Wie die rund 100 Kilogramm schweren Käselaibe im Reifekeller musste sich auch Raphael Kuonen gedulden. Schoss der Stürmer in der NLB Tor um Tor, vermochte er sich auf höchster Stufe nie richtig zu etablieren. Bis jetzt. «Ich traf gleich im ersten Spiel und plötzlich waren die negativen Gedanken weg», erzählt der 26-Jährige.
Negative Gedanken? Sie waren Kuonens ständige Begleiter. «Ich wollte es stets allen recht machen und konnte mir wegen eines Fehlpasses im Training zwei Tage lang den Kopf zerbrechen. Neben dem Eis kapierte ich nicht, was es im Leben braucht, wusste vieles besser und musste endlich erwachsen werden.»
Seit zwei Jahren vertraut der Sohn von Ex-Verbands-Vizepräsi Pius-David Kuonen auf Jean-Pierre Bringhen. Der Mentaltrainer zähmte einst NLB-Bösewicht Fernando Heynen, indem er ihn zu Mozarts Zauberflöte in Handschuhen und mit Hockeystock joggen liess. Und Kuonen? «Ich dribble, trage eine Brille, damit ich die Scheibe nicht sehen kann, und zähle bis 300. So versetze ich mich wie in Trance und weiss nicht mehr, was ich tue.»
Kuonen lebte bei Del Curto
Das Hirntraining zahlt sich aus. Der gebürtige Visper hat schon siebenmal getroffen. Besser sind nur Rajala, Sprunger (beide 8) und Vermin (9). Trotzdem sagt Kuonen: «Ich brauche noch 36 Spiele, um von einer guten Saison reden zu können.» Die Vergangenheit hat ihn geprägt.
Mit 19 Jahren wechselt Kuonen nach Davos, lebt sechs Wochen bei Trainer Del Curto. «Ich hatte die Hosen voll, achtete darauf, dass ich ja kein Glas zerstöre und ass immer schön auf. Die ersten zwei Tage fuhren wir gemeinsam ins Training. Bis in der Kabine Sprüche fielen.»
Bleibt der Stürmer in Langnau?
Läuferisch macht Kuonen Fortschritte. «Doch ich war noch nicht reif für die NLA. Auch der Wechsel nach Lugano drei Jahre später kam zu früh.» Der Tiefpunkt? Der Abstieg mit den Lakers 2015. «Ich dachte, die Karriere sei vorbei. Ich wollte fünf Wochen nichts mehr hören, sagte dem Agenten, er soll mich gar nicht erst auf dem Markt anbieten. Ich spielte für drei Klubs, fragte mich, was ich genau tue. Der Abstieg kratzte auch am Ego.»
Jetzt hat «Chüeni» die Zukunft in den eigenen Händen. Sein Vertrag läuft aus. Langnau hat ihm am Dienstag ein Angebot unterbreitet. Kuonen will sich in der Nati-Pause damit befassen. Er sagt: «Ich fühle mich super hier.»
Mannschaft | SP | TD | PT | ||
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1 | ZSC Lions | 19 | 19 | 40 | |
2 | HC Davos | 21 | 21 | 40 | |
3 | Lausanne HC | 21 | 8 | 40 | |
4 | SC Bern | 22 | 15 | 36 | |
5 | EV Zug | 22 | 17 | 36 | |
6 | EHC Kloten | 21 | 2 | 33 | |
7 | EHC Biel | 21 | 0 | 32 | |
8 | SC Rapperswil-Jona Lakers | 22 | -7 | 31 | |
9 | HC Fribourg-Gottéron | 21 | -9 | 27 | |
10 | SCL Tigers | 19 | -3 | 25 | |
11 | HC Lugano | 19 | -13 | 25 | |
12 | HC Ambri-Piotta | 19 | -12 | 24 | |
13 | Genève-Servette HC | 17 | -3 | 22 | |
14 | HC Ajoie | 20 | -35 | 15 |