Unsere Gesundheit ist alles, was wir haben. Entsprechend teuer ist sie uns. Zu recht. Doch wo etwas teuer ist, dort lässt sich viel Geld verdienen. Und das bringt Gesundheitswesen an den Anschlag.
SonntagsBlick befasste sich diese Woche mit der – Achtung, jetzt wirds sperrig – «Krankenpflege Leistungsverordnung, Anpassung des Vertriebsanteils nach Artikel 38». Das Resultat lesen Sie auf Seite 32 und 33. Zugegeben: Ein Nebengleis im Milliardenmarkt Schweizer Gesundheitssystem. Streitpunkt ist eine Erhöhung der Marge für den Medikamenten-Grosshandel. Es geht um mindestens 100 Millionen Franken.
Sicher: Im Vergleich dazu, wie viel Geld das Gesundheitswesen jedes Jahr verschlingt, ist das eine Petitesse. Aber das Beispiel ist symptomatisch für unser System. In einer einfachen Behördenpapier wird mal schnell darüber informiert, dass die Medikamentenlogistik in Zukunft um mindestens 100 Millionen teurer werden soll. Im Dokument fehlt eine Begründung dafür. Für Laien ist es ohnehin kaum verständlich. Selbst Experten haben Mühe, dem Text zu folgen.
Macht man sich dann auf die Suche nach den Hintergründen, wirds erst recht kompliziert. Die einen Involvierten nehmen gar keine Stellung, die anderen liefern langfädige Erklärungen. Der Journalist versucht, das alles in einen lesbaren Text zu übersetzen.
Kein Wunder, hat der Normalbürger längst abgehängt.
Doch genau das ist die Gefahr: Unser System ist so kompliziert geworden, dass es uns zu entgleiten droht. Allein die Liste der Akteure ist unendlich: Es gibt Ärzte, Pharma-Firmen, Versicherer, Spitäler, Apotheken, Politiker, Lobbyisten, Behörden, um nur ein paar der Hauptplayer zu nennen. Es greifen Rädchen ineinander, die so fein sind, dass man sie kaum erkennt. Und damit ist nicht mal die hochkomplexe Humanmedizin gemeint. Sondern rein die Organisation und Allokation der Dienstleistung Gesundheit.
Insider haben leichtes Spiel. Denn ihre Behauptungen, Warnungen und Versprechungen kann man als Nichtexperte kaum überprüfen. Am Schluss zahlt der Patient dann doch, denn schliesslich geht es um seine Gesundheit.
Wir haben ein Monster erschaffen. Es zu bändigen, wird sehr, sehr schwer.