Bohrmaschine, Kärcher und Gummiboote für 5 Stutz
Berner eröffnen Leih-Laden gegen Konsumwut

Eine Bohrmaschine kaufen, wenn man nach einem Umzug ein paar Löcher in die Wand machen will? Nein, rät die Stiftung für Konsumentenschutz. Um Budget und Umwelt zu schonen, will sie in Bern einen ersten Leihladen für Bohrmaschinen und Co. eröffnen.
Publiziert: 19.07.2018 um 11:47 Uhr
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Aktualisiert: 14.09.2018 um 19:02 Uhr
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Projektleiter Raffael Wüthrich (32) verspricht, dass der Leihladen noch dieses Jahr eröffnet werden soll.
Foto: Peter Gerber
Céline Trachsel

Eine Campingausrüstung oder der Tramperrucksack wird einmal im Jahr gebraucht. Eine Bohrmaschine ist laut einer deutschen Studie im Durchschnitt nur elf Minuten im Einsatz – über ihre ganze Lebensdauer gerechnet. Ein Gummiboot braucht im Keller viel Platz, ganz zu schweigen vom Hochdruckreiniger, der nur alle paar Jahre mal hervorgeholt wird.

Ein Privathaushalt muss diese Dinge nicht alle selber besitzen, findet die Stiftung für Konsumentenschutz, und will deshalb noch dieses Jahr in Bern den ersten Leihladen der Schweiz eröffnen. Ein Leihladen ist eine «Bibliothek», die Gegenstände verleiht, die nicht im täglichen Gebrauch sind und zu Hause die meiste Zeit nur unbenutzt rumliegen.

Mit dem Leihladen werden diese Gegenstände einem grösseren Personenkreis zugänglich gemacht. Das schont das Portemonnaie und die Umwelt, weil durch das Teilen weniger Ressourcen verbraucht werden und weniger Abfall entsteht.

Laden wird definitiv noch dieses Jahr eröffnet

«Noch sind wir auf der Suche nach einer geeigneten Location», sagt Projektleiter Raffael Wüthrich zu BLICK. Zwar hätten sie bereits mehrere Angebote, «aber der definitive Ort fehlt noch. Dieser ist mindestens 60 Quadratmeter gross und möglichst zentral». Aber: Der Leihladen sei nicht bloss eine Idee. «Er wird definitiv noch dieses Jahr eröffnet», verspricht Wüthrich. 

Rund fünf Franken soll die Mitgliedschaft beim Leihladen pro Monat kosten. Für diese Flatrate können sämtliche Leihgegenstände kostenlos gebraucht werden. «Günstiger als im Leihladen kommt man nicht an hochwertige Gegenstände», so Wüthrich. Auch Nicht-Mitglieder können sich voraussichtlich für wenig Geld Sachen ausleihen.

Projektleiter hat ebenfalls «Leichen» im Keller

Die Idee stamme übrigens aus dem Ausland: Es gibt solche Leihläden bereits in Berlin, London oder Wien. Wüthrich selber hat übrigens auch ein paar unbenutzte Sachen im Keller: «Das Gummiboot habe ich zweimal benutzt, das Zelt lediglich einmal. Mindestens das Zelt wird wohl in den Bestand des Leihladens übergehen.»

Innert drei Jahren 90 Repair-Cafés aufgebaut

Die Stiftung für Konsumentenschutz verfolgt das Ziel, die Nutzungs- und Lebensdauer von Gegenständen zu optimieren. Das versucht die Stiftung nicht nur mit dem geplanten Leihladen in Bern zu erreichen, sondern auch mit den Repair-Cafés. Dort kann man seine defekten Dinge bringen und sie gemeinsam mit Reparaturprofis flicken. 

«Wir versuchen, gegen die Wegwerf-Wirtschaft vorzugehen», sagt Raffael Wüthrich. Die Bewegung sei stark am wachsen, beobachtet er. «Immerhin wurden in nur drei Jahren 90 Repair-Cafés in der ganzen Schweiz aufgebaut. Das Interesse ist sehr gross und weiter steigend.» Übrigens findet am 27. Oktober der dritte Schweizer Reparaturtag statt. 

Mehr unter repair-cafe.ch.

Die Stiftung für Konsumentenschutz verfolgt das Ziel, die Nutzungs- und Lebensdauer von Gegenständen zu optimieren. Das versucht die Stiftung nicht nur mit dem geplanten Leihladen in Bern zu erreichen, sondern auch mit den Repair-Cafés. Dort kann man seine defekten Dinge bringen und sie gemeinsam mit Reparaturprofis flicken. 

«Wir versuchen, gegen die Wegwerf-Wirtschaft vorzugehen», sagt Raffael Wüthrich. Die Bewegung sei stark am wachsen, beobachtet er. «Immerhin wurden in nur drei Jahren 90 Repair-Cafés in der ganzen Schweiz aufgebaut. Das Interesse ist sehr gross und weiter steigend.» Übrigens findet am 27. Oktober der dritte Schweizer Reparaturtag statt. 

Mehr unter repair-cafe.ch.

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