In diesen Tagen erlebt Facebook den grössten Datenskandal seiner Geschichte. Doch in der Defensive ist der Tech-Gigant bereits. Am 25. Mai tritt in allen EU-Ländern eine sogenannte Datenschutz-Grundverordnung in Kraft. Für die Europäische Union muss Facebook darum seine Richtlinien im Umgang mit Userdaten ändern.
Auf Anfrage von SonntagsBlick bestätigt das US-Unternehmen nun erstmals: Die neuen Einstellungen, die Facebook auf Druck der EU einführt, gelten auch für die Schweiz. Zitieren lassen will sich der verschwiegene Netzriese nicht. Die für den deutschsprachigen Raum zuständige Medienstelle in Hamburg (D) lässt aber durchblicken: Die Neuerungen kommen bald.
Mehr Schutz persönlicher Daten, mehr Transparenz
Das EU-Gesetz verlangt den besseren Schutz von persönlichen Daten und mehr Transparenz. Unternehmen werden verpflichtet, jederzeit die über eine Person gesammelten Daten herauszurücken, wenn sie dies verlangt. Vor allem verschärfte Brüssel die Strafen für Datenmissbrauch durch Unternehmen massiv. Neu sind Bussgelder von bis zu vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes möglich. Im Falle von Facebook, das im letzten Jahr über 40 Milliarden Dollar Umsatz erzielt hat, wäre das sehr schmerzhaft.
Martin Widmer (43), Partner bei der Zürcher Kommunikationsagentur Equipe, erklärt die praktische Bedeutung dieser Regeln: «Das neue EU-Gesetz verlangt, dass Werbung nur ausgespielt werden kann, wenn dies der Nutzer aktiv erlaubt. Das ist sehr restriktiv.»
Widmer ist Facebook-Experte der ersten Stunde. Seine Agentur war vor achteinhalb Jahren die erste im deutschsprachigen Raum, die auf Facebook-Kampagnen setzte. Widmer befürchtet, dass es für Werber wie ihn schwieriger wird, die Menschen zu erreichen.
Personifizierte Werbekampagnen
Grundsätzlich ist Facebook für Werbetreibende ein Paradies. Auf dem sozialen Netzwerk geben Leute alles Mögliche preis: Alter, Geschlecht, Wohnort, Beruf, oft auch Musikgeschmack oder politische Ausrichtung. Das erlaubt es, Werbekampagnen auf spezielle Gruppen genau zuzuschneiden.
Nach heftiger Kritik rund um die Wahl von US-Präsident Donald Trump (71) Ende 2016 hatte Facebook bereits im Herbst angekündigt, die Transparenz von politischen Werbe-Postings zu erhöhen. So soll jederzeit ersichtlich sein, wer hinter einer politischen Botschaft steht, die auf Facebook geschaltet wird. Dies wird derzeit in Kanada getestet. Wann Europa an der Reihe ist, ist nicht bekannt.