Nach jedem Terroranschlag – kaum ist die Zeit der Trauer und Betroffenheit vorbei, und diese Frist wird immer kürzer – verlangt die Öffentlichkeit nach einem Schuldigen. Gemeint ist nicht der eigentliche Täter, der ist in der Regel tot. Gemeint ist das System, das dessen Abscheulichkeiten hätte verhindern müssen. Dabei wissen wir im Grunde alle: In vielen Fällen war es nicht zu verhindern. Staatliches Handeln hat Grenzen, Selbstmordattentäter haben sie nicht. Diesem tödlichen Vorteil haben wir wenig entgegenzusetzen.
Doch im Fall des mutmasslichen Terror-Fahrers von Berlin, und es ist nicht der erste, ist die Kritik angebracht. Das Versagen der Behörden ist, länderübergreifend, eklatant und erschreckend. Die mieseste Rolle spielt Tunesien, das seine Kriminellen als Wirtschaftsflüchtlinge nach Europa exportiert oder zumindest nicht zurücknimmt. Doch auch Italien und Deutschland, und damit der Schengen-Raum, haben versagt. Vielleicht auch die Schweiz, das ist noch unklar. Die kriminellen, gewaltbereiten Umtriebe des Islamisten Anis Amri waren bekannt. Dennoch kam er immer wieder davon.
Die Politiker haben den Menschen im Schengen-Raum Bewegungsfreiheit und Sicherheit versprochen. Restlose Sicherheit hat niemand erwarten dürfen, die gab es auch in Zeiten enger nationaler Grenzkontrollen nicht. Aber was jetzt ans Tageslicht kommt – das hat niemand erwarten müssen. Solches Versagen erschüttert den Glauben in das Funktionieren der Behörden. Mehr Zusammenarbeit der Staaten muss mehr Sicherheit bedeuten, nicht weniger.