als Gesellschafter der National League selbst geschaffen haben. Verletzungsbedingte Ausfälle von Leistungsträgern gehören theoretisch genauso zum unternehmerischen Risiko eines Sportklubs wie ein Abstieg. Aber in der National League gibt es kein Risiko, für das sich nicht irgendeine Lizenz als Gegenmittel finden lassen würde. Die absurde Volte mit Stukel, Ajoie, Basel und Visp ist aber selbst für die National League ein starkes Stück.