Im Bundeshaus rumort es. Unter den 300 Angestellten, die den Parlamentsbetrieb am Laufen halten, ist die Stimmung mies wie nie. Misstrauen und Frustration bestimmen den Arbeitsalltag links und rechts der Wandelhalle. Sogar von einem «Klima der Angst» ist die Rede (BLICK berichtete).
Schuld daran sei der Generalsekretär der Parlamentsdienste, Philippe Schwab (54). Teamgeist und Respekt seien für ihn Fremdwörter, stattdessen führe sich der Romand «autoritär wie ein Feldweibel» auf, klagen seine Untergebenen.
Schwab, der die Parlamentsverwaltung seit knapp fünf Jahren leitet, zeigte sich gegenüber BLICK uneinsichtig: «Notwendige Umstrukturierungen in einem schwierigen Haushaltskontext» würden bei den Mitarbeitenden zu Unsicherheit führen.
Schlechte Noten für den «Feldweibel»
Doch Recherchen zeigen, dass das Problem nicht in Umstrukturierungen und knappen Kassen liegt, sondern beim Feldweibel selbst. Und dass die Parlamentsmitarbeiter nicht unsicher sind, sondern wütend. In der neuen Personalbefragung, die BLICK vorliegt, erhält Schwab nämlich richtig schlechte Noten.
So hat die Arbeitszufriedenheit seit der letzten Befragung im Jahr 2014 um ganze sechs Prozent abgenommen. Im Rest der Bundesverwaltung ist sie hingegen gestiegen. Doch im Parlament sind nur noch 67 Prozent mit ihrem Job zufrieden.
Das Vertrauen ist weg
Und das liegt vor allem an der obersten Leitung: Mit Schwab und seiner siebenköpfigen Geschäftsleitung ist nur noch jeder zweite Angestellte einverstanden – ganze zehn Prozent weniger als vor drei Jahren.
Verheerend auch der Vertrauensverlust: Nur noch 51 Prozent der Parlamentsmitarbeiter vertrauen dem Romand – ein Minus von neun Prozent gegenüber 2014. Und nur 53 Prozent sind der Überzeugung, dass Entscheide unter Schwabs Ägide auf der Basis von Fakten und sachlichen Argumenten getroffen werden. Auch hier ein Minus von sieben Prozent.
Auch Mobbing hat zugenommen
Eine Entwicklung, die ebenso aufschrecken müsste: Die Zahl derer, die sich gemobbt fühlen, hat sich von sechs auf zehn Prozent fast verdoppelt. Die schlechte Stimmung hat Auswirkungen: Die Zahl derer, die sich den Absprung überlegen und einen neuen Job suchen, ist um fünf Prozent gestiegen.
Die miesen Bewertungen haben Schwab und seine Geschäftsleitung aufgeschreckt. Aufgrund der schlechten Ergebnisse möchte die Geschäftsleitung die Personalbefragung einer vertieften Analyse unterziehen. Und das Gespräch mit der Personalkommission und den Mitarbeitenden suchen. Doch diese sind skeptisch, dass das noch etwas nützt, wie sie gegenüber BLICK sagen. «Das Vertrauen ist weg. An offene und konstruktive Gespräche können wir da nicht mehr glauben.»