Der grünliberale Nationalrat Jürg Grossen reicht kommende Woche eine Interpellation ein, um die Wiedereinführung von Schweizer Nachtzügen zu prüfen. Also jene, welche die SBB 2009 abgeschafft haben. Für die SBB gibt es kein Zurück. Auf Anfrage sagt Mediensprecher Christian Ginsig: «Das Angebot für Nachtzugverbindungen wird durch die Nachtzüge der Österreichischen Bundesbahnen abgedeckt.»
Der Nachtzugverkehr sei für die SBB ein Nischengeschäft gewesen. Zudem seien die Züge, teilweise aus den Sechzigern, am Ende ihrer Lebensdauer angekommen. Die Anschaffung neuer Fahrzeuge sei zu teuer.
Die ÖBB machte ihre Nachtflotte flott
Besser läuft es bei den Nachbarn. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) betreiben ihre Nachtzugsparte kostendeckend. «Der Nachtzugverkehr rentiert erst ab einer gewissen Grösse», erklärt Mediensprecher Bernhard Rieder. Seit die Deutsche Bahn 2016 ihre Flotte der ÖBB verkaufte, sind sie europaweit zum Marktführer im internationalen Nachtzugverkehr avanciert.
Der Nachtzugverkehr nimmt bei den ÖBB immer mehr Fahrt auf. Von den 36 Millionen Fahrgästen im Fernverkehr nutzen heute rund 1,4 Millionen den sogenannten Nightjet. «Tendenz steigend», sagt Rieder. Im August 2018 bestellte man dreizehn neue Nachtzüge, die 2021 ins Netz integriert werden sollen. Gut möglich, dass sie dann auch die Nachtzugverbindungen in der Schweiz weiter ausbauen.
Derzeit können Reisende aus der Schweiz in acht europäische Städte in Deutschland, Österreich, Kroatien und Prag fahren. Die beliebtesten Strecken sind Zürich–Wien und Zürich–Hamburg, bereits ab 29 Euro.