Neue Droge im Umlauf
Azteken-Salbei macht alle high

Eine neue exotische Droge ist im Umlauf. Und bei uns ist sie sogar legal!
Publiziert: 12.09.2008 um 00:00 Uhr
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Aktualisiert: 06.09.2018 um 19:19 Uhr
Von Karin Baltisberger

Sie lachen, kriechen auf allen vieren und geben Laute von sich wie Tiere. Die Jugendlichen in den zahlreichen Videos im Internet (Beispiel siehe unten) haben gerade Salvia divinorum (Azteken-Salbei) geraucht oder gekaut. Eine Droge, die ursprünglich aus Mexiko kommt und nun in den USA Hochkonjunktur feiert.

Die Kids dröhnen sich mit dem Stoff zu und filmen sich dabei. Einige knallen gegen die Wand, andere legen sich kichernd auf den Boden.

Das mexikanische Kraut wirkt halluzinogen. «Man hat beispielsweise Wahrnehmungsstörungen, fühlt sich, als würde man sich selber von aussen beobachten», erklärt Andreas Stürer, Oberarzt am Schweizerischen Toxikologischen Informationszentrum in Zürich.

Die Einnahme dieser Droge kann schlimme Folgen haben. «Man verliert die Kontrolle über sich. Das kann zu Verletzungen führen», sagt Stürer.

Zum Beispiel erscheinen Dinge in der Wahrnehmung des Drogenkonsumenten plötzlich viel grösser oder völlig entstellt. Auch Spätfolgen wie Flashbacks treten auf.

In vielen Ländern ist Salvia divinorum deshalb verboten. Bei uns nicht. Konsum, Besitz, Anbau und Handel sind erlaubt.

Zehn Personen haben bisher wegen dieser Droge beim Tox-Zentrum nachgefragt. «Einer hatte Halluzinationen, ein anderer Tage danach Wahrnehmungsstörungen», sagt Oberarzt Stürer.

Offenbar gibt es in der Schweiz erst wenige Konsumenten von Salvia divinorum. Dies könnte sich bald ändern: Denn kaufen kann man die Droge übers Internet.

Auf www.salvia-flash.ch können Setzlinge der Pflanze oder getrocknete Extrakte davon bezogen werden.

Der Verkäufer hat auch schon Stammkunden. Im Forum beschreiben sie die Trips. «Smokeinmcpot»: «Die Töne vom Wald und der Umgebung wandelten sich so um, dass ich sie spürte. Ich glaubte, in eine andere Dimension zu sehen.»

«The Edge» erlebte seinen Trip so: «Ich nahm meine Kollegen zwar wahr, aber ich kannte sie nicht mehr. Sie waren Fremde. Ich mochte ihre Gesellschaft nicht. Meine Umgebung veränderte sich. So lag ich nicht mehr am Boden, sondern auf einer farbigen Plattform.»

Bald steht wohl auch das erste Schweizer Salvia-divinorum-Video auf YouTube.

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