Falsche Zutaten im Essen
«Der Fehler hätte für mich tödlich enden können»

Die Praxisassistentin Selma T.* (22) probiert ein neues Restaurant in Baden AG aus. Mit fatalen Folgen. Denn im Essen befinden sich Crevetten – woran sie fast stirbt. Nun will T. Restaurantbesitzer sensibilisieren.
Publiziert: 06.12.2019 um 19:03 Uhr
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Aktualisiert: 07.12.2019 um 09:28 Uhr
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Selma T. (22) wollte zum Mittagessen das neue Bistro ausprobieren.
Foto: Google maps

So hat sich Selma T.* (22) ihre Mittagspause letzte Woche nicht vorgestellt: Als sie in einem neuen Bistro in Baden AG einen Bissen vom Bamigoreng runterschluckt, bekommt sie einen allergische Schock. Denn im Essen sind Crevetten – sie ist allergisch auf Meeresfrüchte.

Nach einem Besuch im Kantonsspital Baden geht es ihr wieder gut. Glück hatte sie vor allem, dass sie in einer medizinischen Praxis arbeitet und «die Erste Hilfe gewährleistet war», wie sie gegenüber der «Aargauer Zeitung» sagt.

So wurde das Mittagessen zum Albtraum: T. betritt mit drei Arbeitskolleginnen das neu eröffnete Bistro. Alle bestellen das Bamigoreng. Die Frau fragt nach, was für Fleisch sich im Essen befindet. «Poulet», antwortet die Geschäftsführerin. Die Allergie erwähnt T. nicht.

Anaphylaktischer Schock

«Auch wenn es nur wenig Gäste hatte, mussten wir 45 Minuten auf ein Mittagsmenü warten. Aber gut, das Restaurant hat erst eröffnet, da dauern die Abläufe wohl noch etwas länger», relativiert die 22-Jährige.

Nachdem das Essen serviert wird, nimmt die hungrige Praxisangestellte zwei Bissen – einer zu viel. Denn im Poulet sind auch Crevetten beigemischt, die T. nicht von Anfang an erkennt. «Leider habe ich bereits eine Crevette runtergeschluckt, denn Rest habe ich wieder ausgespuckt.»

Sofort eilt sie zum Arbeitsort, der fünf Minuten zu Fuss entfernt ist. «Nach 15 Minuten erlitt ich einen anaphylaktischen Schock.» Anschliessend wird sie ins Kantonsspital Baden gebracht, wo sie eine Adrenalinspritze erhält.

Auf Gefahr aufmerksam machen

Selma T. sagt: «Fehler können passieren, aber dieser hier hätte für mich tödlich enden können.» Die Reaktion der Geschäftsführerin bringt das Fass für sie schliesslich komplett zum Überlaufen.

Am nächsten Tag ruft T. beim Bistro an, bekommt aber nicht die erhoffte Entschuldigung. «Ich habe angerufen, um ihr die Folgen der falschen Zutatsangaben zu beschreiben. Doch sie hat keine Reaktion gezeigt und gefragt, was ich denn jetzt von ihr wolle.»

Da beschliesst die 22-Jährige zur Presse zu gehen: T. will die Wirte darauf sensibilisieren, dass falsche Angaben verheerende Folgen haben können.

Wirtin: «Ich habe daraus gelernt»

Die Geschäftsführerin bestätigt gegenüber der «Aargauer Zeitung» den Vorfall und entschuldigt sich gleich mehrmals. Hätte sie von der Allergie gewusst, hätte sie ein besonderes Augenmerk auf den Koch gelegt.

Sie betont, dass sie von dem Vorfall gelernt habe. «Wenn sich Gäste künftig nach den Zutaten erkundigen, werde ich sie explizit fragen, ob bei ihnen mögliche Allergien vorliegen. Ausserdem haben wir die Menukarte mit Hinweisen auf Zutaten und Allergien ergänzt», sagt sie.

Auch auf die Vorwürfe, dass sie beim Telefonat mit T. kalt blieb, geht die Geschäftsführerin ein: «Ich war total perplex und geschockt, als ich den Anruf erhielt. Ich wusste nicht, wie reagieren.»

Geschädigte erwägt Schadenersatz-Forderung

Die Wirtin hätte sich gerne bei Selma T. entschuldigt, doch dazu hatte sie nach eigenen Aussagen keine Chance. «Irgendwann legte sie einfach den Hörer auf», sagt sie. Auch SMS, die die Wirtin ihr schickte, liess T. angeblich unbeantwortet.

Es sei ihr immer noch ein Anliegen, sich zu entschuldigen. T. aber widerspricht dem. Nicht sie, sondern die Wirtin habe den Hörer aufgehängt. Die 22-Jährige überlegt sich nun, von der Wirtin Schadensersatz zu fordern. (spr)

* Name geändert

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