Sie belästigen uns beim Frühstück, ruinieren das feine Glace und sorgen beim Feierabendbier für miese Laune – die Wespen. In Mitteleuropa gibt es rund 800 Wespenarten, doch nur zwei davon sind für den schlechten Ruf der Insekten verantwortlich: die Deutsche und die Gemeine Wespe. Unser Pech: Sie sind die hierzulande am häufigsten verbreiteten Arten.
Ob in diesem Jahr besonders viele Wespen unterwegs sind, ist schwierig zu sagen. Da der Sommer früh gestartet ist, konnten die Königinnen schnell mit dem Nestbau beginnen. Dazwischen fiel jedoch neben Regen auch die Temperatur, was den Tieren nicht behagt. Thomas Hensch vom Wespenschutz.ch sagt: «Dies könnte zu einem Paarungsunterbruch geführt haben.»
Überlebenskampf, weil das Futter knapp wird
Momentan sind die Wespen allerdings besonders aktiv, denn je länger der Sommer dauert, desto grösser ist der Stamm. Für die Tiere beginnt nun der Überlebenskampf, denn das Futter wird knapp. Jetzt gehen die Insekten den Menschen besonders auf die Nerven.
Henschs Organisation möchte das Zusammenleben zwischen Wespen und Menschen verbessern. Er nimmt die Tiere in Schutz: «Eine Wespe riskiert ihr Leben, die Menschen nur einen Stich.»
Der Wespenexperte unterteilt die Tiere in zwei Kategorien: «Es gibt die guten und die bösen Wespen.» Während die «Guten» ihre Nester an hellen Orten bauen und sich von lebendigen Insekten wie Mücken oder Spinnen ernähren, verstecken die Deutschen und Gemeinen Wespen ihre Brutstätten. Sie sind die einzigen zwei, die sich aufs Aasfressen spezialisiert haben. Somit haben auch die Bösen einen Nutzen. Hensch sagt: «Sie sind die Gesundheitspolizei.»
Nur die «Bösen» wagen sich zu den Menschen
Trotz dieses positiven Übernamens gelten die Tiere eher als Sadisten denn als Freund und Helfer, denn im Gegensatz zu den restlichen Arten wagen sich die Bösen direkt zu den Menschen. Die Guten dagegen vermeiden diesen Kontakt und stechen nur in Notfällen zu.
Für einen Menschen mit Phobie kann Hensch keine Lösung vorschlagen. «Nicht fuchteln, sonst werden die Tiere aggressiv.» Doch schon das falsche Parfum oder zu viel Schweiss reicht, und die Wespe fühlt sich provoziert. Hensch empfiehlt: «Enge T-Shirts anziehen, denn die bösen Wespen krabbeln gerne an dunkle Orte.»
Sollte man ein Wespennest in unmittelbarer Nähe haben, gilt es, die Behörden zu kontaktieren. Eventuell ist gar ein Zusammenleben möglich, solange es keine Gemeinen oder Deutschen sind.