Tod durch Gas. Oft ein Unglück, verschuldet durch eine defekte Heizung. Doch die Umstände, in denen die Tessiner Wirtin Nella Saalfrank (68) daheim in Minusio ums Leben kommt, beschäftigen die Ermittler. Staatsanwältin Marisa Alfier geht von fahrlässiger Tötung aus.
Es ist Heiligabend, 19.45 Uhr. Marco Saalfrank (37) kommt in die Via Giuseppe Frizzi. Er findet seine Mutter Nella und ihre Schwester Beatrix (60) vor. Beide regungslos. Die Tante atmet noch. Die Mutter ist tot. Erstickt im Schlaf. Kohlenmonoxid-Vergiftung!
Nella Saalfrank heizt elek-trisch. Das Kohlenmonoxid kam nicht aus ihrem Haus. Die Spurensicherung findet im Abzugsrohr der Ölheizung des direkten Nachbarn ein Leck. Wie das Gas ins Haus nebenan gelangt, ist noch nicht vollends geklärt.
Doch es ist nicht nur die veraltete Heizanlage des Nachbarn, die den Gifttod verschuldete. Haben auch die Krankenhausärzte versagt? Schon Wochen vor dem Unglück klagen Nella Saalfrank und ihr Lebensgefährte Beat A.* (59) über Atemnot, Schwindel, Kopfschmerzen, Unwohlsein. Klare Vergiftungssymptome. Die Wirtin wird einmal, Beat A. sogar viermal in Locarneser Krankenhäuser eingeliefert.
Weder das Regionalspital La Carità noch die Santa-Chiara-Klinik reagieren. Keiner der Ärzte erkennt eine Vergiftung. Niemand schlägt Alarm. Nella Saalfrank und Beat A. werden heimgeschickt, in die tödliche Falle.
«Nella könnte noch leben, wenn nicht so viele Fehler begangen worden wären», sagt ein Verwandter bitter.
Muralto trauert. Hier an der Seepromenade hatte Nella Saalfrank ihr Restaurant «La Vela». Ein Foto erinnert an die Wirtin. Stammgäste, meist Deutschschweizer, nehmen von der beliebten Baslerin Abschied. Viele fragen: Warum nur musste Nella sterben?
* Namen der Redaktion bekannt