Mit seinen lustigen Videos begeisterte Bendrit Bajra (24) seine Fans auf Instagram und Facebook. In seinen Clips thematisierte der schweizerisch-kosovarische Doppelbürger den Unterschied zwischen «Usslendern» und «Schwiizern» – und machte sich darüber lustig. Zu Spitzenzeiten hatte er Hundertausende von Followern auf den sozialen Netzwerken.
In den vergangenen Jahren wurde es ruhig um Bajra. «Das Leben als Influencer wurde mir zu viel», sagt er zu BLICK. Bajra stellte sich die Frage: «Wo soll ich hin, was soll ich machen? Will ich die nächsten fünf Jahre der lustige Onkel im Internet sein?» Und zog erst einmal einen Schlussstrich unter seine Online-Karriere. Durch Zufall entstand seine neue Geschäftsidee, in die er seit mehr als einem Jahr seine Energie und Leidenschaft steckt. Nachdem er und ein Kollege nach einer Partynacht von Samstag auf Sonntag feststellten, dass man im Internet kein Zmorge nach Hause bestellen konnte, gründeten sie ihre Firma MrBrunch.
Der ehemalige Komiker kommt ins Schwärmen, wenn er davon erzählt. «Wir liefern Frühstücksboxen mit Schweizer Produkten direkt vor die Haustür.» In der Box befindet sich zum Beispiel ein frisches Baguette, Gipfeli, Orangensaft und Fruchtsalat. Knapp 70 Schweizer Franken kostet die Kiste. Zu teuer? Bajra zuckt die Schultern. «Die meisten Leute haben keine Lust, sich die Sachen am Morgen im Supermarkt zusammenzukaufen.»
Bendrit bietet 200 Brunch-Boxen pro Woche an
Seit rund zwei Monaten liefern Bajra und sein Team in Zürich jeden Sonntag MrBrunch-Boxen aus. «In der ersten Woche waren wir fast ausverkauft. Und Ostern war verrückt», erzählt er stolz. 150 Boxen wurden bereits in der ersten Woche bestellt. «Wir mussten erst einmal reduzieren. Aber jetzt haben wir aufgestockt und bieten 200 Boxen pro Woche an.»
Die Firma soll gesund wachsen. Das erste Feedback sei sehr gut gewesen. Die einzige Kritik: «Ich habe nach den ersten Lieferungen bestimmt zwanzig Mails bekommen, dass die Portionen zu gross sind», sagt Bajra lachend. Er sei einfach von seinem eigenen Zmorge-Bedarf ausgegangen. Weitere Frühstücksboxen sind in Planung. «Single-Boxen, veganes Frühstück, personalisierte Boxen, eine Katerbox – ich habe unendlich viele Ideen.»
Vom Autonarr zum Velo-Fan
Bajra packt die Kisten in seinem Standort in Zürich-Albisrieden selbst. Zum Ausliefern hat sein Team fünf Velos und zwei Elektro-Autos zur Verfügung. Mit einer eigenen App wird die effizienteste Route für den Brunch-Kurier direkt bei der Bestellung ermittelt.
Noch vergangenes Jahr prahlte der Autofan damit, als er sich in Deutschland einen Mercedes kaufte – und diesen bar bezahlte. Nun hat Bajra seine Leidenschaft fürs Zweirad entdeckt. «Ich fahre jetzt mit dem Velo durch die Stadt. Das ist geil, ich liebe es. Man sieht viel mehr von der Natur und nicht nur die Autobahn.» Man könne überall anhalten und ein Schwätzchen mit den Leuten halten. «Velofahren macht sympathischer.» Und noch ein positiver Nebeneffekt hat der Lebenswandel für den ehemaligen Social-Media-Star. «Ich habe schon ein paar Kilo abgenommen und bin insgesamt fitter.»
«Es wird den alten Bendrit nicht mehr geben»
Jeden Sonntagmorgen aufstehen und bei Wind und Wetter für MrBrunch arbeiten, sei kein Problem für ihn. «Ich freue mich jedes Wochenende drauf. Dann weiss ich, es ist Action.» Zu seiner Influencer-Zeit habe er auch fast rund um die Uhr gearbeitet und täglich Videos gepostet. Seine Karriere helfe ihm dabei, seinen Frühstücksservice bekannter zu machen. «Aber am Ende muss das Produkt stimmen.» Bajra sagt, dass er wieder spontan angefangen habe, Videos zu machen. «Ich hatte extrem Bock drauf. Aber es wird den alten Bendrit nicht mehr geben. Man muss sich weiterentwickeln. Und poste ich auch nur noch, wann und wie ich Lust habe.»