«Putin ist ein Pädophiler» – diese Aussage könnte den ehemaligen KGB-Agenten Alexander Litwinenko das Leben gekostet haben. Das glaubt zumindest seine Frau Marina, die sich seit Jahren um die Aufklärung des rätselhaften Todes ihres Mannes bemüht.
Litwinenko, einer der schärfsten Kritiker der russischen Regierung, war am 23. November 2006 im Alter von 43 Jahren an den Folgen einer Vergiftung mit radioaktivem Polonium 210 in London gestorben.
Noch auf dem Sterbebett hatte Litwinenko den russischen Präsidenten für die Vergiftung verantwortlich gemacht, woraufhin sich seine Frau für Ermittlungen eingesetzt hatte.
«Keiner versteht, wieso Putin so etwas tut»
Den Pädophilen-Vorwurf gegen Putin hatte Litwinenko nur vier Monate vor seinem Tod in einem Artikel für die tschetschenische Nachrichtenagentur «Chechenpress» erhoben.
Als angeblichen Beweis führte der Kreml-Kritiker eine Szene an, die sich bei einem Presseauftritt Putins auf dem Roten Platz in Moskau abgespielt hatte. In dieser ist zu sehen, wie der russische Präsident einem Jungen einen Kuss auf den Bauch verpasst.
Im Artikel kommentierte Litwinenko die etwas seltsam anmutende Geste des russischen Präsidenten wie folgt: «Putin kniet vor dem Jungen und fragt, wie er heisse. Nikita, antwortet der Knabe. Dann hebt Putin das T-Shirt des wildfremden Jungen und küsst ihn auf dem Bauch. Die Welt ist schockiert. Keiner versteht, wieso Putin so etwas tut.»
Weiter behauptete Litwinenko auch noch, es gäbe Videoaufnahmen, die Putin beim Sex mit minderjährigen Jungen zeigen. Diese seien jedoch verschwunden, nachdem Putin zum FSB-Chef ernannt wurde. Einen Beweis lieferte er dafür allerdings nie.
Mord vom Geheimdienst in Auftrag gegeben?
Am Donnerstag hatte der britische Richter Robert Owen den Abschlussbericht zur gerichtlichen Untersuchung zu Litwinenkos Tod veröffentlicht. Darin heisst es, dass der Giftmord wahrscheinlich vom russische Geheimdienst FSB in Auftrag gegeben worden war.
Die Tat sei vom damaligen FSB-Chef Nikolai Patruschew gutgeheissen worden – «wahrscheinlich mit der Zustimmung Putins», so Owen.
Für den britischen Richter gilt es als erwiesen, dass die beiden russischen Ex-Agenten Andrej Lugowoi und Dmitri Kowtun ihren Landsmann Litwinenko im November 2006 mit radioaktivem Polonium 210 vergiftet hatten.
Juristische Beweise bleibt Owen in seinem Ermittlungsbericht schuldig. Nicht zuletzt deshalb gilt dieser als diplomatisch heikel.
Die britische Regierung wollte eigentlich verhindern, dass der Fall öffentlich wieder aufgerollt wird, doch Litwinenkos Witwe Marina hatte sich vor Gericht durchgesetzt. Russland weist das Untersuchungsergebnis als «Witz» zurück. (gr)