Erste Firmen nehmen im Iran keine Aufträge mehr an und lösen ihre Büros dort auf
Schweizer kuschen vor Trump

Der Drohfinger der USA zeigt bereits Wirkung. Erste Unternehmen nehmen im Iran keine Aufträge mehr an und lösen Büros auf. Letzte Hoffnung sind Schutzmassnahmen der EU. Die Schweiz könnte sich diesen anschliessen.
Publiziert: 20.05.2018 um 12:26 Uhr
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Aktualisiert: 14.09.2018 um 19:08 Uhr
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Die Ostschweizer Bühler-Gruppe ist seit 40 Jahren im Iran aktiv und beschäftigt dort 100 Mitarbeitende.
Foto: ZVG
Thomas Schlittler

Sharif Nezam-Mafi (48) klingt enttäuscht, fast wütend. Als Präsident der Iran-Switzerland Chamber of Commerce (ISCC) hat er sich jahrelang für die Inte-ressen der Schweizer Unternehmen im Iran eingesetzt. Mühsam versuchte er, die Wirtschaftsbeziehungen der beiden Länder zu stärken – und nun sieht es so aus, als sei all das umsonst gewesen.

Nach der Reaktivierung der Wirtschaftssanktionen durch US-Präsident Donald Trump seien die Schweizer Firmen im Iran verunsicherter denn je, sagt Nezam-Mafi: «Die neuen Sanktionen sind deutlich gefährlicher als alle anderen zuvor. Denn die Regierung Trump handelt ideologisch motiviert und wird Firmen, die mit dem Iran Geschäfte machen, konsequent und knallhart bestrafen – egal, wo sie ihren Sitz haben.»

Der amerikanische Drohfinger zeigt bereits Wirkung. Auch bei Schweizer Unternehmen. Vergangenen Samstag fand in der iranischen Hauptstadt Teheran ein Treffen der Handelskammer ISCC statt. Nezam-Mafi: «Dabei haben mehrere Schweizer Firmenvertreter gesagt, dass sie im Iran per sofort keine Aufträge mehr entgegennehmen. Einige haben sogar bereits Massnahmen eingeleitet, um ihre Büros im Iran zu schliessen.»

Bei den anwesenden Firmen handelt es sich um bekannte Grössen der Schweizer Wirtschaft wie ABB, Bühler, Novartis, Roche, Stadler Rail, Swisslog sowie die Genfer Grosskonzerne SGS (Warenprüfung) und MSC (Reederei). Welche Firma welche Massnahmen angekündigt hat, behält Nezam-Mafi für sich.

Bühler will «nicht ins Detail gehen»

Bekannt ist einzig, dass die Reederei MSC keine neuen Aufträge mehr annimmt. Das hat das Unternehmen diese Woche in einer Nachricht an seine Kunden mitgeteilt. Die anderen Firmen wollen sich nicht in die Karten schauen lassen. Der Ostschweizer Technologiekonzern Bühler etwa, der im Iran seit über 40 Jahren mit einem Produktionsstandort aktiv ist und dort 100 Mitarbeitende beschäftigt, schreibt auf Anfrage von SonntagsBlick: «Wir möchten bezüglich Iran nicht ins Detail gehen.»

Gelassen reagieren die grossen Schweizer Lebensmittel- und Pharmamultis. Nestlé sieht zurzeit keine Auswirkungen aufs Geschäft, obwohl man im Iran mehr als 800 Menschen beschäftigt.

Nestlés Ruhe kommt nicht von ungefähr: Lieferungen von Nahrungsmitteln, Agrarrohstoffen, Medikamenten und medizinischen Geräten an den Iran sind befreit von den US-Sanktionen, wie die US-Botschaft in Bern auf Anfrage bestätigt. Auf weitere Fragen zu den Sanktionen gehen die US-Vertreter nicht ein.

Was macht die Schweiz?

Unklar ist auch, ob die Schweiz das geplante Abwehrgesetz der EU gegen die US-Sanktionen, das sogenannten Blocking Statute, übernehmen wird. Gemäss einem Sprecher der EU-Kommission wäre das möglich: «Die Schweiz könnte sich durch ein unilaterales Gesetz dem Blocking Statute anschliessen. Dies ist aber der Schweiz überlassen.»

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) und das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) wollen sich dazu nicht äussern. «Wir können über allfällige künftige Massnahmen nicht spekulieren», schreibt das Seco. Man stehe aber sowohl mit der EU-Kommission als auch mit den zuständigen US-Behörden in Kontakt.

Für Nezam-Mafi ist klar, dass etwas geschehen muss: «Nur mit griffigen, energischen Gegenmassnahmen können die Schweiz und die EU verhindern, dass die Firmen den Iran verlassen.» Unternehmen müssten die absolute Rechtssicherheit haben, dass ihnen Geschäfte mit dem Iran nicht schaden. Kann das gelingen? Nezam-Mafi mag es nicht so recht glauben.

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