Hunde werden von uns Menschen oft falsch verstanden – was grosse Auswirkungen auf das Zusammenleben von Herrchen und Tier haben kann. Hundetrainer Marc Welti (30) erklärt, wie eine richtige Kommunikation funktioniert und welche Fehler man vermeiden sollte.
«Der Mensch muss seinen Hund kennen. Die beiden müssen dieselbe Sprache sprechen. Es ist aber unmöglich, alle Signale richtig zu verstehen», erklärt Welti. Demnach kann ein Zeichen des Vierbeiners mehrere Bedeutungen haben. «Viele Missverständnisse entstehen, wenn man Signale in Schubladen steckt.»
So kann ein Ohr anlegen in einer Situation Aggression bedeuten und in einer anderen steht es für Wohlbefinden. Wedelt der Hund mit dem Schwanz, bedeutet dies Freude oder auch Angst. «Ich achte auf die Gesichtsmimik und schaue ihnen tief in die Augen. So kann ich die Emotionen und die wahren Gefühle am besten lesen.»
In die Augen schauen ist erlaubt
Den Augenkontakt mit Hunden meiden ist ein häufiger Ratschlag. Welti sieht das anders: «Die Besitzer können ihren Tieren ohne Probleme in die Augen schauen.» So könne man Emotionen und wahre Gefühle gut erkennen.
Trotzdem bestätigt der Hundetrainer aus Seegräben ZH: «Man muss Hunde nicht unnötig mit den Augen fixieren, das gilt bei den Menschen ja auch als unhöflich. Ein Hund will diese Art von Aufmerksamkeit oft nicht.»
Fehlerhafte Verteidigung
Den Kindern wird von klein auf beigebracht, in die Knie zu gehen, wenn ein Hund auf sie zurennt. «Diese Reaktion ist eigentlich gefährlich, denn das Tier ist so sehr gesichtsnah. Nehmen wir diese Haltung ein, bedeutet es für den Hund Schwäche, und er fühlt sich uns überlegen. Zudem machen wir so auf uns aufmerksam.»
Eine bessere Lösung wäre aus Weltis Sicht, sich abzudrehen und den Hund zu ignorieren, sodass man für ihn nicht mehr interessant ist. Ein gewisses Risiko besteht aber immer.
Die richtige Erziehung
Als Hundetrainer weiss Welti auch, worauf es in der Erziehung ankommt. «Hunde sind sehr schlau. Es ist wichtig, dass man ihnen die Situation erklärt und ihnen klarmacht, was man von ihnen verlangt. Ist der Vierbeiner gut erzogen, fängt er an mitzudenken. Sie sind gut darin, Abläufe zu erkennen und sich diese zu merken.»
Auch Abmachungen seien wichtig, die der Hund versteht und die er im Alltag gebrauchen kann. «Ein Hund kann so erzogen werden, dass er dem Wort ‹Sitz› nur folgt, weil er ein Leckerli erwartet. Es ist aber viel effizienter, wenn man dem Hund dieses Wort in Verbindung mit Warten beibringt.»
Wenn der Hund bellt
Hunde bellen oft – und meist aus verschiedenen Gründen. Dies kann beispielsweise Nervosität sein – oder der Vierbeiner will einfach nur meckern. Äusserst falsch wäre es, den Hund einfach ruhigstellen zu wollen. «Das Bellen ist immer ein Symptom. Als Erstes sollte man herausfinden, warum er dies macht. Danach ist es wichtig, am Auslöser zu arbeiten», meint Welti. Bellt der Hund, weil er beispielsweise Angst hat, muss man ihm diese nehmen.