Julen fiel 70 Meter tief in ein offenes Bohrloch in den Tod. Rund zwei Wochen versuchten Rettungskräfte, den Zweijährigen im südspanischen Totalán zu bergen (BLICK berichtete). Erfolglos. Der Bub starb kurz nach dem Sturz, wie Gerichtsmediziner später feststellten.
Ein Jahr ist seither vergangen. Bei den Eltern sind die Wunden jedoch alles andere als verheilt. «Der Schmerz begleitet uns jeden Tag», erzählt Vater José Roselló der «Bild». «An manchen Tagen will man nicht einmal aufstehen. Unser Leben wird für immer vom Unglück geprägt sein.»
Tattoos von ihren Kindern
Zuvor haben sie schon ihren schwerkranken Sohn Oliver (†2) verloren. Die Gesichter beider Söhne tragen die Eltern nun als Tattoos immer mit sich auf ihrer Haut.
Die Bilder der Rettungsaktion verfolgen den Vater immer noch. «Wir haben alles vor Augen, als wäre es gestern gewesen», erzählt er der Zeitung weiter. Seine Frau Victoria García geht jeden Tag auf den Friedhof – Roselló schafft es nicht.
Jobsuche lenkt sie ab
Das Ehepaar versucht nun, sein Leben zu ordnen. García und Roselló haben nämlich nicht nur ihre Kinder, sondern auch ihre Arbeit verloren. Garcías Arbeitsvertrag bei McDonald's wurde nicht verlängert. Die Jobsuche lenkt sie jedoch ab, sagt der Vater.
Bald werden sie sich aber wieder mit dem tragischen Unfall ihres Sohnes beschäftigen müssen. Der Prozess beginnt am 21. Januar. Auf der Anklagebank sitzt David Serrano, der Freund der Cousine von Roselló. Er muss sich wegen fahrlässigen Totschlags verantworten. Der Schacht befand sich auf seinem Grundstück. Obwohl er vom Loch wusste, hatte er niemanden davor gewarnt.
Zu Serrano hat die Familie den Kontakt abgebrochen. «Ich werde ihm nie verzeihen, will einfach nur, dass der Prozess schnell vorbei ist, damit wir das irgendwie abschliessen können», so Roselló. (szm)