Erdbeerbauer Müller:
«Ich finde schon jetzt nur noch Ausländer»

Publiziert: 21.06.2005 um 12:12 Uhr
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Aktualisiert: 05.10.2018 um 18:10 Uhr
BENITA VOGEL
Steinebrunn TG. Beeren-Bauer Werner Müller (55) beschäftigt ausschliesslich Ausländer. Schweizer bekommt er schon lange keine mehr.

Die Unternehmenssprache ist Portugiesisch. 40 der 60 Mitarbeiter, die bei Werner Müller Erdbeeren pflücken und die Felder pflegen, stammen aus Portugal. Die übrigen sind Praktikanten und Arbeiter aus Lettland, Polen, Rumänien und der Slowakei. «Schweizer finde ich schon seit langem keine mehr.» Die letzte Schweizerin, die für Müller auf den Feldern war, ging 1992 in den Ruhestand.

Die Personenfreizügigkeit ist für Müller überlebenswichtig. Er wird im September für die erweiterte Version Ja stimmen. Denn Müller hat auch immer mehr Mühe, Portugiesen zu finden. «Wir haben unsere Stellen Ende 2004 im RAV ausgeschrieben», erzählt Müller. Zehn Arbeitslose hatten einen Termin für ein Vorstellungsgespräch. Ein einziger – ein Portugiese – kam. «Er lehnte die Arbeit ab.» Der Erdbeerbauer ist deshalb froh, dass er dieses Jahr zum ersten Mal ehemalige Praktikanten aus Osteuropa im Status «Arbeitskräfte» anstellen konnte.

Müllers Pflücker arbeiten in der Hauptsaison bis zu 10,5 Stunden am Tag und sind auch am Sonntagmorgen auf den Feldern. Das liegt innerhalb der im Kanton Thurgau erlaubten 11 Stunden pro Tag (oder 55 Stunden pro Woche, verteilt auf fünfeinhalb Tage). Laut Richtlinien des Schweizerischen Bauernverbandes verdient ein Praktikant minimal 2330 Fr., eine Arbeitskraft 2915. «Unsere Leute erhalten mehr», sagt Müller. Wie viel will er nicht sagen. «Aus Konkurrenzgründen», erklärt er. Über den Verband rechnet Müller auch die Sozialabgaben und die Versicherungsprämien ab. Die Organisation beschafft dem Bauern zudem die Aufenthaltsbewilligungen. Kontrolliert wird Müller von den Sozialpartnern und den Kantonsbehörden. Dieses Jahr waren die Kontrolleure noch nicht auf dem 12-Hektaren-Betrieb.

Fazit: Offene Kommunikation. Bei den Kantonsbehörden und Gewerkschaften gilt der Betrieb Müller als seriös.

STECKBRIEF
Firma: Sonnenhof, Werner Müller, Steinebrunn.
Branche: Erdbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren, Brombeeren.
Anzahl Mitarbeiter: 60 (Hochsaison).
Davon Ausländer: 60 (8 mit B- und C-Bewilligungen, 52 mit L-Bewilligungen.
Absatzmarkt: Schweiz.
Umsatz: Keine Angaben.
Firma: Sonnenhof, Werner Müller, Steinebrunn.
Branche: Erdbeeren, Johannisbeeren, Himbeeren, Brombeeren.
Anzahl Mitarbeiter: 60 (Hochsaison).
Davon Ausländer: 60 (8 mit B- und C-Bewilligungen, 52 mit L-Bewilligungen.
Absatzmarkt: Schweiz.
Umsatz: Keine Angaben.
Darum gehts
Welche Chefs haben etwas zu verbergen?

ZÜRICH. Am 25. September stimmt die Schweiz darüber ab, ob künftig auch Arbeitskräfte aus den «neuen» EU-Ländern in der Schweiz arbeiten dürfen. Bereits seit einem Jahr können Personen aus den «alten» EU-Ländern weitgehend frei bei uns arbeiten.

Nehmen uns die ausländischen Arbeiter die Jobs weg? Drücken sie die Löhne? BLICK will das genau wissen. Und schickt seit dem 20. Juni seine Jobinspektorin Benita Vogel los. Unangemeldet kreuzt sie bei Schweizer Firmen auf und schaut, ob alles mit rechten Dingen zu und her geht. Lesen Sie hier alle Fakten dazu.
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Liebe Leserinnen, liebe Leser
Sind Ihnen rund ums Thema Personenfreizügigkeit Missbräuche bekannt? Haben Sie deswegen weniger Lohn – oder gar den Job verloren? Reichen die flankierenden Massnahmen aus? Und machen die Kontrolleure ihre Arbeit gut? Schreiben Sie an:
Redaktion BLICK, Jobinspektorin,
E-Mail: benita.vogel@ringier.ch
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