Die Tat der 23-jährigen Serbin Jelica S.* schockierte nicht nur die Schweiz. Auch serbische Medien berichteten über die «Monster-Mutter», die ihre beiden Babys kurz nach der Geburt tötete. Eines vorsätzlich, das andere «durch Unterlassung». Nun muss sie mindestens ein Jahr lang in den Knast dafür.
Nun hat die serbische Zeitung «Blic», die wie der BLICK zum Ringier-Verlag gehört, den Grossvater von Jelica S. ausfindig gemacht. Er erzählt der Reporterin, dass die Baby-Killerin ihr Schattenleben auch vor der eigenen Familie geheim hielt.
Niemand wusste, wer der Vater ist
«Wir wussten nicht einmal, dass sie schwanger ist. Sie hat das von Anfang an geheim gehalten», klagt ihr Grossvater Radenko. So habe sie auch nicht verraten, wer der Vater der Kinder war.
«Ich fuhr sofort in die Schweiz, sehen konnte ich sie aber nicht, weil sie im Gefängnis war. Sie schrieb uns stattdessen Briefe. Wir weinten jedes mal, als wir ihre Briefe lasen», erzählt Radenko unter Tränen. Er solle sich keine Sorgen machen, habe Jelica S. gesagt.
«Wir sind eine normale Familie»
Radenko, der selbst jahrelang in der Schweiz lebte, zeigte sich auch überrascht darüber, dass das Verbrechen mit dem Familien-Bauernhof in Serbien in Verbindung gebracht wird. Der Staatsanwalt hatte dazu in seinem Plädoyer gesagt: «Dort hat sie gelernt, wie man mit ungewollten Geburten umgeht.» Er schüttelt dazu den Kopf und sagt: «Wir sind eine normale Familie, so etwas gab es bei uns nicht.»
Das gleiche Bild hatten Nachbarn und die Dorfbewohner: «Wir können nur Gutes über sie berichten», sagt ein Bekannter. Er habe die Familie immer als «rechtschaffene Bürger» wahrgenommen. Die Tat überraschte ihn sehr: «Sie hatte alles im Leben, was sie braucht.»
Mär vom guten Elternhaus?
Das Elternhaus von Jelica S. war aber offenbar aber alles andere als «normal». Laut ihrem Verteidiger hatte Jelica sich wegen körperlicher Züchtigung durch ihren Vater bereits früher an die Kesb gewandt. Und im Elternhaus hätten männliche Begleiter keinen Zutritt gehabt. Mehr noch: Als sie nach der zweiten Geburt blutend in ihrem Zimmer lag, habe ihre Mutter ihr bloss befohlen, das Blut aufzuwischen – bevor sie bewusstlos zusammenbrach.
Doch warum Jelica S.* im Keller ihr Baby gegen die Wand schlug und den toten Körper in einen rosa Teddybären steckte, konnte sie nicht erklären. Auf die Frage vor Gericht, was für Gefühle sie gehabt habe, antwortete sie weinend: «Ich weiss es nicht.»
* Name geändert