Manchmal klingelt das Telefon zwanzig Mal am Tag. «Alle wollen einen Welpen», sagt Yvonne Jaussi (62). Die Tierärztin aus dem Emmental züchtet seit mehr 30 Jahren Flat Coat Retriever und Parson Russell Terrier. Für sie ist das vor allem Leidenschaft und Hobby, pro Jahr gibt es bei ihr ein bis zwei Würfe.
Längst nicht genug, zwar musste man schon vorher gedulden, wenn man einen Welpen aus einer seriösen Zucht wollte, die Pandemie hat in der Schweiz aber einen Hundeboom ausgelöst: «Wir können die Nachfrage nicht decken. Und ich muss auch ernsthafte Bewerber vertrösten, sie schicken ganze Lebensläufe und schreiben, wie sie sich auf den Hund vorbereiten.» Da sei die Enttäuschung oft gross.
Keine Welpen auf Knopfdruck
«Es gibt nun mal keinen Hund auf Knopfdruck, auch wenn das im Internet angeboten wird.» Die Tierärztin warnt: «Import-Welpen kommen meist aus katastrophalen Produktionsstätten ohne soziale Kontakte oder medizinische Betreuung.» Ohnehin müsse die Anschaffung eines Hundes wohlüberlegt sein, da sei eine Wartezeit gar nicht so schlecht. Selber war Jaussi allerdings auch nicht so geduldig: «Wir haben unseren ersten Retriever sehr spontan angeschafft und waren ziemlich unbedarft.»
Das war 1984, Jaussi war damals noch Studentin, den Hund nahm sie mit in den Hörsaal. Einer ihrer Welpen habe später sogar mal die Dissertation eines Kollegen verspeist. Jaussi lacht: «Klüger ist er davon nicht geworden.» Heute wäre das nicht mehr möglich: «Ich würde jemandem, wie wir es waren, bestimmt keinen Welpen abgeben. Wichtig ist, dass man genug Zeit und Platz hat.»
Schlafen neben der Wurfkiste
Jaussi überprüft die künftigen Besitzer so gründlich, wie es geht: Ihre Welpen sind ihr sehr ans Herz gewachsen. In den ersten zwei Wochen schläft sie neben der Wurfkiste, nötig sei das vor allem bei grösseren Rassen. «Falls sich die Mutter auf einen Welpen legt.» Viel Schlaf bekomme man da nicht und: «Das nimmt emotional mit. Oft schaue ich dann diese Kleinen an und wundere mich, was sie mal für ein Leben haben und ob es ihnen gut gehen wird.» Die Trennung vom Welpen gehöre aber dazu.
Wer glaubt, dass er wegen des Hundebooms mit Zucht auf die schnelle Geld verdienen kann, der täuscht sich. Bei Jaussi kostet ein Retriever 2300 Franken, ein Parson Russell 2000. «Damit kann man in der Regel die Kosten decken, und wenn was übrig bleibt, dann freut man sich.» Bevor man überhaupt als Züchter vom Hundedachverband (SKG) anerkannt wird, sei es ohnehin ein langer Weg. «Dafür haben dann die Käufer auch die Garantie, dass sie einen möglichst gesunden Hund aus einem artgerechten Umfeld bekommen.»