Letzten Samstag hält gegen 18 Uhr auf der A3 Richtung Zürich kurz vor der Ausfahrt Wädenswil ZH ein BMW auf dem Pannenstreifen. Aber nicht wegen eines Plattens. Der Grund: Geilheit!
Während auf der viel befahrenen Autobahn alle paar Sekunden Autos und Lastwagen vorbeirasen, lässt ein Mann seine Hose runter, greift sich in den Schritt. Beobachtet, wie zwei halb nackte Frauen sich gegenseitig anfassen und küssen. Jemand filmt die Porno-Panne zufällig beim Vorbeifahren. Nun macht es auf Whatsapp die Runde.
«Wie Reality-TV»
«Bei solchen Aufnahmen geht es um den Kick. Der Inhalt ist gar nicht so wichtig, Hauptsache, man fängt das Happening ein. Es ist wie Reality-TV», sagt der Winterthurer Ex-Pornoproduzent Lars Rutschmann alias Michael Ryan zu BLICK.
Rutschmann hat auch schon diverse Pornos in der Öffentlichkeit gedreht, zum Beispiel in der 1. Klasse der SBB-Züge. «Wir haben extra Strecken ausgewählt, auf denen nicht so viele Leute unterwegs waren. Die Waggons der ersten Klasse waren in der Regel relativ leer. Und wenn jemand da sass, dann in einem anderen Abteil, sodass wir nicht gesehen wurden.» Ansonsten müsse man die Leute oder die Nummernschilder pixeln, und das könne aufwendig sein.
«In welchen Positionen wir Sex haben, schauen wir vor Ort»
Eine Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses habe er zwar noch nie kassiert, dennoch betont er, dass man schnell wegrennen können muss. Auch deshalb empfiehlt es sich, eine kleine Kamera mitzunehmen und selber aus der Ego-Perspektive zu filmen.
Denn je mehr Leute bei einer solchen Produktion involviert sind, umso auffälliger wirkt es und umso wahrscheinlicher ist es dann, dass jemand auf den Dreh aufmerksam wird und ihn der Polizei meldet.
Spontanität und Flexibilität sind das A und O bei Pornodrehs in der Öffentlichkeit. «Das Einzige, was wir im Voraus grob besprechen, ist, wo wir filmen wollen. In welchen Posen der Sex dann stattfindet, schauen wir vor Ort.» Das ist allerdings nicht jedermanns Sache. Unerfahrene Darsteller hätten teils Angst, erwischt zu werden, und fühlen sich ständig beobachtet.
«Am besten dreht man mit Partnern, mit denen man schon mal vor der Kamera stand.»
Junge Männer sind die Zielgruppe
Manchmal habe man nur zwei Minuten Zeit für eine Aufnahme. Damit im entscheidenden Moment auch alles stramm steht, widmen sich die Protagonisten davor einem Vorspiel. «Man muss den Akt extrem schnell spielen. Ich kann mir vorstellen, dass bevor die drei im Video aus dem Auto stiegen, sie auf dem Rücksitz schon rumgefummelt haben.»
Peter Preissle, der bis vor kurzem Sex-Filme drehte und Direktor des Pornofilmverleihs Mascotte Film war, ist im Gegensatz zu Rutschmann kein Fan von solchen Filmchen. «Das ist doch wie Jackass, immer riskanter und verrückter. Das hat nichts mehr mit Porno zu tun, wie ich es kannte. Da wird schnell und billig ein Porno gedreht, ohne Drehgenehmigung und professionelles Equipment und dann gratis ins Netz gestellt. Nur für ein wenig Aufmerksamkeit.»
Bei jungen Männern würden laut Rutschmann aber genau solche Formate gut ankommen. «Diese Zielgruppe mag lieber spontan gedrehte Handyvideos als aufwendig produzierte Filme. So wird eher der Kick vom Moment eingefangen, und das löst dann den Reiz aus. Die 40-plus-Zielgruppe steht eher auf den teuren Hochglanz.»