Auf einen Blick
- Swissmint vergibt Auftrag für Sondermünzen an umstrittene Firma MKS Pamp
- Vorwürfe gegen MKS Pamp
- Auftragswert beläuft sich auf potenziell über 34 Millionen Franken
Sankt Nikolaus ist darauf zu sehen, die Schweizer Berge und Schienen oder die Luftseilbahn Schilthorn: Sammler lieben die Schweizer Sondermünzen. Um diese herzustellen, braucht die staatseigene Münzstätte Swissmint Gold und Silber.
Mit einer offenen Ausschreibung beschaffte sie Feingold sowie Gold- und Silberrondellen. Der Zuschlag für den Zeitraum von 2025 bis 2029 ging an die Genfer Firma MKS Pamp. 5,7 Millionen Franken gibt es im Grundauftrag, als Option könnten weitere 28,3 Millionen Franken dazukommen. Insgesamt geht es also um über 34 Millionen Franken.
Doch: Die Firma steht in der Kritik. Der Zufall will es, dass nur wenige Wochen nach der Auftragsvergabe die Befürworter der Konzernverantwortungsinitiative MKS Pamp als negatives Fallbeispiel an einer Medienkonferenz nannten. Sie kritisieren, dass die Firma Gold auch aus «hochproblematischen» Quellen beziehen würde.
Mitte-Nationalrat Stefan Müller-Altermatt (48, SO) sitzt im Initiativkomitee der Konzernverantwortungsinitiative. «Es sind krasse Vorwürfe, die hier der Firma gemacht werden», sagt er. «Dass eine solche Firma einen Auftrag aus der Schweiz bekommt, ist stossend und zeigt, wie wichtig die Initiative ist.»
Sie fordert strengere Regeln für grosse Firmen in der Schweiz. So sollen sie zum Beispiel auch für Tochterfirmen im Ausland verantwortlich sein, wenn diese Sorgfaltspflichten in Bezug auf Menschenrechte und Umweltschutz missachten.
MKS Pamp war in Kritik
Um was geht es? Die Zeitungen von CH Media berichteten im vergangenen Jahr über Umweltverschmutzung und blutige Arbeiterproteste bei einer liberianischen Goldmine, die MKS Pamp beliefert. Das liberianische Parlament schickte ein Komitee zur Mine, das danach 38 Forderungen stellte. Darunter auch angemessene Schutzausrüstung und funktionierende Lüftungssysteme. Aus welcher Mine das Gold für die Schweizer Münzen kommt, ist nicht bekannt.
Was sagt MKS Pamp dazu? Die Firma schreibt auf Blick-Anfrage, man setze sich für nachhaltige und verantwortungsvolle Beschaffung ein. Der Artikel entspreche weder den Zusicherungen des Lieferanten noch den Berichten von «unabhängigen Dritten oder den Feststellungen vor Ort».
Das Abwasser werde täglich kontrolliert und die Behauptungen über Zwangsumsiedlungen und Landzerstörungen seien «unbegründet». Die Kritik der Initianten der Konzernverantwortungsinitiative sei «sachlich falsch» und basiere auf «irreführenden Behauptungen». Die Edelmetall-Lieferanten würden «anhand sozialer Kriterien und mehr geprüft werden». «Diese Bewertungen stehen im Einklang mit den OECD-Leitlinien.»
Nur ein einziges Angebot
Angesprochen auf die Kritik, verweist Swissmint auf die Nachhaltigkeitskriterien, die die Bewerber für den Zuschlag erfüllen müssten. «Zusätzlich zur Selbstdeklaration müssen die Anbieter einen weitergehenden Herkunftsnachweis des Goldes vorlegen, der den festgelegten Standards entspricht», so Swissmint. «Diese Nachweise gewährleisten, dass Menschenrechte sowie Sozial- und Umweltstandards in der Lieferkette eingehalten werden.»
So oder so: Swissmint hatte keine andere Wahl. MKS Pamp war die einzige Firma, die ein Angebot abgegeben hatte. Anders als bei vergangenen Beschaffungen, wie Swissmint auf Blick-Anfrage schreibt. Für eine erneute Ausschreibung oder eine Stornierung hätte es aber keine rechtliche Grundlage gegeben.
Müller-Altermatt will Swissmint keinen Vorwurf machen. «Die Branche ist klein, es gibt nicht viele Firmen, die solche Mengen produzieren können, und es gibt bislang keine Rechtsgrundlage, ein solches Unternehmen von der Ausschreibung auszuschliessen.» Nichtsdestotrotz nimmt er die Münzstätte in die Pflicht. «Swissmint muss nun genau hinschauen, woher das Gold kommt, und die MKS Pamp an die Einhaltung von Menschenrechten und Umweltstandards erinnern.»