Die hochschwangere Karoleyne M.* (25) wollte eigentlich nur kurz mit ihrem Freund in die Migros in Suhr AG einkaufen gehen. Die Bilanz des Shopping-Trips: Drei Verhaftete, zwei ausgeschlagene Zähne, eine gebrochene Nase. Und ein paar Ladungen Pfefferspray im Gesicht der werdenden Mutter! Ein Video der Schlägerei zweier Paare kursierte im Internet (BLICK berichtete).
Ein BLICK-Leser filmte die Szenen am Donnerstag vor dem Eingang zum Suhre Park. Ein Schweizer (67) brüllt die Schwangere an: «Abstand, gopfertammi! Das Bundesamt hat das befohlen!» Seine Partnerin (36) hält einen Pfefferspray in der Hand. Als nun der Freund der Schwangeren noch dazukommt, eskaliert die Situation vollends. Fäuste fliegen, die schwangere Karoleyne M. sackt von einer Ladung Reizspray getroffen zu Boden.
Im BLICK erklärt die Costa-Ricanerin, was hinter der Attacke auf sie steckt. Und dass auf dem Migros-WC die Prügelei erst richtig losging!
Kontrahenten kennen sich seit einem Jahr
Als BLICK sie am Freitag trifft, sitzt ihr Freund Zivota K.* (39) noch immer hinter Gittern. Der Serbe wurde zusammen mit dem gegnerischen Paar verhaftet. Weil er seinem Kontrahenten die Nase gebrochen haben könnte.
Die schwangere 25-Jährige erinnert sich noch lebhaft an den Moment vor der Prügelei: «Ich hörte meinen Freund schreien. Und sah dieses Paar, das wir schon seit etwa einem Jahr kennen.»
Bei der Sprayerin handelt es sich um die Schweizerin Lucia P. (36), IV-Rentnerin aus Suhr, die als Mann geboren wurde. Ihr Begleiter ist der 67-jährige Schweizer Kurt R., pensionierter IT-Fachmann, als PC-Doktor bekannt. Das Paar lebt nur wenige Hundert Meter vom Tatort entfernt – in einem Mehrfamilienhaus. «Sie suchen Streit mit den Nachbarn und sind sehr aggressiv», erzählt eine Bewohnerin gegenüber BLICK.
Der Konflikt mit den beiden habe sich schon in den letzten Monaten zugespitzt, sagt die schwangere Karoleyne M.: «Ich habe Lucia 300 Franken ausgeliehen, die sie mir nie zurückgegeben hat.» Und weiter: «Als zu ihr nach Hause ging, um das Geld zurückzuholen, hat sie die Polizei gerufen!» Sie habe die Schulden aber schon abgeschrieben. Und seither auch nie wieder etwas vom Schweizer Ehepaar gehört. Bis am Donnerstag.
«Sie haben mich angepöbelt, wollten wissen, warum ich zu ihnen nach Hause gekommen sei.» Und: «Sie schrie mich an, ich schrie sie an.» Das andere Paar habe immer wieder gebrüllt, man solle Abstand halten. «Dabei waren sie es, die uns nachgegangen sind.» Es sei schliesslich der 67-Jährige Kurt R. gewesen, der als Erstes handgreiflich wurde, so Karoleyne M. «Er hat mich angefasst, hat mich geschubst», sagt sie.
«Mein Freund hat zwei Zähne verloren»
Karoleyne M. sieht noch, wie ihr Freund eine Flasche wirft. Dann wird sie vom Pfefferspray getroffen. «Ich sah nichts mehr, ich bin zusammengesackt. Ich hörte aber, wie mein Freund und der andere sich prügelten.»
Was man im Video nicht mehr sieht: Nachdem alle vier vom Spray getroffen wurden, wollten sie sich die Gesichter auswaschen – ausgerechnet auf demselben WC. Und trafen sich ein zweites Mal. «Ich wollte mein Gesicht waschen und hörte sie, wie beide in einer Kabine eingeschlossen waren.» Erneut kommt es zu einem Streit. Wieder kommt der Pfefferspray zum Einsatz. Wieder fliegen Fäuste. «Mein Freund hat zwei Zähne verloren», sagt die Schwangere.
Sie selber bekommt nach einem Sturz frühzeitige Wehen. «Aber zum Glück waren sie nicht stark», sagt sie. Dem Baby gehe es gut, auch wenn noch nicht alle Untersuchungen abgeschlossen sind. Mit dem Vater hat sie seit dem Zwischenfall noch nicht sprechen können: «Sie haben ihn wegen der Platzwunde ins Spital gebracht. Dann musste er ins Gefängnis.»
Die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau hat gegen die drei ein Strafverfahren wegen Verdachts auf Raufhandel eröffnet.
*Name der Red. bekannt