Dramatische Minuten für Angela Merkel. Die deutsche Kanzlerin hob am Donnerstagabend im Regierungsflieger «Konrad Adenauer» mit dem Ziel G20-Gipfel in Buenos Aires in Berlin ab – und landete zwei Stunden später in Köln.
Auf dem Weg von Berlin zum G20-Gipfel in der argentinischen Hauptstadt musste der A340-300 der Luftwaffe mit Merkel und Vize-Kanzler Olaf Scholz über der Nordsee umdrehen.
Der Grund: ein technischer Defekt. Der Kapitän sendete den Notfall-Code 7600 an die Fluglotsen. Dieser Code wird von deutschen Piloten meist mit «76 – I need my radio fixed» oder als «76- I hear nix» umschrieben. Wie die Ermittler mittlerweile aufdeckten, war eine Verteilerbox kaputt. Diese war für die Norstromversorgung zuständig. Durch den Defekt waren zahlreiche Anzeigen ausgefallen – der Kapitän schätzte einen Weiterflug über den Atlantik als zu gefährlich ein.
Stewardess zu Merkel: «Es ist wichtig»
Um kurz vor 20 Uhr kam eine Stewardess in den Besprechungsraum des Fliegers, wo Angela Merkel sich gerade aufhielt, berichtet «Focus Online». Ihre Worte an die Kanzlerin: «Es ist wichtig.»
Als Merkel zusammen mit ihrer Crew sicher um 21 Uhr auf dem Flughafen Köln-Bonn landete, erwarteten mehrere Feuerlösch-Fahrzeuge das Flugzeug. Die Maschine hatte eine harte Landung, da beim Flug nach Köln zu wenig Treibstoff abgelassen werden konnte.
Merkel verpasst wohl Treffen mit Trump
Doch mit der Landung war die Odyssee noch nicht ausgestanden. Merkel musste 70 weitere Minuten in der Maschine ausharren, während dem die Bremsen des Flugzeugs geprüft wurden.
Der Zwischenfall hat für Merkel Auswirkungen auf den G20-Gipfel: Sie wird den Auftakt am Freitag verpassen und gemäss der «BILD»-Zeitung fällt auch ihr Treffen mit US-Präsident Donald Trump ins Wasser. In Deutschland suchen die Behörden dafür mit Hochdruck nach der Ursache des Zwischenfalls. Selbst ein «kriminalistischer Hintergrund» würden die Ermittler nicht ausschliessen, erfuhr die «Rheinische Post» in Regierungskreisen.
Mittlerweile gab ein Sprecher der deutschen Luftwaffe aber Entwarnung. «Es gibt überhaupt keinen Hinweis auf einen kriminellen Hintergrund» sagte er am Freitagmorgen. Man gehe von einem Fehler in einer elektronischen Verteilerbox aus, die sowohl die Funkanlage als auch das System zum Ablassen von Kerosin steuerte.
Merkel wird am frühen Freitagmorgen über Madrid per Linienflug nach Buenos Aires reisen. Die Nacht wollte Merkel in einem Bonner Hotel verbringen. Bevor sie ins Hotel fuhr, sagte sie zu Reportern: «Es war eine ernsthafte Störung. Ich habe eine sehr, sehr exzellente Crew gehabt». (nim/hah)