Auf einen Blick
- Netflix plant animierte Serie basierend auf Stephenie Meyers «Twilight»-Roman «Midnight Sun»
- Kritik an problematischen Beziehungsdarstellungen in beliebten Liebesgeschichten wie «Twilight»
- Disney-Klassiker wie «Schneewittchen» zeigen 14-jährige Protagonistin mit 18-jährigem Prinzen
«Und so verliebte sich der Löwe in das Lamm.» Dieses Zitat aus der «Twilight»-Saga von Stephenie Meyer (51) dürfte vielen bekannt sein. Insbesondere jenen, die zu Beginn der 2010er-Jahre Teenager waren. Schliesslich handelt es sich bei der Liebesgeschichte zwischen dem Menschenmädchen Bella Swan (Kristen Stewart) und dem Vampir Edward Cullen (Robert Pattinson) um ein globales Phänomen der Popkultur.
Netflix arbeitet zurzeit an einer animierten Serie, die die Romanze der beiden neu erzählen soll. Die Serie basiert auf dem im Jahr 2020 veröffentlichten Roman «Midnight Sun» («Biss zur Mitternachtssonne»). Darin wird die Geschichte des ersten Bands «Twilight» («Biss zum Morgengrauen») aus der Sicht von Edward erzählt.
Beziehung ist geprägt von Co-Abhängigkeit
Die Liebesbeziehung zwischen Bella und Edward ist allerdings nicht gut gealtert. Während Bella oft als «damsel in distress» dargestellt wird, also als «Fräulein in Nöten», ist Edward ihr kontrollierender und, aufgrund seiner Vampirnatur, um einige Jahrzehnte älterer Partner.
Edwards kontrollierende Seite kommt beispielsweise zum Vorschein, als er Bellas Truck ausser Kraft setzt, nur damit sie ihren besten Freund Jacob Black (Taylor Lautner) nicht besuchen kann. Auch die Co-Abhängigkeit zwischen den beiden Charakteren wirkt besorgniserregend. Bella ist bereit, ihre Freunde und Familie hinter sich zu lassen, nur um zusammen mit Edward ein ewiges Vampirleben führen zu können. Im zweiten Teil der Saga will Edward sich beispielsweise auch umbringen, als er denkt, dass Bella tot ist.
«Twilight» ist allerdings nicht die einzige Liebesgeschichte, die etwas in die Jahre gekommen ist. Blick hat einige der Filme zusammengetragen, die sich dem Test der Zeit stellen müssen.
«Schneewittchen und die sieben Zwerge» und «Dornröschen»
Diese beiden Disney-Klassiker haben eine grosse Gemeinsamkeit: Die Prinzessin wird von ihrem Prinzen wachgeküsst. Es wird vom «Kuss der wahren Liebe» gesprochen.
In einem Zeitalter, in dem gegenseitiges Einverständnis – vor allem bei Intimität – eine wichtige Rolle spielt, hinterlassen diese Szenen bei manchen allerdings einen bitteren Nachgeschmack. Schliesslich konnten weder Schneewittchen noch Aurora, also Dornröschen, dem Kuss zustimmen.
Was die Situation auch nicht besser macht: Schneewittchen ist im Originalfilm aus dem Jahr 1937 14 Jahre alt. Der Prinz ist laut «Screen Rant» 18.
«Die Schöne und das Biest»
Der Film aus dem Jahr 1991 ist wohl der Vorläufer des «von Feinden zu Liebenden»-Trends, wie er heutzutage in so manchen Büchern und Filmen zu finden ist. Beispiele dafür sind der Buchhit «Fourth Wing» und der Film «Wo die Lüge hinfällt» mit Sydney Sweeney (27) und Glen Powell (36).
«Die Schöne und das Biest» vermittelt gemäss «Screen Rant» die Botschaft, problematische Männer könnten von Frauen «geheilt» oder «gebessert» werden. Die Liebe sei der Schlüssel und könne alles überkommen. Dabei behandelt das Biest Belle insbesondere zu Beginn des Filmes nicht mit dem Respekt, der ihr gebührt. Nur um einige seiner «Fehltritte» zu nennen: Er entführt ihren Vater, schliesst Belle in einer Zelle ein und wird sauer, als sie nicht zum Essen erscheint. Währenddessen wird Belle gut zugeredet, sie solle ihm eine Chance geben. Das Biest sei schliesslich nicht so schlimm, wenn man ihn einmal richtig kennenlernt.
Mit der Zeit entwickelt das Biest Gefühle für Belle und möchte für sie zu einem besseren Menschen – oder Biest – werden. Belle wiederum, die bis zu diesem Zeitpunkt nach wie vor offiziell die Gefangene des Biests ist, bemerkt die Veränderung im Charakter des Biests. Als er sie frei lässt, damit sie ihrem Vater helfen kann, kehrt sie am Ende zum Biest zurück, verzeiht ihm seine vorherigen Fehler, rettet ihn und am Ende gibt es ein für Disney-Filme typisches Happy End.
Allerdings hätte die Geschichte auch anders ausgehen können. Von einer solchen Alternative singt «Lydia the Bard» auf ihrem YouTube-Kanal. «Belle's villain song» heisst das abgeänderte Cover von «Tale as Old as Time». In dem Song verliebt sich Belle nicht in das Biest, sondern schmiedet ihren Racheplan gegen alle, die sie und auch ihren Vater misshandelt haben.
«Arielle, die Meerjungfrau»
Die junge Meerjungfrau Arielle gibt ihr altes Leben auf, nur um bei einem Menschen-Mann zu sein, den sie nicht einmal wirklich kennt. Für diesen Traum – und den Traum, selbst ein Mensch zu sein – gibt sie sogar ihre eigene Stimme auf. In Betracht dessen sendet der Film aus dem Jahr 1989 eine problematische Botschaft an ein junges Publikum.
Disney scheint das allerdings selbst realisiert zu haben, denn im Live-Action-Remake aus dem Jahr 2023 wurde die Geschichte etwas abgeändert. Prinz Eric ist nicht mehr der alleinige Auslöser hinter Arielles Entscheid, der Unterwasserwelt den Rücken zuzukehren. In einem Interview mit «The Face» sagte Arielle-Darstellerin Halle Bailey (24): «Es geht mehr darum, dass Ariel durch diese Welt, von der sie besessen ist, die Freiheit für sich selbst findet.»
Die nächste Live-Action-Verfilmung von Disney steckt bereits in den Startlöchern. Am 20. März startet «Schneewittchen» mit den Schauspielerinnen Rachel Zegler (21) und Gal Gadot (39) in den Deutschschweizer Kinos. Für den Film hagelt es aber schon seit einer Weile Kritik.