Ilona Hugs Augen füllen sich auch zehn Jahre nach Andys Tod noch mit Tränen, wenn sie von ihm spricht: «Ich bin mit Seya letzte Woche in Japan gewesen. Wir haben Andys Grab in Kyoto besucht, das war sehr berührend.» Einmal im Jahr fliegt die Witwe mit ihrem Sohn Seya (15) nach Japan. Dorthin, wo Andy Hug 1996 K1-Weltmeister wurde und bis heute als Kampfsport-Ikone vergöttert wird.
Wie geht es Ihnen heute, Frau Hug?
Mittlerweile eigentlich sehr gut. Obwohl ich noch immer täglich an Andy denke. Auch wegen unseres gemeinsamen Sohns. Seya wird seinem Papi mit jedem Tag ähnlicher. Sein Charakter und sein Körperbau – ganz der Andy! Besonders seine Füsse sehen genau gleich aus wie Andys. Manchmal spüre ich sogar körperlich, dass mein verstorbener Mann bei uns ist. Andy ist bis heute unser Schutzengel.
Wie begehen Sie den Todestag?
Früher ging ich mit Seya immer in die Kirche. Aber dieses Jahr schaffen wir es nicht, weil Seya in die Schule muss. Wir werden am Abend aber zu zweit schön essen gehen und über Andy sprechen. Andy würde nicht wollen, dass wir an seinem Todestag traurig sind. Deswegen werden wir nicht trauern, sondern über unsere vielen schönen Erlebnisse sprechen. Das Leben muss ja weitergehen.
Wie sehr schmerzt der Verlust noch heute?
Er schmerzt sehr. Doch ich will nicht, dass Seya traurig ist. Deswegen versuche ich positiv zu sein. Ich achte darauf, dass er nicht ständig an seinen Papa erinnert wird. Jedes Mal, wenn Seya einen Dokumentarfilm über Andy am Fernsehen sieht, zieht es ihn herunter.
Andy Hug starb am 24. August 2000 an akuter Leukämie. Die Trauer war riesig. Der Abdankung wohnten mehr als 10000 Fans bei. «Die Wochen nach seinem Tod waren die schlimmsten meines Lebens. Ich fühlte mich wie ein Zombie, habe funktioniert, ohne klar denken zu können», erinnert sich Ilona Hug. Sein Leichnam wurde in Japan kremiert: «Ich habe ihn zuvor gewaschen, dann angezogen. Es war bewegend: Andys Körper wurde in den Ofen geschoben. Als er wieder herauskam, fiel mir die Aufgabe zu, die nicht verbrannten Knochen in die Urne zu legen. Es mag skurril klingen, doch die Zeremonie war sehr würdevoll.»
Was sind die schönsten Erinnerungen an Ihren Mann?
Als ich Andy und Seya, damals noch ein Kind, einmal hier im Swimming Pool beobachtete. Sie haben gelacht, strahlten mich an. Ein vollkommener Moment des Glücks! So etwas erlebt man nur sehr selten.
Ilona Hugs Stimme stockt. Ihr Blick wandert – sie schaut hinaus zum Swimmingpool.
Wie schwierig ist es, nach all den Jahren über Andy zu sprechen?
Wenn mich die Erinnerungen überkommen, stimmt es mich sehr traurig. Dennoch habe ich mir inzwischen eine dicke Haut zugelegt.
Was würde Andy heute machen, wenn er noch am Leben wäre?
Ich glaube, er wäre ein erfolgreicher Schauspieler. Und unsere Familie würde zwischen den USA und der Schweiz pendeln. Ein schöner Gedanke.
Seit neun Jahren hat Ilona Hug mit Maurizio Jacobacci (47) einen neuen Partner, er ist Trainer des FC Kriens. Wie geht er mit Andys Schatten um? «Maurizio hat mich so kennengelernt. Dennoch ist es nicht immer einfach für ihn», sagt sie. Maurizio lebt mit ihr im Haus, das Andy mit Ilona baute.
Sohn Seya sagt mit fester Stimme: «Ich möchte nicht, dass unser Haus jemals verkauft wird.»