Zehntausende nahmen am Samstag nur Stunden nach seinem Tod an einem öffentlichen Gebet im Stadion der Millionenmetropole Karachi teil. Dort bekam Edhi die Ehren eines Staatsbegräbnisses, samt Ehrengarde der Armee und Salutschüssen.
«Wenn irgendjemand verdient, in eine pakistanische Flagge gehüllt zu werden, dann er», sagte Ministerpräsident Nawaz Sharif in einer Stellungnahme. In der ersten Reihe standen Präsident Mamnoon Hussain, Armeechef Raheel Sharif und viele Minister. Zehntausende hatten auch Edhis Sarg durch die Strassen bis zum Stadion begleitet oder trauerten im Internet.
Edhi hatte von den 1950er Jahren an eine der grössten Wohltätigkeitsorganisationen des Landes aufgebaut. Der Mann aus bescheidenen Verhältnissen wurde so zum Volkshelden.
Millionen Menschen profitierten von den Kliniken, Waisenhäusern, Babyklappen, Suppenküchen, Rechtshilfebüros und vielen anderen Initiativen der Edhi-Stiftung. In dem Land mit fast 200 Millionen Einwohnern, in dem der Staat oft nicht einmal die grundlegendsten sozialen Dienstleistungen anbietet, füllt die Stiftung grosse Lücken.
Besonders auffällig sind in vielen pakistanischen Städten die weiss-roten Edhi-Ambulanzen. Als Edhi einmal gefragt wurde, wieso sie auch Christen und andere Nicht-Muslime transportierten, soll er erwidert haben: «Weil meine Ambulanz muslimischer ist als du.»
International wurde Edhi oft mit Mutter Teresa verglichen - aber anders als sie hat er seine wohltätige Arbeit nicht auf dem Glauben oder dem Islam begründet. Er galt als säkular. Er glaube an die Menschlichkeit, hat er oft gesagt.
Finanziert hat Edhi seine Stiftung grösstenteils aus privaten Spenden. Bis ins hohe Alter sass er öfter selbst im Schneidersitz an einer Strassenecke und bat um Spenden. Manchmal lehnte er Gaben von Leuten, die er als «Ausbeuter» oder «Kapitalist» fragwürdig fand, ab. Trotz der Grösse seiner Organisation, lebte Edhi wie ein Asket. Jahrzehntelang schlief er in einer Kammer hinter seinem Büro.
Seit 2013 hatte Abdul Sattar Edhi Nierenprobleme. Er war in der Nacht während einer Dialyse verstorben. Nach Medienangaben soll er nun im Edhi-Dorf begraben werden, einer Schutzeinrichtung seiner Stiftung für Frauen und ältere Menschen am Stadtrand von Karachi.